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24.01.2007

07:00 Uhr

Zahlen des Leasingspezialisten bessern sich

Grenke leitet die Wende ein

VonAstrid Dörner

Die Zeiten waren schon mal besser für die Aktionäre der Grenke Leasing AG. Nach einer Gewinnwarnung im Oktober fiel die im SDax notierte Aktie von 54 auf 33 Euro, ein Verlust von rund 40 Prozent. Doch ein überraschend gutes viertes Quartal sorgte dafür, dass sich der Kurs erholte und nun wieder deutlich über der 40-Euro-Marke liegt. Operativ hat das Baden-Badener Unternehmen jedoch noch lange nicht alle Probleme beseitigt.

Grenke Leasing ist eines der wenigen erfolgreichen Unternehmen, die vom Neuen Markt übrig geblieben sind.

Grenke Leasing ist eines der wenigen erfolgreichen Unternehmen, die vom Neuen Markt übrig geblieben sind.

FRANKFURT. Grenke ist Marktführer bei Leasingverträgen für Bürotechnik wie Computer, Drucker und Telefon. Die Kunden reichen vom Handwerker bis zum kleinen Mittelständler. Das Einstiegsvolumen für eine Paketfinanzierung beginnt bei 25 000 Euro. Sorgen bereitet dem Nischenanbieter dabei vor allem die Unternehmensteuerreform, die 2008 in Kraft treten soll. „Bevor der Entwurf im November veröffentlicht wurde, herrschte große Unsicherheit bei den Kunden. Einige haben sich mit Leasingverträgen zurückgehalten“, sagt Nils Lesser, Analyst bei Merck Finck. Grund ist die geplante Besteuerung von Zinsausgaben und Leasingraten, die Leasing unattraktiver machen kann.

Das spiegelt sich auch in den Zuwachsraten der neu abgeschlossenen Verträge wieder. Im ersten Quartal 2006 gewann das Unternehmen noch 20 Prozent neue Verträge dazu. Im zweiten Quartal waren es 6,5 Prozent und im dritten Quartal nur noch 2,3 Prozent. „Das widerspricht dem Ziel, für das Gesamtjahr zweistellige Wachstumsraten bei Neugeschäft und Ergebnis zu liefern, also fiel im Oktober der Kurs“, erklärt der Merck-Finck-Analyst. Hinzu kam eine Umstellung im Vertrieb, die laut Lesser zusätzlich dämpfend wirkte.

Grenke Leasing ist eines der wenigen erfolgreichen Unternehmen, die vom Neuen Markt übrig geblieben sind. Dass Ergebnis und Neukundengeschäft mit zweistelligen Raten wachsen, kam bei den Baden- Badenern regelmäßig vor. „Im Oktober hat Grenke dann aber zum ersten Mal die im Markt geschürten Erwartungen enttäuscht“, erinnert sich Ralf Breuer, Analyst der WestLB. Im gesamten Jahr 2006 hat das Unternehmen knapp zehn Prozent an neuen Kunden gewonnen.

Und die Diskussion um die Steuerreform ist dabei jedoch noch nicht mal ausgestanden. Man könne nicht ausschließen, dass sich der Inhalt des Gesetzesentwurfs noch in Teilen ändert, warnen die Analysten. „Das hängt wie ein Damoklesschwert über dem Aktienkurs“, sagt Lesser. Dennoch rät der Merck-Fink-Analyst zum Kauf mit einem Kursziel von 42 Euro, denn im zweiten Halbjahr dürfte die Unsicherheit beendet sein.

Auch die Gewinnmarge geriet im vergangen Jahr unter Druck. Schuld waren sechs Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank seit Ende 2005. „Dadurch stiegen die Refinanzierungskosten, was nur mit einer Zeitverzögerung an die Kunden weitergegeben werden konnte“, sagt Carsten Werle, Analyst bei Sal. Oppenheim. Er erwartet aber, dass der Druck von dieser Seite nachlassen wird, da das Unternehmen abgesichert ist, sobald der Zinssatz 3,75 Prozent übersteigen sollte. Im überraschend guten vierten Quartal stagnierte die Marge des Neukundengeschäftes auf dem Niveau des Vorquartals bei 9,8 Prozent. Werles Kursziel liegt bei 45 Euro.

Wachstumstreiber wird in diesem Jahr vor allem das Auslandsgeschäft sein. „In Deutschland hat Grenke eine Marktdurchdringung von 50 Prozent. Das kann kaum noch gesteigert werden“, gibt Breuer von der WestLB zu bedenken.

Die Baden-Badener sind bereits in 15 anderen Ländern vertreten. Neben Deutschland sind sie auch Marktführer in der Schweiz. „In Frankreich und in der Schweiz werden sie weiter stark sein“, sagt der WestLB-Analyst. Aber auch in Portugal, Griechenland und in der Slowakei stecke noch reichlich Potenzial.

Grenke macht derzeit noch 60 Prozent seines Neukundengeschäfts im Inland. Allerdings, so Nils Lesser von Merck Finck, hat die Konkurrenz zugenommen. Zwar sei Grenke der einzige börsennotierte Nischenplayer und der nächstgrößere Anbieter habe nur eine Marktdurchdringung von unter zehn Prozent. „Banken und herstellergebundene Leasinganbieter sind aber auch sehr aktiv“, sagt Lesser.

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