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09.05.2011

11:44 Uhr

Vor Börsengang

Preiseinbruch trifft Rohstoffriesen Glencore

VonMichael Maisch

Die Turbulenzen am Rohstoffmarkt werfen einen Schatten auf den Milliarden-Börsengang des Rohstoffhändlers Glencore. Eine Absage des IPO gilt zwar als unwahrscheinlich, aber einige Investoren beginnen zu zögern.

Der Rohstoffriese Glencore leidet unter den aktuellen Preisschwankungen am Rohstoffmarkt. Quelle: Reuters

Der Rohstoffriese Glencore leidet unter den aktuellen Preisschwankungen am Rohstoffmarkt.

LondonFür den Rohstoffriesen Glencore hätte der Einbruch an den Rohstoffmärkten zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können. Kaum haben die Schweizer ihren rekordverdächtigen zehn Milliarden Dollar schweren Börsengang auf den Weg gebracht, schüren die heftigen Preisausschläge bei Silber, Öl und anderen Rohstoffen die Angst, dass dem langjährigen Boom die Luft ausgeht. Ein Scheitern der Mammutemission droht nach Meinung von Großinvestoren zwar nicht, doch gehen die Fondsmanager davon aus, dass sich die Preissetzungsmacht zu ihren Gunsten verschiebt. Die Euphorie um den Börsengang scheint jedenfalls erst einmal verflogen.

Glencore, der bislang wenig bekannte weltgrößte Rohstoffhändler, bietet seine Aktien für 480 bis 580 Pence zum Kauf an. In der Mitte dieser Spanne wäre das gesamte Unternehmen 60 Milliarden Dollar wert. In der vergangenen Woche hieß es in Finanzkreisen, dass die Investoren bereits einen Tag nach Öffnung der Orderbücher genügend Angebote abgegeben hätten, um alle Aktien zu verkaufen.

Glencore hatte sich im Vorfeld für rund ein Drittel seiner Anteile sogenannte Ankerinvestoren gesichert, Großanleger, die fest zugesagt haben größere Beteiligungen zu übernehmen. So will ein Staatsfonds aus Abu Dahbi bis zu eine Milliarde Dollar in Glencore stecken.
Eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter neun großen Fondsgesellschaften ergab, dass sieben kaum noch Chancen sehen, dass Glencore einen Preis von mehr als 520 Pence für seine Aktien erzielt. Zwei Fonds gehen sogar davon aus, dass der Schweizer Konzern seine Preisspanne senken muss, sollten sich die Turbulenzen an den Rohstoffmärkten nicht schnell beruhigen. "Ich sage nicht, dass die Nachfrage am Ende nicht da ist, aber das Interesse ist definitiv abgeflaut", zitiert Reuters einen der Fondsmanager.

Der Rohstoffriese Glencore im Überblick

Wer ist Glencore?

Glencore ist ein weltweit führender Rohstoffhändler. Zu seinen Konkurrenten zählen White Plains, Noble, Shell, BP, BHP Billiton, Cargill, Louis Dreyfus Group, Vitol, Mercuria und Trafigura.






Wie groß ist Glencore?

Gemessen an seinem Umsatz von 145 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr ist das enorm einflussreiche Unternehmen der größte Konzern der Schweiz – noch vor dem Lebensmittelriesen Nestle, dem Pharmakonzern Novartis und der Großbank UBS. Glencore beschäftigt rund 60.000 Mitarbeiter.

Wie viel verdient Glencore?

Dank der Preisexplosion bei Metallen und Lebensmitteln verdiente der Konzern im vergangenen Jahr netto 3,8 Milliarden Dollar.

Warum geht Glencore an die Börse?

Die milliardenschweren Einnahmen aus dem Börsengang sollen es Glencore ermöglichen, noch stärker vom Rohstoff-Boom zu profitieren.

Was macht Glencore?

Der Konzern mit Sitz im steuerbegünstigten Kanton Zug wurde 1974 von dem Rohstoffhändler Marc Rich gegründet und wurde bislang von 500 Partnern kontrolliert. Zunächst konzentrierte sich Glencore auf den physischen Handel mit Eisen und Nicht-Eisen-Metallen, Mineralien und Erdöl. Später expandierte die Firma mit Öl- und Kohleprodukten in den Energiebereich. Mit einer Akquisition einer Getreide-Firma stieg Glencore in der Folge auch in die Agrarwirtschaft ein.

An welchen Unternehmen ist Glencore beteiligt?

Das Unternehmen hat sich vor allem im Rohstoff-Handel einen Namen gemacht, besitzt aber auch auf der ganzen Welt Bergwerke, Raffinerien, Eisenhütten und Weizensilos. Glencore ist zudem an mehreren börsennotierten Konzernen beteiligt.
Allein sein Anteil von 34 Prozent an dem britisch-schweizerischen Bergbaukonzern Xstrata ist rund 25 Milliarden Dollar wert.

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