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31.07.2014

15:52 Uhr

Aktienmärkte

Comeback der Crash-Propheten

VonJürgen Röder, Jessica Schwarzer

Amerikanische Aktien notieren nahe ihrer historischen Höchststände. Doch die Party könnte bald enden, prominente Schwarzmaler warnen vor dem Absturz. Dem Dax geht nach seinem Rekordhoch bereits die Puste aus.

Seit mehr als fünf Jahren herrscht Partystimmung an den Börsen, droht jetzt der Absturz? Getty Images

Seit mehr als fünf Jahren herrscht Partystimmung an den Börsen, droht jetzt der Absturz?

DüsseldorfDroht ein empfindlicher Börsencrash? Glaubt man bekannten Börsenexperten, ist es an der Zeit, die satten Gewinne der mehr als fünfjährigen Rally ins Trockene zu bringen. Die kritischen Stimmen werden immer lauter. Gerade erst hat Alan Greenspan, immerhin Ex-Chef der amerikanischen Notenbank und ehemals „Magier der Märkte“, vor einer signifikanten Korrektur gewarnt. Auch der Anleihekönig Bill Gross rät zur Vorsicht.

Schon vor einigen Wochen hat Marc Faber seinem Namen als Dr. Doom mal wieder alle Ehre gemacht. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir in den nächsten zwölf Monaten einen Crash wie 1987 erleben. Und ich befürchte, es wird sogar noch schlimmer“, prophezeite er in einen Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC.

„Dieses Jahr, da bin ich mir sicher, wird der S&P-500-Index 20 Prozent fallen - eventuell von einem höheren Niveau aus.“ Nach kurzem Innehalten korrigierte er sein Prognose sogar noch: „Ich denke doch eher, dass es 30 Prozent werden.“ Auf den promovierten Wirtschaftswissenschafter zu hören, war in der Vergangenheit oft richtig. Er sagte den Crash 2009 bereits ein Jahr zuvor voraus. Und auch den Einbruch der Schwellenländer-Börsen zwei Jahre später prognostizierte der bekennende Schwarzseher. Seine negativen Prognosen verkündet Faber normalerweise über seinen Börsenbrief „The Boom, Gloom and Doom Report“ – zu Deutsch: Aufschwung, Finsternis und Untergang.

Max Otte malt ebenfalls schwarz: „Große ökonomische Verwerfungen – und wir haben die Krise von 2008 noch nicht überwunden – können irgendwann auch zu politischen Verwerfungen führen“, sagt der Bestsellerautor und Crash-Prophet. „Derzeit brennt es an der Welt an vielen Stellen und ich sehe nicht, dass jemand die Feuer löscht. Im Gegenteil.“ Er geht sogar noch weiter: „Der Welt könnte schlimmeres bevorstehen als ‚nur‘ der nächste Finanzcrash“, befürchtet Otte. „Dieser ist aber auch nicht auszuschließen, da die Verschuldung weiter gestiegen ist.“

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Und nicht nur die Schwarzmaler sind pessimistisch eingestellt, auch vorher „bullish“ eingestellte Experten sehen die Lage nun zumindest kritischer. Dass den Börsen der Untergang bevorsteht, so weit will Robert Halver zwar nicht gehen. Aber auch der Experte der Baader Bank sieht durchaus Risiken. „Wenn die Ukraine-Krise dramatisch eskaliert, die Lage im Irak sich maximal zuspitzt oder die US-Notenbank schockartig die Zinsen erhöhen würde, dann kann es natürlich turbulent an den Märkten werden“, sagt er. Geopolitische Krisen seien schlecht einzuschätzen, es gebe keine historischen Blaupausen.

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