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19.02.2016

16:10 Uhr

Aktienprognosen

Das Robo-Orakel aus Japan

Ein Investmenthaus in Tokio lässt sich von einem Roboter den Börsenindex vorhersagen. Mit ihren Prognosen zielt die Maschine erstaunlich oft ins Schwarze. Manchmal liegt sie allerdings auch ziemlich daneben.

Der von einem Ex-Mitarbeiter von Lehman Brothers entwickelte Robo-Analyst funktioniert ähnlich wie ein Schachcomputer. dpa

Roboter in Menschengestalt

Der von einem Ex-Mitarbeiter von Lehman Brothers entwickelte Robo-Analyst funktioniert ähnlich wie ein Schachcomputer.

Am zehnten Tag jeden Monats hat Junsuke Senoguchi nur eins im Sinn: den Schlusskurs des Aktienindex Nikkei 225 Stock Average. Das liegt daran, dass Senoguchi, ein bescheidener Mann Ende Vierzig, eine Maschine gebaut hat, die die Richtung der japanischen Aktienkurse voraussagt. Einmal im Monat erhält er einen Bericht über ihren Erfolg. Sein Modell spuckt eine simple Ansage aus - ob der Aktienindex nach 30 Tagen höher oder niedriger sein wird - und im Laufe von fast vier Jahren war das Ergebnis in 68 Prozent der Fälle richtig.

„Ich bin sehr glücklich, wenn es funktioniert“, sagt Senoguchi, leitender Aktienstratege von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities in Tokio. „Weil ich mich dann so fühle, als könnte ich die Zukunft voraussagen.“

Algorithmen haben die globalen Aktienmärkte erobert. Jedermann nutzt hier Handelsprogramme - von Hochfrequenzhändlern, die ihre Wetten in Bruchteilen einer Sekunde abschließen, bis hin zu spezialisierten Vermögensverwaltern, deren Strategien von komplexen quantitativen Analysen abhängig sind.

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Der Fonds Medallion, den James Simons von Renaissance Technologies aufgelegt hatte, ein Vorreiter des quantitativen Investmentstils, kam von 1994 bis Mitte 2014 auf einen durchschnittlichen Jahresertrag von 71,8 Prozent vor Gebühren. Zudem gibt es den wachsenden Bereich der so genannten Robo-Berater, deren Anlageberatung basierend auf Zielen und Risikotoleranz der Kunden unterschiedliche Algorithmen nutzt.

Senoguchi hat seine Karriere in der Finanzbranche verbracht. Er arbeitete als Analyst für Lehman Brothers, bis die US-Bank zusammenbrach, und war für die japanische Notenbank Bank of Japan tätig, bevor er seine derzeitige Stelle antrat. Er promovierte auch in künstlicher Intelligenz.

„Weil ich eigentlich aus der Wissenschaft komme, hatte ich starkes Interesse daran zu sehen, ob ich mit Zahlen die Aktienkurse und den Gang der Wirtschaft vorhersagen kann“, erklärt er. „Künstliche Intelligenz führt zu viel besseren Ergebnissen als konventionelle Statistiken.“

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