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12.01.2007

14:30 Uhr

Aktienbörse Iran

Wenn die Brokerin Schleier trägt

VonMathias Brüggmann

Die Konterfeis der Ajatollahs Chomeini und Chamenei schauen starr auf die Erben ihrer islamischen Revolution. Im Handelssaal des 19-stöckigen Tehran-Stock-Exchange-Tower sind ihre Portraits rechts und links neben den acht rot leuchtenden Kursanzeige-Tafeln voller persischer Schriftzeichen angebracht.

Zwei Frauen im Tschador warten an der Teheraner Börse auf den Moment, um Aktien zu kaufen. Auch Ausländer können hier wieder investieren.

Zwei Frauen im Tschador warten an der Teheraner Börse auf den Moment, um Aktien zu kaufen. Auch Ausländer können hier wieder investieren.

TEHERAN. Unter den Mullahs, auf hellem Marmor, das Treiben der etwa drei Dutzend Händler, die mit ihren Drei-Tage-Bärten, Windjacken und den Papierblocks eher wie Zocker von der Rennbahn aussehen. Auch auf der Empore verfolgt ein Trüppchen von Investoren die ratternden Zahlenkolonnen. „Ich bin in diesen Sälen alt geworden“, sagt einer von ihnen, der erst 38-jährige Mohsen, der eher aussieht wie 50, „das hier ist mein Job.“ Er brauche zwei oder drei gute Deals im Jahr. Dafür müsse er jeden Tag da sein.

Ein Börsentag in Teheran. Das Auf und Ab der Kurse ist aufregender als an anderen Handelsplätzen der Welt, ist es doch eng mit der wechselvollen Politik des Landes verbunden. Zu Zeiten des Schahs gegründet, von den Mullahs weitgehend gestoppt, entwickelte sich in der Börse erst in den 90er-Jahren wieder neues Leben, als Hunderte von Staatsbetrieben über die Börse privatisiert wurden. 332 Firmen haben heute ihre Aktien an Teherans Börse gelistet mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 36 Mrd. Dollar. Das ist sogar für Schwellenländer wenig.

Die Börse Istanbul etwa bringt es auf 153 Mrd. Dollar, Tel Aviv auf 162 Mrd., an der weltgrößten New York Stock Exchange beläuft sich der Marktwert aller dort notierten Unternehmen auf 15 Billionen Dollar. Dafür lockt Teheran mit einem anderen Superlativ: das Kurs-Gewinn-Verhältnis der dort gelisteten Aktien liegt zwischen drei und fünf, der langfristige Durchschnitt an anderen Börsen liegt bei 15. Marcus Gerhardt vom Turquoise Fund in London, dem wohl einzigen westlichen Fonds mit Iran-Engagement, spricht von „erheblichem Potenzial, das aber auch erhebliches Expertenwissen verlangt.“

Mohsen hat dieses Wissen. Mit einer Million Rial – gut 100 Dollar, damals ein kleines Vermögen – habe er begonnen, erzählt der Mann mit Schnauzer und landestypischem Drei-Tage-Bart. In den Jahren nach dem Iran-Irak-Krieg habe er auf die deutsche Erfahrung gesetzt – auf Zement-Aktien. „Weil das Volk ja bauen musste.“ In den vergangenen Jahren dann seien die Papiere der boomenden iranischen Auto-Industrie seine Favoriten gewesen. Jetzt wiederum Werte aus dem Boden: Kupfer-Produzenten und andere Minen-Aktien.

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