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23.04.2013

15:52 Uhr

Zusammenlegung der Aktien

Aktienkurs der Commerzbank wird sich verzehnfachen

Die Commerzbank-Aktie wird an diesem Mittwoch auf dem Papier deutlich wertvoller. Allerdings halten sich die gute Nachrichten für die Anleger in Grenzen – die Zusammenlegung der Aktien ist reine Kurskosmetik.

Die Commerzbank legt ihre Aktien zusammen. dpa

Die Commerzbank legt ihre Aktien zusammen.

FrankfurtSo billig wie am Dienstag gab es Commerzbank -Aktien noch nie - und sie werden es wohl auch so schnell nicht wieder werden. Zeitweise wurden die Titel für gerade einmal 1,044 Euro gehandelt. Doch am Mittwoch legt die Bank zehn Aktien zu einer zusammen, wie sie am Dienstag mitteilte. Damit hat sie gerade noch verhindert, dass ihre Anteilsscheine zu Pennystocks werden.

Vor allem aber schafft sie damit die Voraussetzung für die 2,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung, über die sie die restlichen Stillen Einlagen des Bankenrettungsfonds SoFFin und der Allianz tilgen will. Denn die Bank darf Aktien nicht unter dem rechnerischem Nennwert von einem Euro ausgeben. Um genügend neue Investoren anzulocken oder die gegenwärtigen Aktionäre zum Nachkauf zu bewegen, muss sie aber einen deutlichen Abschlag zum Börsenkurs bieten. Die Kapitalerhöhung soll Mitte Mai anlaufen.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Der Kursverfall der Commerzbank-Aktie hatte - wie bei vielen anderen Geldhäusern auch - mit dem Ausbruch der US-Immobilienkrise begonnen. Im Juni 2007 erreichten die Titel mit 30,61 Euro ihr Rekordhoch, bis zum März 2009 stürzten sie um 94 Prozent ab auf unter zwei Euro. Der Bankenrettungsfonds war zum rechnerischen Preis von sechs Euro mit 25 Prozent eingestiegen, um die Commerzbank nach der Fusion mit der Dresdner Bank vor dem Aus zu retten.

Zwei Jahre später notierten die Commerzbank-Anteilsscheine immerhin wieder um die fünf Euro - doch dann ließ Vorstandschef Martin Blessing eine ganze Welle von Kapitalmaßnahmen anrollen, um die Staatshilfen zu tilgen. Im ersten Schritt verkaufte die Bank neue Aktien noch für je 4,25 Euro, im zweiten dann gerade noch für 2,18 Euro. Aus gut einer Milliarde Aktien wurden dabei bis heute 5,8 Milliarden. Mit dem Erlös von 9,6 Milliarden Euro zahlte die Commerzbank einen Großteil der Stillen Einlagen von gut 16 Milliarden Euro zurück, mit denen der Staat sie in der Finanzkrise gerettet hatte.

Nun will die Commerzbank überraschend die restlichen Stillen Einlagen - 1,6 Milliarden Euro vom Bund und 750 Millionen Euro von der Allianz - zurückzahlen. Seit Blessing das Mitte März ankündigte, geht es für die Aktien bergab - bis zum Rekordtief. Denn die Altaktionäre sind "not amused": Sie sehen einer massiven Verwässerung ihrer Anteile ins Auge, wenn sie nicht mitziehen.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

23.04.2013, 14:38 Uhr

Das ist eher Casino der schmierigsten Art...allein dass diese Bank noch existiert grenzt an Perversion!

Account gelöscht!

23.04.2013, 15:16 Uhr

"Der Aktienkurs dürfte sich in etwa verzehnfachen",- sagt wer? ..und in welchem Zeiraum?
Liebe Güte, was sind das für Statements!?

BenH

23.04.2013, 15:40 Uhr

...dann machen die Aktionäre ja alle 1.000 % Gewinn, das ist ja der Wahnsinn.
/Ironie aus

Das ist keine hellseherische Fähigkeit, sondern simple Mathematik. Und ehrlich gesagt wird sich der Kurs definitiv nicht verzehnfachen. Und selbst das ist Mathematik und nichtmal Bauchgefühl. Das sagt mir nämich einen Kurs von unter 10 Euro voraus.

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