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04.05.2012

14:00 Uhr

Vor dem Börsengang

Der Facebook-Hype erklimmt neue Höhen

VonNils Rüdel

Das Wachstum schwächelt, das Geschäftsmodell ist unklar – trotzdem will Facebook beim Börsengang bis zu 12 Milliarden Dollar erzielen. Warum Anleger zugreifen sollen, erklärt Gründer Mark Zuckerberg in einem Werbevideo.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg plaudert im Werbevideo über die Welt und das Internet (Screenshot).

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg plaudert im Werbevideo über die Welt und das Internet (Screenshot).

WashingtonT-Shirt, Jeans, sanfte Stimme und ein ewig staunender Gesichtsausdruck – so zeigt sich Mark Zuckerberg am liebsten in der Öffentlichkeit. Es kommt auch gleich viel glaubwürdiger rüber, wenn der 27-jähige Facebook-Gründer in diesem Aufzug über die Welt, das Internet, sich selbst und sein soziales Netzwerk plaudert.

„Die Menschen“, sagt also ein von sanften Klavierklängen begleiteter, gut ausgeleuchteter Zuckerberg in die Kamera, die Menschen seien es, die dem Internet gefehlt hätten. Mit Facebook habe sich das geändert. Das Netzwerk bringe die Leute weltweit zusammen, schwärmt Zuckerberg. Gleichzeitig sei es natürlich auch ein prima Unternehmen, in das es sich lohne, viel Geld zu investieren.

Das professionell produzierte, aktuelle Video, ist der Start für die heiße Phase vor dem Börsengang an der Technologiebörse Nasdaq, der für den 18. Mai geplant ist. Ab Montag will Zuckerberg auf die sogenannte „Roadshow“ durch große US-Städte gehen und für die Facebook-Aktie werben. Danach wird sich zeigen, wie gefragt die Anteilsscheine wirklich sind, und Facebook kann einen endgültigen Ausgabekurs festlegen.

Fragen & Antworten zum Börsengang von Facebook

Was ändert sich für Facebook-Nutzer?

Zunächst überhaupt nichts. Allerdings steht Facebook bei der künftigen Veröffentlichung von Quartalszahlen unter dem Druck, Umsatz und Gewinn kontinuierlich zu steigern. Deswegen erwarten Fachleute, dass die Werbung auf Facebook weiter ausgebaut und auch bei der mobilen Nutzung eingeführt wird. Die Werbung von Facebook könnte auch aggressiver werden, um die Klickrate zu erhöhen, die für den Preis der Werbung maßgeblich ist.

Wann wird die Facebook-Aktie zum ersten Mal an der Börse gehandelt?

Ein genauer Termin steht bislang ebenso wenig fest wie der Ausgabepreis. Experten rechnen für Mai oder Juni mit dem Börsengang. Derzeit steht aber noch nicht einmal fest, ob Facebook an der Technologie-Börse Nasdaq oder an der traditionelleren New York Stock Exchange (NYSE) gelistet wird. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge soll es die Nasdaq werden.

Ist der Firmenwert von Facebook nicht viel zu hoch angesetzt?

Der Jahresgewinn von einer Milliarde Dollar im Jahr 2011 bei Facebook rechtfertigt eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar eigentlich nicht. Zum Vergleich: Apple hat allein im jüngsten Quartal in jeder Woche eine Milliarde verdient und kommt dabei auf einen Börsenwert von 425 Milliarden Dollar. Google hat im gesamten Jahr 2011 rund zehn Milliarden erwirtschaftet und kommt „nur“ auf eine Bewertung von 188 Milliarden Dollar. Die Investoren orientieren sich aber vor allem an den Wachstumsaussichten. Und die werden für Facebook derzeit offenbar besser eingeschätzt als bei etablierten Unternehmen.

Wie kann man Facebook-Aktien kaufen?

Sobald die Details für den Börsengang - insbesondere Datum und Ausgabepreis - feststehen, können Interessenten zu ihrer Bank gehen und danach fragen. Die Bank wird dann die erforderlichen Unterlagen zur Zeichnung besorgen.

Was ist vor einer Kaufentscheidung zu beachten?

„Nur weil es hip ist, sollte niemand versuchen, Facebook-Aktien zu kaufen“, sagt Aktienmarktstratege Thilo Müller vom MB Fund Advisory. Entscheidungshilfen mit konkreten Daten sind der jetzt veröffentlichte Börsenprospekt und Einschätzungen in der Finanzfachpresse. In den Kaufpreis gehen voraussichtlich auch die Erwartungen zum weiteren Wachstum von Facebook ein. Erfüllen sich diese nicht, muss man als Anleger mit sinkenden Kursen rechnen. Dies war auch bei mehreren Börseneinführungen von Internet-Unternehmen im vergangenen Jahr der Fall, etwa beim Musik-Streaming-Dienst Pandora.

Verliert Mark Zuckerberg nun die Kontrolle über Facebook?

Nein, der Facebook-Gründer hat auch künftig das Sagen. Er hält Aktien der Klasse B, die mit jeweils zehn Stimmen verknüpft sind, während normale Anleger mit ihren Aktien der Klasse A nur einfaches Stimmrecht haben. Außerdem haben viele Anteilseigner ihre Stimmrechte an Zuckerberg übertragen, so dass er auf 57 Prozent aller Stimmrechte kommt.

Die Zahlen aus dem aktualisierten Börsenprospekt, die am Abend bekannt wurden, klingen spektakulär: Zwischen 28 und 35 Dollar soll ein Anteilsschein kosten, was eine Gesamtsumme von bis zu 11,8 Milliarden Dollar ausmachen könnte – mehr als das Doppelte der anfangs angepeilten 5 Milliarden. Facebook könnte dadurch mit bis zu 96 Milliarden Dollar bewertet werden.

Es wäre der mit Abstand größte Börsengang einer Internet-Firma überhaupt. Google, Facebooks größter Konkurrent bei Online-Werbung, hatte bei seinem Börsengang im Jahr 2004 1,9 Milliarden eingenommen, das Unternehmen wurde dadurch mit 23 Milliarden Dollar bewertet. Heute ist Google rund 200 Milliarden Dollar wert.

Dabei ist es nicht lange her, dass Facebooks märchenhafte Erfolgsgeschichte erstmals ein paar trübe Seiten bekam. Im ersten Quartal ging der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 205 Millionen Dollar zurück. Der Umsatz legte zwar um 45 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar zu, allerdings sind das sechs Prozent weniger als im Schlussquartal 2011.

Kommentare (5)

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tbhomy

04.05.2012, 15:27 Uhr

Groupon läßt grüßen...

Account gelöscht!

04.05.2012, 15:54 Uhr

Das paßt zu den Meldungen, das Vergleichsportale "professionell geschönt" werden. Mindestens jede 4. Bewertung ist gar keine. Ich würde die Dunkelziffer noch höher einschätzen, denn täglich habe ich in meinem Postfach Mails wie "Wir schreiben x Bewertungen auf x Portalen für x Euro. Oder "Für x Euro x neue Freunde und Likes bei Facebook.
Aber Hauptsache die Illusion brummt.

Account gelöscht!

04.05.2012, 15:58 Uhr

Meine Short-Positionen stehen schon in den Startlöchern.

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