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10.04.2014

14:10 Uhr

Yahoo

Onlinepionier auf Angriffskurs

Quelle:Börse am Sonntag

Mit einem lauten „Yahoo!“ hat das Internetunternehmen dem Rivalen Google den Kampf angesagt. Zukäufe und ein neuer Schriftzug sollen die Aktie nach oben treiben. Doch reicht das für die Rückkehr an die Branchenspitze?

Eine Frau an der Spitze: Yahoo-CEO Marissa Mayer will den Internetkonzern mit allen Mitteln wieder an die Spitze bringen. Reuters

Eine Frau an der Spitze: Yahoo-CEO Marissa Mayer will den Internetkonzern mit allen Mitteln wieder an die Spitze bringen.

DüsseldorfIn den ersten Jahren des World Wide Webs war Yahoo das wohl bedeutendste Unternehmen für die Entwicklung eines massenkompatiblen Internets. Zwei Stanford-Studenten ebneten den Weg für heutige Suchmaschinen und verstanden es als erste, in der Branche Profit daraus zu schlagen. Kurzum: Yahoo war ein Vorreiter und Marktführer. Und das bis in die Anfänge der 2000er-Jahre. Diesen Stellenwert haben heute Unternehmen wie Google und Facebook in noch viel größeren Maßstäben.

Nun ist es für Yahoo unter der Führung von Marissa Mayer an der Zeit, Marktanteile zurückzugewinnen. Seit Sommer 2012 ist sie als CEO im Amt und hat sich genau dies auf die Fahnen geschrieben. In der vergangenen Woche verbreitete sich die Nachricht von Gesprächen zwischen Yahoo und dem amerikanischen Videodienstleister News Distribution Network (NDN). Für 300 Millionen US-Dollar wolle Yahoo den Videodienst
kaufen, heißt es im Bericht des Wall Street Journals. Mit der möglichen Übernahme des NDN könnte Yahoo Youtube (seit 2006 Teil des Google-Imperiums) Konkurrenz machen. Zumindest ein wenig. Denn während Youtube in der Alexa-Rangliste aktuell auf dem dritten Platz der wichtigsten Internetseiten weilt, befindet sich NDN auf Platz 19.043. Nichtsdestotrotz halten Branchenexperten den geplanten Kauf für eine sinnvolle Investition.

Yahoo - Einmal Star und zurück

Ein Katalog fürs Internet

Als immer mehr Menschen online gingen, sorgt Yahoo für Orientierung: Das Unternehmen, 1994 von den Stanford-Doktoranden Jerry Yang und David Filo gegründet, führte in seinen Anfangsjahren einen Katalog mit interessanten Webseiten. Die Einträge erstellten zunächst nicht Suchroboter, wie es heute üblich ist, sondern Menschen. Um die Suche baute Yahoo bald ein Portal mit weiteren Diensten auf.

Profiteur des Dotcom-Booms

Bereits 1996, zwei Jahre nach der Gründung, ging Yahoo an die Börse. In den folgenden Jahren gehörte die Firma zu den Lieblingen der Anleger, der Aktienkurs stieg auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms auf den Höchstkurs von 119 Dollar. Als die Blase platzte, brachen jedoch auch die Werbeeinahmen ein – und der Kurs stürzte auf gut 8 Dollar ab.

Zu zweit gegen Google

Allein kamen Yahoo und Microsoft nicht gegen den Suchmaschinen-Riesen Google an – also taten sie sich 2009 zusammen. Seitdem nutzt Yahoo etwa die Suchmaschinen-Technologie von Microsoft („Bing“). Die Werbeumsätze teilen sich die Unternehmen. Echte Konkurrenz machen die beiden dem Primus aber auch gemeinsam nicht. Zuvor hatte Microsoft versucht, Yahoo komplett zu übernehmen, allerdings vergeblich.

Profitables Engagement in China

2005 beteiligte sich Yahoo am chinesischen Web-Portal Alibaba. Von dieser Partnerschaft profitiert das US-Unternehmen bis heute: Mit dem Verkauf von Anteilen nahm es 2012 4,3 Milliarden Dollar ein. Sollte Alibaba wie erwartet an die Börse gehen, könnte Yahoo weitere Milliarden erlösen.

Konzern ohne Führung

2007 stieg Yahoo-Mitgründer Jerry Yang zum CEO auf. Doch er hatte kein glückliches Händchen und übergab die Geschäfte bereits ein Jahr später an Carol Bartz. Die Saniererin eckte jedoch mit ihrer burschikosen Art so an, dass der Verwaltungsrat sie feuerte. Es folgten drei Kurzzeit- oder Interims-Chefs bis 2012 die langjährigere Google-Managerin Marissa Mayer die Geschäfte übernahm.

Marissa Mayer übernimmt

Es war ein Coup: Im Juli 2012 vermeldete Yahoo, dass die prominente Google-Managerin Marissa Mayer neue Chefin wird. Die wirbelte das Unternehmen in den ersten Monaten kräftig durcheinander, übernahm diverse Startups und sorgte auch sonst für Schlagzeilen. Die Schwäche im Kerngeschäft mit Anzeigen – vor allem Bannern – konnte sie aber nicht abstellen.

Mail, Suche, Nachrichten

Yahoo hat monatlich mehr als 700 Millionen Nutzer. Zu den beliebtesten Angeboten des Konzerns gehören Nachrichten, Suchmaschine und der E-Mail-Dienst. Eine treue Fangemeinde hat auch der Fotodienst Flickr. Zudem übernahm Yahoo 2013 für 1,1 Milliarden Dollar die Blogging-Plattform Tumblr, deren Community rasant wächst.

Altavista, Delicious, Alltheweb

Viele Dienste stellte Yahoo über die Jahre wieder ein, etwa die Suchmaschinen Altavista und Alltheweb. Den Social-Bookmarking-Dienst Delicious verkaufte das Unternehmen 2011 wieder.

„Kurzfristig wird NDN Youtube realistischer Weise nicht überholen“, analysiert ein Branchenexperte. Jedoch müsse Yahoo ein angemessenes Pendant zu Youtube schaffen, um Google zumindest einige Prozente an Marktanteilen abzuluchsen. Einen entscheidenden Vorteil hat Yahoo gegenüber dem Erzrivalen Google: Er heißt Alibaba. Und damit ist weder der Kerl mit den vierzig Räubern gemeint, noch die Dönerbude um die Ecke. Es handelt sich dabei um die größte IT-Firmengruppe Chinas.

An der Alibaba Group hält Yahoo nämlich 24 Prozent. Diese Beteiligung rettete Yahoo 2013 sogar das Ergebnis. Denn Gewinne erzielte das Unternehmen mit Sitz in Sunnyvale (Kalifornien) fast nur mit Alibaba. Ein Plus von 33 Prozent verbuchte Yahoo 2013 bei den Gewinnen aus Beteiligungen. Wesentlicher Treiber für dieses gute Ergebnis ist neben dem chinesischen IT-Konzern auch Yahoo-Japan, ein eigenständiges Yahoo-Unternehmen. Der spektakuläre Kauf der Blogging-Plattform Tumblr für 1,1 Milliarden US-Dollar brachte hingegen noch keine Gewinne ein.

Nur mittelprächtige Zahlen
Insgesamt war das Geschäftsjahr 2013 für das seit 1994 bestehende Internetunternehmen aber nur mittelprächtig. Denn Yahoo machte einen Umsatz von „nur“ 4,68 Milliarden US-Dollar. Das sind mehr als sechs Prozent weniger als im Vorjahr.

Der selbstverständlich global agierende Konzern hat die Welt in drei geografische Geschäftsgebiete eingeteilt. Die Americas, EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) und APAC (Asien und Ozeanien). Das EMEA-Gebiet ist dabei mit Abstand der schlechteste Markt für die Kalifornier. Bei gleichen Kosten kann Yahoo hier weniger als die Hälfte des Umsatzes vom APAC-Markt generieren. Kein Wunder, dass Yahoo reagiert und wesentliche Teile
des EMEA-Marktes nun von Dublin aus koordinieren will. Die Firma sei mit den irischen Steuer- und Datenschutzgesetzen zufrieden und erwarte, dass ein starkes Hauptquartier in Dublin allen Nutzern in Europa, Nahost und Afrika zugute kommt.

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