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09.03.2011

12:38 Uhr

Aktienmarkt

Der Börse auf den Puls gefühlt

VonChristian Schnell

Zwei Jahre Hausse - und nun? Die Anleger an den Börsen sind zuversichtlich wie lange nicht. Doch die Risiken werden größer. Eine aktuelle Lageeinschätzung.

Risikofaktor EZB: Im April könnten die Preise steigen. Quelle: dpa

Risikofaktor EZB: Im April könnten die Preise steigen.

Die Geldpolitik bereitet Sorgen

Bald musste man damit rechnen, aber dass die Europäische Zentralbank (EZB) den jüngsten Äußerungen von Präsident Jean-Claude Trichet zufolge vielleicht schon im April zum ersten Mal ihre Leitzinsen erhöht, kam für die Mehrzahl der Börsianer dann doch überraschend. Trotzdem hat man sich schnell darauf eingestellt. Von einer „Zinserhöhung mit Ansage“ sprechen sie inzwischen bei der Schweizer Bank Syz. Es sind jedoch nicht nur die steigenden Zinsen, die die Aktienmärkte künftig belasten dürften. Bis zum kommenden Sonntag muss die Solvenzfrage für etliche Euroländer geklärt sein. Dabei geht es um die Frage, ob die bisher zur Verfügung gestellte Kreditlinie eventuell gar verdoppelt wird. Die griechischen Staatsschulden müssen restrukturiert werden, und vielleicht schlüpft gar Portugal als nächstes Land unter den europäischen Rettungsschirm. Darin steckt durchaus positives Überraschungspotenzial. Aber vor allem viel Negatives. Vor zwei Jahren hat die EZB die Leitzinsen auf das historische Tief von einem Prozent gesenkt.

Die Stimmung ist so gut wie nie zuvor

Nie war die Stimmung an der Börse besser als jetzt. Doppelt so viele Bullen wie Bären tummeln sich im Moment dort, hat die wöchentliche Umfrage des Analysehauses Sentix unter 3000 Investoren ergeben. Das gilt aber nur für den langfristigen Bereich. Kurzfristig hat sich die zuletzt schon nicht eben gute Stimmung noch mal verschlechtert. „Konsolidierung ja, Trendwende nein“, bringen es die Sentix-Experten auf den Punkt. Von einer generellen Trendumkehr zu sprechen, halten sie derzeit für zu früh. Stimmungsindikatoren geben zwar die aktuellen Befindlichkeiten der Anleger wieder, sie bilden meist aber auch nichts anderes ab als das, war der Markt ohnehin gerade zeigt. Beim Tiefpunkt im März 2009 bewegte sich die Stimmung unter Anlegern zumindest leicht nach oben. Aktuell sind die Erwartungen sehr hoch, auch wenn sie sich in der vergangenen Woche etwas eingetrübt haben. Diese Konstellation halten Sentimentforscher für ideal: Kurzfristige Skepsis und langfristige Zuversicht sind beste Voraussetzungen für steigende Kurse.

Insider kaufen schon lange nicht mehr

Geht es nach den Vorständen und Aufsichtsräten in den großen deutschen Aktiengesellschaften, dann hat der Dax nicht mehr allzu viel Potenzial nach oben. Aktien gekauft haben sie damals um den Tiefpunkt im März 2009 in rauen Mengen. Statt der Ausverkaufsstimmung an den Märkten hinterherzurennen, haben sie auf die Substanz ihres Unternehmens und die starke Nachfrage aus den aufstrebenden Ländern gesetzt. 135 Insiderkäufe haben Topmanager in diesem Monat an die Börsenaufsicht BaFin gemeldet. Nur 27 Verkäufe standen dem gegenüber. Mittlerweile hat sich das Bild gedreht. Es wird überdurchschnittlich verkauft und nur noch unterdurchschnittlich gekauft. Das alles zeigt nicht diese ganz klare Tendenz wie damals, es ist jedoch ein Zeichen dafür, dass das meiste in dieser Aufschwungphase wohl gelaufen ist. Unternehmensinsider gelten als „Contrarian-Investoren“. Sie nutzen ihr Wissen über ihre Gesellschaft, das weit größer ist als das gewöhnlicher Aktionäre, und verhalten sich gewöhnlich entgegengesetzt der Marktstimmung.

Techniker erwarten Seitwärtsbewegung

Die kurzfristige Korrektur, die der Dax seit Anfang März zeigt, ist aus Sicht der technischen Analysten noch nicht beendet. Ein Rückgang bis auf 7000 Punkte und im weiteren Verlauf eventuell gar bis auf 6850 Zähler erscheint den Experten der Düsseldorfer WGZ-Bank möglich. Mittelfristig soll es dagegen mit Deutschlands Top 30 seitwärts weitergehen. Zwei Marken müssen sich Anleger merken: Nach oben stellen 7550 Punkte den Widerstand dar. Erst wenn der überwunden wird, ist die Chance auf einen weiteren Kurssprung gegeben. Auf der Unterseite befindet sich bei 7000 Punkten eine sogenannte Unterstützungslinie, die so etwas wie eine Begrenzung gegen weiteres Abrutschen darstellt. Erst wenn sie durchbrochen wird, wären weitere Verluste wahrscheinlich. Nicht viel anders sieht es übrigens im europäischen Vergleich aus. Auch der für die Euro-Zone maßgebliche Leitindex Euro Stoxx 50 dürfte in nächster Zeit zunächst nach unten tendieren, ehe es dann mittelfristig seitwärts vorangehen soll. Fazit: Kein Grund zur Sorge, aber auch keiner zur Euphorie.

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