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03.07.2013

15:59 Uhr

Wegen Bond-Engagement

Commerzbank-Aktie bricht schon wieder ein

Tag für Tag ein neues Rekordtief für die Commerzbank. Heute fällt die Aktie des Finanzinstitutes so stark wie seit März nicht mehr. Grund soll die Sorge um das Engagement der Bank bei südeuropäischen Staatsanleihen sein.

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main. Die Titel der Commerzbank sackten in der Spitze um 6,9 Prozent auf 5,73 Euro ab, der niedrigste Innertageskurs überhaupt. Damit summieren sich die Verluste in diesem Jahr auf 46 Prozent. dpa

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main. Die Titel der Commerzbank sackten in der Spitze um 6,9 Prozent auf 5,73 Euro ab, der niedrigste Innertageskurs überhaupt. Damit summieren sich die Verluste in diesem Jahr auf 46 Prozent.

FrankfurtDie Aktie der Commerzbank AG ist am Mittwoch im Frankfurter Handel so stark gefallen wie seit März nicht mehr. Investoren befürchten, dass das Engagement der Bank bei Staatsanleihen südeuropäischer Emittenten ihre Finanzprobleme verschlimmern könnte. Das in Frankfurt ansässige Geldinstitut musste in den vergangenen vier Jahren bereit fünf Mal sein Kapital erhöhen.

Die Titel der Commerzbank sackten in der Spitze um 6,9 Prozent auf 5,73 Euro ab, der niedrigste Innertageskurs überhaupt. Damit summieren sich die Verluste in diesem Jahr auf 46 Prozent. Der 47 Werte umfassenden Branchenindex Stoxx 600 Banks Index gab um drei Prozent nach.

„Es scheint erneut Besorgnis um die Bestände an Bonds von Peripherieländern wie Italien, Spanien und Portugal angesichts des Engagements der Bank dort zu geben“, sagt Riccardo Rovere, Analyst bei Mediobanca SpA in Mailand.

Stärker als die Aktie der Commerzbank fielen nur die Titel von Banken in Portugal und Spanien in einem Ausverkauf, der durch den Rücktritt des zweiten portugiesischen Ministers innerhalb von zwei Tagen ausgelöst wurde. Dieser trieb auch die Renditen zehnjähriger portugiesischer Anleihen erstmals seit November zeitweise auf über acht Prozent.

Commerzbank kam Ende März auf ein Engagement von 2,9 Mrd. Euro bei portugiesischen Verbindlichkeiten und von 12,2 Mrd. Euro bei spanischen Verbindlichkeiten, wie aus Meldungen der Bank hervorgeht. Die Zahlen enthalten Staatsanleihen, Bankanleihen, kommerzielle Immobilienkredite und andere Verbindlichkeiten.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Bank hat im Mai letztmals ihr Kapital erhöht und bot Altaktionären neue Aktien im Volumen von 2,5 Mrd. Euro, um damit die Stillen Einlagen des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung sowie des Versicherers Allianz SE zurückzuzahlen.

„Bei der Commerzbank-Story gibt es nichts Attraktives“, sagt Dirk Becker, Analyst bei Kepler Capital Markets in Frankfurt. „Die Kapitalerhöhung, ein schwaches Ergebnis im ersten Quartal. Das zweite Quartal wird wohl kaum besser ausfallen und der Ausblick für den weiteren Jahresverlauf und 2014 ist schwach. Es gibt gegenwärtig keinen Grund, die Aktie zu kaufen.“

Banken in Europa gerieten auch unter Abgabedruck, nachdem Standard & Poor's die Anlageurteile für die Deutsche Bank AG, Barclays Plc und Credit Suisse Group AG herabgesetzt hatte. Neue Bankenvorschriften und „ungewisse Marktkonditionen“ gefährden ihr Geschäft, sagte S&P am Dienstag.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

03.07.2013, 16:16 Uhr

Ja lass sie doch, ist halt Natur!

RumpelstilzchenA

03.07.2013, 16:39 Uhr

Nur Blöde investieren in südeuropäische Anleihen!!! HB hat mal für griechische Anleihen großformatig geworben. War nichts !!!!!

jorgitojavier

03.07.2013, 16:44 Uhr

@Silvercoin82 ... wie wars noch mal mit dem "Gold Kaufen" und so???
Finger verbrannt, nachgekauft oder rechzeitig ausgestigen?

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