Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.09.2015

14:30 Uhr

Volkswagen und die Abgas-Affäre

VW-Aktie crasht um 23 Prozent

Abgas-Manipulatoren traut man nicht: Anleger entziehen VW das Vertrauen, die Aktie stürzt 23 Prozent ins Minus. In den USA werden Diesel-Fahrzeuge aus dem Handel genommen, erste Rücktrittsforderungen werden laut.

Volkswagen-Skandal

Im VW-Sog: Dax und Auto-Aktien im Minus

Volkswagen-Skandal: Im VW-Sog: Dax und Auto-Aktien im Minus

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Frankfurt/WolfsburgVolkswagen steht im Kreuzfeuer Kritik: Nachdem der Wolfsburger Autokonzern am Sonntag Manipulationen bei Abgaswerten in den USA zugegeben hat, entziehen die Aktionäre dem Unternehmen das Vertrauen. Am Montag raste die VW-Vorzugsaktie in Frankfurt bis zu 23 Prozent ins Minus. Das ist der größte Kurssturz seit sechs Jahren. Mit 128,05 Euro waren sie so billig wie zuletzt im Juli 2012.

Durch den aktuellen Kurssturz verlor der Wolfsburger Konzern rund 19 Milliarden Euro an Börsenwert. Oder anderes gerechnet. Der Verlust des Börsenwertes wiegt so schwer wie 1,3 Millionen VW Golfs in der Standardausführung mit einem 1,2 Liter TSI-Motor, der beim VW-Großhändler Gottfried-Schulz für 14.990 Euro angeboten wird. Weiter: die gesamte Marktkapitalisierung der Commerzbank beträgt gerade einmal 12,6 Milliarden Euro. „Unglaublich“, kommentiere ein Händler. „Die Abgas-Affäre dürfte den Markennamen ordentlich in Mitleidenschaft ziehen.“

VW hatte zuvor Abgas-Manipulationen zugegeben, die eine Milliarden-Strafe in den USA nach sich ziehen könnten. Konzern-Chef Martin Winterkorn kündigte am Sonntag eine externe Untersuchung der Vorgänge an. Die US-Umweltschutzbehörde EPA wirft VW vor, bei knapp 500.000 Diesel-Fahrzeugen die Abgasvorschriften mit Hilfe einer Software vorsätzlich umgangen zu haben. Für den Konzern könnte dies nach Angaben der Behörde eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar nach sich ziehen – mögliche Rückrufaktionen und Sammelklagen nicht mit eingerechnet.

Als erste Reaktion hat Volkswagen den Verkauf einiger Diesel-Fahrzeuge in den USA gestoppt. US-Autohändler seien angewiesen worden, bestimmte Wagen des Modelljahres 2015 zurückzuhalten, sagte ein VW-Vertreter am Sonntagabend. Die Zahl der betroffenen Fahrzeuge nannte er nicht.

Größte Tagesverluste aktueller Dax-Werte

-38,55 Prozent

Titel: Infineon

Datum: 03.12.2008

Quelle: Bloomberg. Analysiert wurden die Tagesverluste der Dax-Werte, die zum 08.10.2015 im Index notiert waren.

-27,76 Prozent

Titel: Continental

Datum: 22.12.2008

(Ausscheiden aus dem Dax)

-25 Prozent

Titel: K+S

Datum: 5.10.2015

Grund: Rücknahme des Übernahmeangebots durch den kanadischen Konkurrenten Potash

-24,6 Prozent

Titel: Commerzbank

Datum: 29.9.2008

-24,4 Prozent

Titel: Infineon

Datum: 29.9.2008

-22,54 Prozent

Titel: SAP

Datum: 23.10.1996

-22,1 Prozent

Titel: K+S

Datum: 30.7.2013

-22,31 Prozent

Titel: Volkswagen

Datum: 03.11.2008

-20,44 Prozent

Titel: Volkswagen

Datum: 23.10.2008

Autoexperte Stefan Bratzel rechnet mit einer niedrigeren Strafe, da VW mit den US-Behörden kooperiere. Der Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach hält den Imageschaden für ein weitaus größeres Problem. „Das ist ein deutsches Thema. Da sind alle in der Sippenhaftung“, ist der Wissenschaftler überzeugt. Volkswagen mit seiner Tochter Audi sei das Aushängeschild der deutschen Automobilindustrie. Die stärkere Einführung des Dieselantriebs in den USA könne die Branche vorerst vergessen.

VW müsse nun beweisen, dass nicht auch in Europa und Asien getrickst wurde. „Ich würde Winterkorn an seinen Worten messen, das Ganze vollumfänglich aufzuklären“, sagte Bratzel. Klar sei jedoch, dass die Entscheidung über den Einsatz der verbotenen Software nicht im kleinen Kreis getroffen worden sei. Eine Person mit Kenntnis der Vorgänge sagte, die Entscheidungen über die Einhaltung von Emissionskontrollen auch in den USA würden von VW in Wolfsburg gefällt.

Kommentare (45)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Langenhagen

21.09.2015, 09:36 Uhr

Trotzdem ist auffällig, dieStraf-Milliarden gehen immer in Richtung USA. Von den Banken ist bald nichts mehr zu holen. Deren Geschäftsmodell ist bald pulverisiert.
Jetzt sind die anderen großen Konzerne dran.
TTIP wirft seine Schatten voraus.
Merkel schützt auch nicht ihre Wirtschaft.
vielleicht hats auch piech der NewYorker Staatsanwaltschaft gesteckt.
Gnade Gott allen Deutschen Konzernen, die in USA Geschäfte machen.
Das die USA gute Geheimdienste haben, wissen wir schon. und sie werden auch alle anderen Konzerne durchleuchten, ob nicht nennenswerte Beträge zu holen sind.
Das ist der Skandal.

Herr Josef Schmidt

21.09.2015, 09:37 Uhr

In USA tun die Behörden etwas gegen die Hersteller wenn sie täuschen und betrügen. In der EU bekommt man dafür noch Subventionen.

18 Milliarden ist noch zu wenig. Es muss richtig weh tun damit sich Betrug nicht mehr lohnt.

Herr Marc Otto

21.09.2015, 09:42 Uhr

Ja, es ist an der Zeit, dass wir endlich die USa / NSA wegen spinage Tätigkeit anklagen.

Außerdem sollten wir die USA zur Kasse bitten, weil sie dafür verantwortlich sind, dass die >Millionen Flüchtlinge zu uns kommen müssen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×