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19.11.2013

10:06 Uhr

Versorger in der Krise

RWE, ein Gigant im Schrumpfmodus

Quelle:Börse am Sonntag

Die Energiewende bringt RWE ins Wanken. Die Aktionäre haben bittere Jahre hinter sich. Ist ein Comeback in Sicht? Hilft eine große Koalition in Berlin dem Versorger an Rhein und Ruhr? Ist die Aktie wieder ein Kauf?

Beim Weltkonzernen RWE könnte die Krise eine Chance für Anleger bedeuten. Reuters

Beim Weltkonzernen RWE könnte die Krise eine Chance für Anleger bedeuten.

MünchenDie Energiewende der deutschen Bundesregierung trifft den nordrhein-westfälischen Strom-und Gasanbieter RWE wie ein Schuss aus der Elektropistole. Die Gewinne brechen weg, die Aktienkurse fallen seit Quartalen massiv, die Analysten überbieten sich in Warnungen. Nun sind auch Massenentlassungen in den kommenden Jahren angekündigt. Der Riese strauchelt gewaltig. Und nach den neuen Quartalsergebnissen ging es auch vergangene Woche für den Aktienkurs wieder einmal bergab.

Doch gerade bei derart substantiellen Weltkonzernen könnte die Krise eine Chance für Anleger bedeuten. Während viele Studien den Anlegern empfehlen, bloß nicht ins berüchtigte fallende Messer zu greifen, gibt es einen Hoffnungsschimmer. Denn die neue Große Koalition in Berlin will die Energiewende korrigieren. Die massiven Fehlsubventionen in erneuerbare Energien sollen zurück geführt werden, die Öko-Planwirtschaft stückweise dem Markt geöffnet werden.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

Zugleich blickt Berlin mit Sorge auf den drohenden Kollaps von RWE und EON. Man hat erkannt, dass es Deutschland und den hiesigen Wirtschaftsstandort strategisch schwächen würde, wenn die beiden wichtigsten Energiekonzerne taumeln. Es könnte also aus Sicht von Anlegern gut sein, dass bei Bekanntgabe der Koalitionsvereinbarung die Versorgeraktien ein kleines Comeback erleben werden. Viele der aktuellen Probleme hingegen sind in den derzeitigen Niedrigkursen schon eingepreist.

Dass der Essener Energieriese RWE durch die Energiewende finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet ist, war schon vielen vorher klar. Die eiserne Härte des Sparkurses, der diese Woche anlässlich der Quartalsbilanz angekündigt wurde, hat aber selbst zahlreiche Experten überrascht. Wegen stark schrumpfender Gewinne streicht RWE bis 2016 weitere 6750 Arbeitsplätze, davon 4700 in Deutschland. Bereits bis zum Jahresende soll sich der konzernweite Personalstand von rund 67.400 auf 61.000 Stellen reduzieren. Und das, obwohl die Essener von 2011 bis 2013 schon 6200 Beschäftigungsposten abgebaut oder durch Verkauf abgegeben haben.

Angesichts der ernüchternden Prognose für das kommende Jahr 2014 bleibt dem Energiegiganten allerdings kaum etwas anderes übrig, als diesen unangenehmen Schritt zu gehen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde demnach auf 7,6 bis 8,1 Milliarden Euro schrumpfen nach neun Milliarden Euro in diesem Jahr. Geht RWE für das aktuell laufende Jahr noch von einem bereinigten Nettoergebnis von 2,4 Milliarden Euro aus, rechnet man für 2014 nur noch mit 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro. „Das ist das Tal der Tränen, da müssen wir durch“, sagte Konzernchef Peter Terium.

Entsprechend schockiert zeigten sich die Aktionäre des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns, die RWE-Papiere brachen zwischenzeitlich um 8,8 Prozent ein. Auch die Dividendenzahlung ist von der Misere der Essener betroffen, und wird um die Hälfte auf nur noch einen Euro je Aktie herabgesetzt. Da sie sich maßgeblich am drastisch sinkenden nachhaltigen Nettoergebnis orientiert, besteht nach Angaben des RWE-Managements bis auf weiteres wenig Hoffnung für einen Anstieg der Zahlungen.

Den wird es wohl erst geben, wenn es dem Weltkonzern aus dem Ruhrpott endlich gelingt, wieder auf die Beine zu kommen. Dafür sollte RWE einen Blick auf regenerative Energien richten. Der dringend benötigte Strategiewechsel wird nicht konsequent genug umgesetzt. Obwohl sich die traditionellen Geschäftsmodelle mittlerweile überlebt haben, setzt RWE noch immer auf Stein und Braunkohle und investiert kräftig in unausgelastete neue Kraftwerke, die durch den extrem gefallenen Börsenstrompreis kaum noch Gewinne abwerfen.

Kommentare (19)

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HofmannM

19.11.2013, 10:27 Uhr

Nicht nur RWE ist durch diese perfide und asoziale Energiewende/EEG am Schrumpfen, sondern auch die Einnahmen der Anteilseigner an RWE,E.ON, EnBW. Und das sind zum Großen Teil Gemeinden, Städte, Kommunen, Länder.
Das EEG/Energiewende bringt nich nur die Wirtschaft zum Schrumpfen, sondern auch die Arbeitsplätze und den Wohlstand in der deutschen Gesellschaft. EEG/Energiewende ist ein Vernichtungsfeldzug an der deutschen Gesellschaft!

Kurbel33

19.11.2013, 10:51 Uhr

Zugegebenermaßen ist die derzeitige Energiepolitik eine einzige Katastrophe. Welcher Energieversorger soll da auf welches Pferd setzen? Jedoch ist die Richtung klar: Erneuerbare Energien. Was bei dem japanischen Atomunfall seit zwei Jahren passiert ist einfach unglaublich, ein echtes Warnzeichen! Die Folgen der Umweltverstrahlung werden gnadenlos verharmlost, während ganz Japan suzessive verstrahlt wird. Wo bliebt denn das radioaktivverstrahlte Wasser, das dort jeden Tag tonnenweise in das Meer ausläuft? das kommt doch nicht etwa wieder mit dem Regen auf das Festland runter?
Die Erneuerbaren hat u.a. auch RWE komplett verpennt. Der vorige CEO Grossmann hat voll auf die klassischen Energieträger gesetzt und den Konzern zu einem Eldorado der Unternehmensberater gemacht. Was ist unter dem Strich dabei rausgekommen?: 30 Mrd. Euro Schulden, teure Akquisitionen, die jetzt wertberichtigt werden müssen. Unter dem CEO Roels hatte RWE 5 Mrd. Euro Schulden! Zwar auch keine tragfähige Strategie in Richtung Erneuerbare aber wesentlich mehr finanzielle Flexibilität. Die Kommunen wollten ihn loswerden, was für ein Fehler! Heute hätte RWE die finanzielle Feuerkraft um in jede Richtung zu investieren. Und für die neue Strategie mit dezentralen Energien ist RWE - ehrlich gesagt - verzichtbar. Das derzeitige Gezocke mit der Aktie vor allem angetrieben durch sich ständig widersprechende Analystenstudien: Mal sind Versorger die lohnende Investition, mal die Verlierer der Energiewende. Wer das nicht durchschaut, ist selber schuld.

Account gelöscht!

19.11.2013, 10:59 Uhr

Zitat: " Während viele Studien den Anlegern empfehlen, bloß nicht ins berüchtigte fallende Messer zu greifen, gibt es einen Hoffnungsschimmer. Denn die neue Große Koalition in Berlin will die Energiewende korrigieren. Die massiven Fehlsubventionen in erneuerbare Energien sollen zurück geführt werden, die Öko-Planwirtschaft stückweise dem Markt geöffnet werden. "

Es ist ja lobenswert, dass das HB Hoffnung macht. Ich dagegen kann nur mit Faust sagen: "Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube."

Was bisher aus den Koalitionsabsprachen zu vernehmen ist, berechtigt überhaupt nicht zu irgendwelchen Hoffnungen. Der Ausbau der Zufallskraftwerke soll ja weitergehen. Bremsmaßnahmen greifen frühestens in ein paar Jahren, und einen Kapazitätsmarkt für Standby-Kraftwerke wollen die Koalitionäre nicht. Kraft und Altmaier haben erklärt, ihr Ziel sei es, die "Energiewende" zum Erfolg zu führen.

Das alles ist viel zu wenig. Die Beschädigung der Versorger wird weitergehen. Die Regierung zerstört nicht nur die Versorger, sondern auch die zuverlässige und bezahlbare Stromversorgung in unserem Land.

Die notwendige Kehrtwende ist von der Groko nicht zu erwarten. Die wird, wenn sich politisch nichts Grundsätzliches ändert, erst kommen, wenn das unvermeidliche Scheitern der Energiewende vor aller Augen ist und Deutschland am Rand des industriellen Kollapses steht.

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