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13.01.2004

10:35 Uhr

Zu wenig umsatzstarke Produkte in Aussicht – Steuernachzahlung gilt als weniger einschneidend

Analysten sehen Pharmakonzern Glaxo Smithkline skeptisch

VonCarolyn Braun (Handelsblatt)

Der US-Pharmakonzern überzeugt die Experten nicht. Interessant für Anleger sind nämlich nur Firmen mit einer guten Palette von Medikamentneuentwicklungen, was GlaxoSmithKline zurzeit nicht zu bieten hat.

DÜSSELDORF. In der vergangenen Woche geriet der Aktienkurs von Glaxo Smithkline kurzzeitig unter Druck. Auf 5,2 Mrd. $ (4,1 Mrd. €) für die Gewinne aus den Jahren 1989 bis 1996 beläuft sich der Steuerbescheid, den die US-Behörden am Dienstagabend dem britischen Pharmakonzern zustellten. Für die Jahre 1997 bis 2000 werde mit Forderungen in ähnlicher Höhe gerechnet, teilte das Unternehmen mit und kündigte an, die Steuernachzahlung gerichtlich anzufechten. Vor 2005 sei jedoch nicht mit einer Entscheidung zu rechnen.

„Sicherlich ist die Summe recht eindrucksvoll“, sagt Analyst Rüdiger Weseloh von Oppenheim Research. Dennoch glaubt er nicht, dass die Forderungen den Unternehmenswert langfristig beeinflussen werden und bewertet Glaxo Smithkline weiterhin mit „neutral“. „Man wird sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Vergleich einigen“, sagt er. Außerdem habe das Unternehmen Rückstellungen gebildet. Selbst wenn diese nicht ausreichten, dürfte das für den Konzern nicht zum Problem werden, sagt auch Analystin Antje Laschewski von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Wenn man nur die drohenden Steuerzahlungen betrachtet, besteht für die Aktie bis mindestens 2007 keine Gefahr.“

Die Analystin ist dennoch wenig überzeugt von Glaxo. Für Anleger interessant seien nur Firmen mit einer guten Palette an Medikament-Neuentwicklungen, die daneben auch nicht der Konkurrenz durch Nachahmermedikamente (Generika) ausgesetzt sein sollten, meint sie. Beides treffe für Glaxo Smithkline nicht zu. Die im Dezember vorgestellte Produktpalette sei deutlich schwächer als die der Konkurrenz. Und Glaxo Smithkline leidet überdurchschnittlich stark unter Patentablauf. So ist zum Beispiel die Frist für das umsatzstarke Paxil beendet, es kann nun nachgeahmt werden.

Diese Risiken sind nach ihrer Meinung noch nicht in den Kurs eingepreist: „Natürlich ist immer schon vorher bekannt, wann ein Patent abläuft. Aber auch wenn die Umsatzeinbußen nicht überraschend kommen, reagiert der Markt bei Erscheinen des Generikum mit Kurseinbußen.“ Nach ihrer Einschätzung ist die Gewinnprognose für 2004 mit einer hohen Unsicherheit belastet. Einzig die niedrige Bewertung im Branchenvergleich gefällt ihr, insgesamt kommt sie daher noch zur Empfehlung „Halten“. Die Pharmabranche werde von den Investoren ohnehin vernachlässigt, gibt sie allerdings zu bedenken.

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