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12.02.2012

14:29 Uhr

Aktienmarkt

Gefährliche Euphorie an den Börsen

VonChristian Schnell, Anke Rezmer

Die Sicherheit, in der sich die Anleger derzeit wähnen, ist trügerisch. Auch wenn momentan kaum eine schlechte Meldung die Börsenstimmung trüben kann - keines der Probleme aus dem vergangenen Jahr wurde bisher gelöst.

Börse in Frankfurt: Psychologische Faktoren treiben derzeit die Kurse nach oben. Reuters

Börse in Frankfurt: Psychologische Faktoren treiben derzeit die Kurse nach oben.

FrankfurtAussagen wie diese sind gerade zwei Monate alt. „Deutschland wird wegen seiner Exportorientierung von der Rezession in der Euro-Zone getroffen“, sagte Stefan Schneider, der internationale Chefökonom der Deutschen Bank Anfang Dezember. Noch skeptischer war die Prognose von William de Vijlder. „Die Probleme scheinen größer denn je“, meinte der Chief Investment Officer und damit oberste Anlageberater von BNP Paribas Investment Partners. Daniel McCormack von der australischen Großbank Macquarie sah wenigstens einige Lichtstrahlen in der allgemeinen Düsternis, als er über die Börsen im Jahr 2012 sinnierte.

Im Februar scheinen diese Prognosen wie aus einer anderen Zeit. Der Dax hat in den ersten sechs Wochen des Jahres fast 900 Punkte zugelegt; so gut verlief der Jahresstart noch nie, seitdem Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer im Jahr 1988 erstmals berechnet wurde. Ähnlich gut sieht es an vielen anderen Handelsplätzen aus.

Dax 30 : Welche Aktien Schnäppchen sind

Dax 30

Welche Aktien Schnäppchen sind

Viele der 30 Dax Unternehmen sind nach wie vor unterbewertet. Aber welche? Einen Hinweis darauf gibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Ein Überblick, von Allianz bis Volkswagen.

„Die Anleger haben im Januar deutlich offensiver reagiert als noch im Dezember“, erklärte Marcel Langer von der Schweizer UBS. Nicht nur Großanleger, sondern auch viele Private sind im Laufe des Januars immer mutiger geworden. Die Großen steckten so die Kleinen an; und das führte in der Summe dazu, dass alle Probleme und Bedenken, die es wenige Wochen zuvor gab, wie weggeblasen erscheinen. Griechenland und Schuldenkrise, Inflations- und Deflationsängste, nicht zuletzt die Furcht vor einem Konjunktureinbruch in den immer wichtiger werdenden Schwellenländern. In China, Indien oder in Brasilien. All das ist bislang ausgeblieben.

Doch wirklich gelöst sind die Probleme nicht, nur hören will keiner mehr davon. Erst recht nicht, seitdem die Europäische Zentralbank (EZB) im vergangenen Dezember die Märkte mit 500 Milliarden Euro an frischem Kapital geflutet hat. Danach war klar, dass keine der angeschlagenen Großbanken in Europa mehr pleitegehen wird.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Trendumkehr nennen Charttechniker das Phänomen, wenn plötzlich alle das Gegenteil von dem machen, was gerade noch angesagt war. Von einer Momentum-Strategie sprechen Analysten, die eher die fundamentalen Daten im Blick haben. Wichtig ist beiden, dabei zu sein, wenn die Stimmung an den Börsen kippt. „Wir setzen seit kurzem den Anteil an Bargeld ein, den wir im Herbst systematisch aufgebaut haben“, sagt Alexander Daniels, Vorstandssprecher der Hamburger Vermögensverwaltung Knapp Voith.

Wie er fahren momentan viele Berater die Strategie, dass sie in wackeligen Börsenphasen wie im vergangenen Spätsommer den Aktienanteil nahezu auf null reduzieren. Zieht dann die Börse wieder an wie seit dem Jahresstart, dann kaufen alle plötzlich wieder ein. Weil das so ist, gibt es auch diese extremen Kursausschläge, die in dieser Form in der Vergangenheit selten zu beobachten waren.

Kommentare (33)

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Account gelöscht!

12.02.2012, 15:08 Uhr

Viele Probleme sind gelöst. Viele notorische Schwarzseher erkennen dies nur zu spät...oder garnicht. Die Brandmauer gegen die Finanzkrise steht, der Rettungsfond steht in 2 Varianten dar, die Euro-Staaten bauen eine Schuldenbremse in ihre Verfassung ein. Die USA wachsen wieder, China bleibt obenauf. Einzig Griechenland darbt weiter dahin. Aber bei allen Meldungen sollten wir nicht vergessen, daß Griechenland mit seinen 10 Mio. Einwohnern, also kleiner als Baden Württemberg, unbedeutend für die Weltwirtschaft ist. Wichtig für die Märkte war nur, den "Griechen-Virus" unter Kontrolle zu bringen.

www.steuerembargo.co.de

12.02.2012, 15:42 Uhr

Das ist doch nur ein Spiel. Das Spiel mit den "Kleinanlegern und ich meine hier auch diejenigen, die mehrere Millionen investieren! Das sind alles Minianlagen im Gegensatz zu den paar Hände voll handverlesenen Superinvestoren und deren Drahtziehern!

Was das Finanzamt mit der Masse der Einkommensbezieher macht, das wird durch die Börsen für die Mittelschicht und die Oberschicht ergänzt. Hat diese Gruppe, den Köder wieder angebissen, dann gehts aber gleich wieder schnell bergab und da von diesen ungeübten niemand schnell abgeben wird, wird deren Einsatz auf diese handverlesene Gruppe einfach umverteilt.
Zu meinen mit ein paar Millionen auch nur die geringste Chance zu haben ist meist ein existentieller Trugschluss!

Account gelöscht!

12.02.2012, 15:51 Uhr

Das ganze " Krisengelaber " hängt den großen Investoren doch zum Halse raus - will und kann niemand mehr hören.
Es ist genug billiges Geld da, auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten im DAX.

Wer immer noch im Krisenmodus ist, wird zu den großen Verlierern im Aktienjahr 2012 gehören bzw. gehört ja auch schon dazu !

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