Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2016

15:09 Uhr

Aktienmarkt

Händler, traut Eurem Bauchgefühl!

Gefühle und Leistung gehen Hand in Hand auf dem Aktienmarkt. Eine neue Studie zeigt: Händler, die auf ihr Bauchgefühl hören, verdienen mehr Geld. Auch langjährige Berufserfahrung scheint dabei zu helfen.

Aktienhändler sollten regelmäßig ihrem Bauchgefühl trauen, so eine neue Studie. AP

Händler an der New York Stock Exchange

Aktienhändler sollten regelmäßig ihrem Bauchgefühl trauen, so eine neue Studie.

New YorkGelten Bauchgefühle heutzutage als valide Signale für Marktentscheidungen oder sind sie lediglich lästige Anzeichen für Unsicherheit und Zerrissenheit? Inwiefern sollten Händler bei Kapitalmarktentscheidungen dem inneren Antrieb trauen, wenn es um die Bewertung neuer Tendenzen geht?

Ein ehemaliger Derivate-Händler, der inzwischen als Neurowissenschaftler arbeitet, ging genau dieser Frage nach. Und John Coates kam zu dem Ergebnis: Händler, die vermehrt auf die Signale ihres Körpers hören, verdienen mehr Geld und überleben insgesamt länger in der Branche als die Konkurrenz.

Zusammen mit Medizinwissenschaftlern von der University of Cambridge untersuchte er die Physiologie von insgesamt 18 männlichen Hochfrequenzhändlern, die bei einem Londoner Hedgefonds arbeiten. Die Ergebnisse wurden in dieser Woche im Online-Magazin „Scientific Reports“ veröffentlicht. Das Kernresultat: Diejenigen Händler mit Risikoneigung, die ihre eigene Herzfrequenz besser schätzen konnten, verdienen mehr Geld als jene Kollegen, die bei dieser Aufgabe weniger überzeugten.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

„Wir wussten, dass Physiologie für gewöhnlich genauer Risiko und Chance auf den Märkten widerspiegelt als die bewussten Bewertungen von Menschen“, sagt Coates in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wenn es derart wertvolle Handelssignale bei unseren Körperreaktionen gibt, ist es dann möglich, dass Menschen, die diese physischen Veränderungen besser bemerken, Zugang zu unbezahlbaren Handelssignalen haben?“

Bei dieser Untersuchung wurden die Testteilnehmer darum gebeten, ohne Pulsfühlung ihre Herzschläge zu zählen – und zwar in zufällig ausgewählten Zeitintervallen. Die Schätzungen, so Coates, wurden in der Folge mit der tatsächlichen Herzfrequenz verglichen.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Toni Ebert

20.09.2016, 15:56 Uhr

Ja, ohne Intuition geht es bei mir nicht. Aber dafür musste ich lange lernen und nochmals lernen.

Leider musste ich zwischenzeitlich auch auf die hilfreichen Tipps der Analysten und Börsenmedien verzichten. Erst nach diesem Cut und extrem viel Üben / Intuitions-Training kam ich erst dazu, dass sich Verluste und Gewinne ausgeglichen haben und schließlich kam ich nachhaltig in die Gewinnzone.

Ich wünsche euch nachhaltige Gewinne.

Frau Annette Bollmohr

20.09.2016, 16:38 Uhr

@Herr Toni Ebert, 20.09.2016, 15:56 Uhr

"Ich wünsche euch nachhaltige Gewinne."

Die sind auch absolut wünschenswert, und zwar für jeden.

Denn wenn eine Geschäftspolitik, die Gewinne generiert nicht nachhaltig ist, werden die Gewinne es auch nicht sein.

Herr Toni Ebert

20.09.2016, 17:21 Uhr

@---Frau Annette Bollmohr

ja, JEDER kann beim Trading mitmachen. Keiner wird ausgeschlossen und alle haben gleiche Chancen. Egal, ob Urgermane oder Migrant, egal, ob Kind oder eine Frau mit 120 Jahren.

Das Trading ist unendlich gerecht und es bevorzugt / benachteiligt keinen. Jeder kann hier Multi-Millionär werden und das wünsche ich JEDEM.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×