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15.05.2015

06:19 Uhr

Aktienmarkt Japan

„Ende 2015 steht der Nikkei bei 22.000 Punkten“

VonSara Zinnecker

Erst knackte der Nikkei die 20.000 Punkte, dann sackte er ab: Hideki Hiraki ist dennoch guter Dinge. Der CEO von Japans größtem Asset Manager erklärt, was die Wirtschaft künftig treibt und was Mario Draghi ändern muss.

Den letzten Rücksetzer scheint der Leitindex Nikkei überwunden zu haben.

Tokios Börse im Aufwind?

Den letzten Rücksetzer scheint der Leitindex Nikkei überwunden zu haben.

Er ist wohl der Gast mit der bislang längsten Anreise: Mehr als 9.000 Kilometer hat Hideki Hiraki zurückgelegt, bevor ich ihn in der Düsseldorfer Handelsblatt-Zentrale begrüßen kann. Obwohl er Englisch gut versteht, kommt der neue CEO des Treuhandgeschäfts von Japans größtem Asset Managers, SuMI Trust, mit Übersetzer. 474 Milliarden Dollar Vermögen verwaltet Hiraki zurzeit. Der Besuch ist ihm wichtig. Die Botschaft: Japan sei ein Zukunftsmarkt – insbesondere für Investoren aus Europa, die im Null-Zins-Umfeld auf der Suche nach Rendite sind. Noch im April hat der japanische Leitindex Nikkei mehrfach die Marke von 20.000 Punkten übersprungen – dies war ihm 15 Jahre lang nicht gelungen. Im Mai musste allerdings auch der Nikkei Rücksetzer verkraften.

Herr Hiraki, im April hat der Nikkei mehrmals die 20.000 Punkte geknackt und stand so hoch wie seit 15 Jahren nicht. Anfang Mai kam dann die Korrektur. Der Nikkei fiel zwischenzeitlich um fast 500 Punkte. Wie geht es weiter?
Zuerst haben wir gedacht, dass die längere Urlaubszeit in Japan, die Anfang Mai beginnt, die kleine Korrektur ausgelöst hat. Nun dürfte die Warnung von Fed-Chefin Janet Yellen, dass die Aktienmärkte zu heiß laufen könnten, die Korrekturphase noch ein wenig verlängern.

Kann der Nikkei die Rekordjagt fortsetzen?
Unabhängig von der aktuellen Korrektur glauben wir, dass der Nikkei bis zum Jahresende einen Stand zwischen 22.000 und 23.000 Punkten erreichen wird. Japan wird die Reformen, die Premier Abe angestoßen hat, über die nächsten Jahre umsetzen. Wir werden sehen, dass der Markt weiter wächst. Der Rekordstand vom April ist keine einmalige Sache.

Hideki Hiraki ist neuer CEO des Treuhandgeschäfts von Japans größtem Asset Manager, SuMI Trust.

Hideki Hiraki

Hideki Hiraki ist neuer CEO des Treuhandgeschäfts von Japans größtem Asset Manager, SuMI Trust.

Das klingt, als stütze echtes Wachstum den Aufschwung am Aktienmarkt. Hierzulande wird immer wieder Angst laut, dass die Hausse am Aktienmarkt nur auf der ultralockeren Geldpolitik und den fehlenden Sparzinsen basiert.
Die Gewinne japanischer Unternehmen steigen zur Zeit so sehr an wie in kaum einem anderen entwickelten Land. Wie der Gewinn pro Aktie steigt, tendiert auch der Nikkei höher. Das bedeutet, das Preisniveau der Aktien spiegelt bislang die Gewinne wider.

Ein Nikkei 20.000 ist also nicht überbewertet?
Wenn man sich das Verhältnis zwischen Eigenkapitalrendite und Aktienpreisen ansieht, folgen wir immer noch einem linearen Trend. Beide Größen haben sich nahezu proportional entwickelt. Vor dem Hintergrund ist die Bewertung fair. Eine Blase müsste man erst fürchten, wenn sich das Gewinnwachstum verlangsamen würde.

Die drei Säulen der Abenomics

Säule 1: Geldpolitik (1)

Die Bank of Japan folgt dem Beispiel der Federal Reserve. Mit einem sogenannten „Quantitative Easing“ will die BoJ mittels Anleihenkäufen 80 Billionen Yen beziehungsweise 673 Milliarden Dollar pro Jahr in die Märkte pumpen. Ziel der Anleihenkäufe ist es, die Inflationsrate mittelfristig auf die als stabil geltende Zwei-Prozent-Marke zu treiben.

Geldpolitik (2)

Die Maßnahmen wirken sich auf die Teuerung aus, allerdings nur mit Verzögerungen. Jüngst erst musste Japans Regierung unter Shinzo Abe ihr Inflationsziel von zwei Prozent auf die erste Hälfte des Haushaltsjahres 2016/2017 verschieben. „Ausschlaggebend wird sein, ob die Erhöhung der Löhne den privaten Konsum antreiben kann und damit die Preise erhöht“, erklärt Daiju Aoki von der Schweizer Grioßbank UBS. „Wir sehen bisher eine klare Kluft zwischen dem optimistischen Ausblick der BoJ und den aktuellen Preisen.“

Säule 2: Fiskalische Maßnahmen (1)

Die Bank of Japan nimmt im Unterschied zur EZB und der Fed direkten Einfluss auf die öffentlichen Ausgaben. Mit kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen werden Infrastrukturprojekte, wie zum Beispiel der Bau von Brücken, Tunneln und erdbebensicheren Straßen unterstützt. An den Gesamtausgaben der öffentlichen Hand in Höhe von 20,2 Billionen Yen beziehungsweise 210 Milliarden Dollar beteiligt sich die japanische Notenbank mit rund 10,3 Billionen Yen.

Fiskalische Maßnahmen (2)

Die Ausgaben sollen das Bruttoinlandsprodukt Japans 2015 auf 2,0 Prozent anheben. Allerdings wurde auch diese Prognose nach unten korrigiert. Ursprünglich ist die japanische Regierung von einem BIP-Wachstum von 2,1 Prozent ausgegangen. Die fiskalischen Maßnahmen sollen außerdem auf dem Arbeitsmarkt für frischen Wind sorgen. Schätzungen der Notenbank zufolge sollen die direkten Investitionshilfen mittelfristig circa 600.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Säule 3: Strukturreformen (1)

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe setzt sich für eine Liberalisierung der Märkte ein. Dafür wurden die Besteuerung der Unternehmen und die Regulierungen gesenkt. Um die geringen Einnahmen zu kompensieren und die Staatsverschuldung zu reduzieren, soll allerdings die Mehrwertsteuer von fünf auf zehn erhöht werden. Unklar ist, wie sich diese Erhöhung langfristig auf das Konsumverhalten der Japaner auswirken wird. Kurzfristig hatte die Anpassung auf acht Prozent die Konsumausgaben spürbar gesenkt.

Strukturreform (2)

Darüber hinaus soll es künftig flexiblere Beschäftigungsmodelle geben. Unter anderem verspricht sich die Regierung, so auch die Erwerbsquote der Frauen zu erhöhen. Außerdem soll die Attraktivität Japans als Finanzplatz erhöht werden. Dafür wird der Finanzsektor weiter liberalisiert. Hier geht Japan einen anderen Weg als die Europäische Union oder die USA.

Sehen das auch ausländische Investoren so positiv? Lange Zeit hat der japanische Markt Anleger hierzulande wenig interessiert ...
In der Tat: Vor zwei Jahren noch hatten Investoren ein sehr schlechtes Bild von Japan. Nur schleppend floss Kapital nach Japan, am Ende war der Kapitalfluss sogar rückläufig. Jetzt zielt die Regierung aber darauf, aus dem Deflationszyklus herauszukommen in ein eher inflationäres Umfeld ...

... zuletzt lag die Inflation bei

Das wird einen positiven Effekt auf die Aktienpreise haben. Und das wissen auch Investoren.

Lässt sich das steigende Interesse ausländischer Investoren auch beziffern?
Ihr verwaltetes Vermögen hat sich in den vergangenen drei Jahren auf jetzt etwa 10 Milliarden Dollar verdreifacht.

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