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08.10.2013

10:49 Uhr

Windkraft

Der Klub der 300-Prozent-Aktien

VonRoman Tyborski

Der Windkraft-Hype ist schon lange vorbei? Falsch. 2013 legten die Hersteller von Windkraftanlagen an der Börse eine unvergleichliche Aufholjagd hin. Kurssteigerungen jenseits der 200-Prozent-Marke sind keine Seltenheit.

Die Kurse von europäischen Windkraftaktien schießen in die Luft. Seit Jahresanfang steigen die Papiere um 200 Prozent und mehr. dpa

Die Kurse von europäischen Windkraftaktien schießen in die Luft. Seit Jahresanfang steigen die Papiere um 200 Prozent und mehr.

DüsseldorfMit der Branche der erneuerbaren Energien verbindet man in der Regel große Verluste, Entlassungen und Insolvenzen. Investitionen in diesen Sektor verschwanden so schnell wie die Firmen zuvor aus dem Boden gesprossen waren. Besonders Solarkonzerne gelten als warnendes Beispiel. Q-Cells, Solarworld und Co. waren die Großen der ersten Stunde des Solar-Hypes. Heute sind sie die ersten und größten Pleitegeier der Branche.

Doch längst nicht alle Konzerne verschwanden im Nichts. Im Gegenteil: Aktien von Windkraftanlagenherstellern starteten in den vergangenen Monaten eine unvergleichliche Aufholjagd. Die Zahlen sprechen für sich: Nordex legte 290 Prozent zu, Gamesa 310 Prozent und Vestas sogar satte 370 Prozent – und das seit Jahresanfang. Zum Vergleich: Apple-Aktien, die sonst als Beispiel unglaublicher Kursperformance genannt werden, verloren im selben Zeitraum rund zehn Prozent. Google brachte es lediglich auf ein Plus von 20 Prozent.

„Wenn ich auf die Möglichkeiten blicke, bin ich im großen und ganzen davon überzeugt, dass die erneuerbaren Energien die Zukunft sind“, sagte kürzlich Vestas-Vorstand Anders Runevad. „Es gibt eine Reihe von positiven Impulsen allerdings liegt noch einiges an Arbeit vor uns.“

Die größten Windkraftanlagenhersteller (Ranking 2012)

Platz 10

Die Unternehmensberatung BTM Consult analysiert einmal im Jahr den weltweiten Markt für Windkraftanlagenhersteller. Auf dem zehnten Platz befindet sich in der aktuellen Rangliste, die sich auf Daten von 2012 bezieht, das chinesische Unternehmen Mingyang mit einem Marktanteil von 2,7 Prozent. Laut eigenen Angaben ist die Firma der größte nicht-staatliche Windkraftanlagenbauer von China und arbeite in Deutschland mit dem Unternehmen aerodyn Energiesysteme zusammen.

Platz 9

Auch auf dem neunten Platz ist ein chinesisches Unternehmen, wenn auch nur mit dem geringen Anteil von 3,2 Prozent: Sinovel.

Platz 8

Mit einem Marktanteil von 4,7 Prozent ist United Power auf dem achten Platz der Weltrangliste der größten Windkraftanlagenhersteller. Das Unternehmen ist wie Sinovel und Mingyang in China beheimatet.

Platz 7

6 Prozent Marktanteil hat das chinesische Unternehmen Goldwind.

Platz 6

Gamesa ist das einzige spanische Unternehmen in der Top 10-Liste der größten Windkraftanlagenhersteller der Welt. Die Firma hat ihren Hauptsitz im Baskenland in Nordspanien und hatte 2012 einen Marktanteil von 6,1 Prozent weltweit.

Platz 5

Auf dem fünften Platz befindet sich mit einem Marktanteil von 7,4 Prozent die Suzlon Group aus Indien. Im Vorjahr war sie noch auf dem sechsten Platz

Platz 4

Auch das deutsche Unternehmen Enercon kletterte weltweit in der Rangliste nach oben – vom fünften Platz 2011 ging es auf den vierten Platz 2012. Enercon hat einen Marktanteil von 8,2 Prozent, in Deutschland hat das Unternehmen dagegen einen Anteil von mehr als 50 Prozent. 

Platz 3

Auch auf dem dritten Platz der weltgrößten Windkraftanlagen befindet sich ein deutsches Unternehmen: Siemens. Sein Anteil am Weltmarkt betrug 2012 laut BTM Consult 9,5 Prozent.

Platz 2

Eine schwere Rückschlag musste im vergangenen Jahr der dänische Windkraftanlagenbauer Vestas einstecken. Erstmals seit 2000 schaffte es das Unternehmen mit einem Marktanteil von 14 Prozent nicht auf den ersten Platz der größten Anlagenhersteller.

Platz 1

General Electric hat im vergangenen Jahr erstmals Vestas vom ersten Platz der Rangliste der größten Windkraftanlagenbauer verdrängt – mit einem Marktanteil von 15,5 Prozent. Das US-Unternehmen war 2011 noch an dritter Stelle.

Doch was ließ die Windkraftaktien derart stark steigen? Um das zu verstehen, muss ein großer Bogen gespannt werden. Zahlreiche Faktoren bedingen die unglaubliche Performance.

Lange Zeit plagten die Windkraftbauer nämlich ähnliche Probleme wie die Solarbranche. Zunächst stieg die Produktion unterfüttert von Subventionen rasant an. So stark, dass die Nachfrage nicht nachkam. Viele Hersteller drängten seit den 1990-Jahren in den lukrativen, weil staatlich geförderten, Markt. Überall traten die neuen Windkraftkonzerne wie Pilze aus dem Boden hervor.

Die hohe Zahl der Marktteilnehmer sorgte für einen überaus unprofitablen Wettbewerb. In der Branche entwickelte sich eine Preisdumping-Kultur, bei der nur wenige Anbieter mithalten konnten. Seit 2008 rauschten die Turbinenpreise um satte 30 Prozent nach unten.

Kommentare (4)

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HofmannM

08.10.2013, 12:09 Uhr

Die Windkraftanlagen Branche ist keine marktbasierende Branche, sondern eine politische bedingte Brnache. Das EEG (Erneuerbares Energie Gesetz) ist der Ersatz für die Marktwirtschaft. Und damit ist das Scheitern dieser Branche nur eine Frage der Zeit. Ohne steigenden EEG-Zwangsabgaben auf Kosten der Bevölkerung und damit auf Kosten des Wohlstand wird es keine weiteren Windmühlen geben. Die Naturwissenschaften (Physik) und die Ökonomie machen diesem Abzockespuck früher oder später ein Ende. Und dies wird das deutsche Volk noch deutlich zu spüren bekommen. Steigende Strompreise sind ja nur die eine Seite, es kommen noch die Arbeitsplatzvernichtungen in der wirtschaftlich basierenden Grundstoffindustrie (Chemie,Zement,Stahl,Papier,Kraftwerke) dazu. In Folge dessen wird es einen Dominoeffekt in Deutschland geben. Es folgen die in Deutschland aufgebauten Arbeitsplätze von der Auto-Maschinenbranche. Die Solarbranche hat ja schon gewaltig an Arbeitsplätze eingestampft. Die Windbranche hat mit VESTAS als Weltmarktführer auch gewaltig Arbeitsplätze verloren. Die Merkel Energiewende vernichtet Arbeitsplätze und in Folge dessen den Wohlstand der Deutschen. Das ökonomische Zugpferd Deutschland wird für Europa nicht mehr funktionieren. Die deutschen Weltkonzerne werden sich mehr und mehr nach Asien, Russland, Amerika, Indien zuwenden. In Europa-Deutschland wird mehr und mehr Abgebaut und im Rest der ökonomischen Vernunftswelt wieder aufgebaut. So ist das halt imit dem ökosozialistischen Gedankengut einer deutschen Presse und Politik....Mangel und Armut für ALLE!!! Wirtschaftliche Vernunft, Technischer Verstand und neutrale Aufklärung zum Wohle der Menschen Fehlanzeige in der deutschen Politik und Medienlandschaft. Lieber hofiert man die Mafiagrößen von Greenpeace, Umwelthilfe und Co.!

vandale

08.10.2013, 12:20 Uhr

Abseits historischer, dem Tourismus geschuldeter Windmühlen, dreht sich nirgends auf diesem Planeten eine Windmühle die nicht subventioniert wird.

In den meisten Fällen können die Windmühlen auch nicht die vollen Betriebskosten, wie Reparaturen, aus Stromerträgen erwirtschaften. Bei einem Subventionsstop werden die Windmühlen sobald Reparaturen anstehen aufgegeben. In den USA sieht man grosse aufgegebene Windparks.

Die Altindustriestaaten haben in den vergangenen Jahren mehrere 10000 Windmühlen installiert. Gem. meiner persönlicher Einschätzung sind die meisten Länder eher daran interessiert diese Subventionen zu reduzieren, denn auszubauen.

Insofern mögen die kurzfristigen Perspektiven für die Windanlagenbauer attraktiv sein, langfristig sehe ich für diese Branche eher schwarz. Auch das Ersatzteil/Reparaturgeschäft ist langfristig bedroht.

Vandale

GregorScharf

09.10.2013, 10:39 Uhr

Tolle Verkaufsargumente? Hier will wohl jemand wieder einmal seinen "Mist", sprich Aktien, in möglichst großen Stückzahlen unter die breite Masse streuen und Kasse machen?

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