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22.09.2015

18:17 Uhr

Volkswagen-Skandal

„VW-Anleger sollten verkaufen“

VonGeorgios Kokologiannis

Der Kurshorror nimmt kein Ende: Innerhalb von zwei Tagen sind die Volkswagen-Aktien um vierzig Prozent eingebrochen. Zwei Auto-Analysten erklären, warum es für einen Einstieg noch zu früh ist.

Die Abgas-Affäre bringt den VW-Chef in Bedrängnis. AFP

Martin Winterkorn

Die Abgas-Affäre bringt den VW-Chef in Bedrängnis.

DüsseldorfDie Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen zieht immer weitere Kreise: Es drohen nicht nur milliardenschwere Strafen in den USA, sondern auch Ermittlungen in weiteren Ländern. Der bisher weltweit führende Autobauer sieht sich gezwungen, seine Gewinnziele zu kassieren – und hat einen Verkaufsstopp für die betroffenen Fahrzeuge erlassen. Anleger reagieren panisch: Die Aktie befindet sich im freien Fall und hat seit Anfang der Woche rund vierzig Prozent an Wert eingebüßt. Wie es um die weiteren Aussichten nach dem Kurskollaps bestellt ist, erklären Auto-Analyst Jürgen Pieper von Bankhaus Metzler und sein Kollege Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Ist die Kursreaktion der VW-Aktien übertrieben?
Christian Ludwig: Es ist zu früh für eine seriöse Einschätzung. Der Markt hat jetzt die Kosten des Skandals mit rund 35 Milliarden Euro bewertet. Sicher sind davon heute nur rund 19 Prozent, nämlich die besagten 6,5 Milliarden Rückstellungen. Aber die weiteren Folgekosten wie Strafzahlungen, Schadensersatzklagen sind noch völlig offen.
Jürgen Pieper: Der Absturz ist zwar extrem heftig, aber dennoch fundamental nachvollziehbar angesichts der möglichen Strafzahlungen und weiterer drohender Kosten.

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Wie weit kann es mit den Aktien im Zuge des aktuellen Skandals noch runtergehen?
Pieper: Um das abschätzen zu können, sollte man sich am Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) der Aktie in anderen Krisensituationen orientieren: Diese Kennzahl ist in solchen Phasen aussagekräftiger als das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Das KBV lag während der Börsenturbulenzen im Jahr 2009 bei 0,7 und Anfang 2000 sogar bei nur 0,5. Bezogen auf die aktuellen Unternehmensdaten bedeutet dies: Im Worst-Case sollte mit einem weiteren Rückgang des Aktienkurses bis auf etwa 90 Euro ausgegangen werden.

Welche langfristigen Folgen hat der Skandal auf die Geschäftsentwicklung und die Dividendenpolitik von VW?
Ludwig: Die Gewinnentwicklung wird mindestens in 2015 und 2016 erheblich durch diesen Skandal beeinträchtigt sein. Entsprechend dürften die Dividendenzahlungen stark rückläufig sein.
Pieper: Es ist ganz unzweifelhaft, dass es in den kommenden Jahren negative Effekte auf die Umsatzentwicklung geben wird. Eine Folge: Man wird die Dividenden auf jeden Fall kürzen.

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