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22.08.2011

09:00 Uhr

Aktienmarkt

Der Schwarzer Montag und mein Faible für Turbulenzen

VonChristian Schnell

Seit dem "Schwarzen Montag" 1987 gehört der Blick auf die Kurse zu meinem Alltag – und gerade die turbulenten Zeiten sind besonders reizvoll. Die Mutigen, die Schnäppchenjäger und die kühlen Analytiker haben dann gute Karten.

Christian Schnell ist Finanzexperte bei Handelsblatt. Quelle: Pablo Castagnola

Christian Schnell ist Finanzexperte bei Handelsblatt.

FrankfurtIch erinnere mich noch genau an das Datum, als ich zum ersten Mal die Wucht eines Börsenbebens spürte. Es war der 19. Oktober 1987. Ein Montag, der später als "Schwarzer Montag" in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Ich habe kein Geld verloren an diesem Tag, als der Dow Jones um mehr als 20 Prozent einbrach. Aktien hatte ich damals noch keine. Aber ich war Auszubildender zum Bankkaufmann bei einem Institut, das damals noch Kreissparkasse Würzburg hieß. Und just an diesem Tag war ich in der Wertpapierabteilung, als die wenigen Telefone nicht aufhörten zu läuten, die Berater zu beschwichtigen versuchten, obwohl sie selbst keine Antwort wussten, und die Azubis die Aufgabe hatten, die Verkaufsorders an "unseren Mann in Frankfurt" zu bringen.

Ich erlebte Kunden in Hysterie und solche, die die Dinge sachlich abwogen und schrittweise wieder einstiegen. Sie behielten recht. Ein Jahr später standen die Kurse wieder auf dem Niveau wie vor dem Crash.
Seither gehört der Blick auf die Kurse für mich zum Alltag. Und gerade die derzeit besonders turbulenten Tage sind besonders reizvoll. Man muss herausfinden, was ist Vorbote einer künftigen Abwärtsentwicklung und was pure Übertreibung. Und welche Aktien sind letztlich zu Unrecht in den Abwärtsstrudel geraten. Schließlich setzt in Phasen wie diesen oft die Rationalität aus. Die Mutigen, die Schnäppchenjäger und die kühlen Analytiker haben dann gute Karten.

Ich habe seit Jahren ein Faible für die zu Unrecht von der Börse Verstoßenen. Für die Aktien, von denen jeder abrät, die keiner will und die richtig heruntergeprügelt wurden. Von denen suche ich mir die Besten aus. Nicht ganz überraschend stehen momentan auf dieser Liste Bankaktien ganz oben.

In der Finanzkrise mit riesigen Summen von den Staaten gerettet, explodierten kaum zwei Jahre später schon wieder die Boni. Gerade befällt die Banken das große Zittern wegen ihrer griechischen Bonds und Anleihen anderer Schuldenstaaten, Zehntausende Mitarbeiter werden entlassen, und künftig droht als Schreckgespenst auch noch die Finanztransaktionssteuer. Kein Wunder, dass die Aktienkurse seit drei Wochen einbrechen.
Man sollte Commerzbank kaufen, hieß es zuletzt im Kollegenkreis. Ein Preis von unter zwei Euro spreche dafür, der Kurs ist seit März um 60 Prozent gefallen. Da muss es doch zwangsläufig nach oben gehen. Außerdem ist die Bank weiter in staatlicher Obhut.

Ich habe dennoch Aktien der Deutschen Bank gekauft. Warum? Weil sie die bessere Bank ist. Die Finanzkrise hat sie, anders als viele Konkurrenten, mit nur kleinen Kratzern überstanden. Von Griechenland-Bonds hat sich die Bank rechtzeitig getrennt. Gerade in der vergangenen Woche hat sich wieder einmal gezeigt, wie hoch das Ansehen mittlerweile europaweit ist.

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