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29.09.2012

13:36 Uhr

Aktienrally

Das große Finale

Der Aufschwung an der Börse steht auf wackeligem Fundament. Doch manche Profis raten zum Aktienkauf - selbst wenn die Kurse zwischendurch fallen sollten. Vor allem lange vernachlässigte Aktien bieten jetzt eine Chance.

Die Profis erwarten eine Jahresendrally und raten zum Aktienkauf. dapd

Die Profis erwarten eine Jahresendrally und raten zum Aktienkauf.

FrankfurtKaum einen Monat fürchten Anleger so sehr wie den September. Bestenfalls noch den Mai. Im September ging schon Lehman Brothers pleite, es gab die verheerenden Anschläge von New York und Washington und als Folge die größten Verluste überhaupt in einem Monat.

Doch jetzt hat der Krisenmonat seinen Schrecken von früher verloren. Der September 2012 präsentierte sich ausgesprochen guter Börsenmonat. "Die ersten möglichen Stolpersteine für die Aktienmärkte haben sich in positive Auslöser verwandelt", sagt Philipp Bärtschi, Chefstratege bei der Schweizer Bank Sarrasin mit erstaunlicher Gelassenheit. Der auch von seinem Haus erwartete "heiße Herbst" war bisher erstaunlich milde. Die weitere Geldflut der Notenbanken sowie die damit einhergehende neue Gelassenheit im Umgang mit der Euro-Krise sind die wesentlichen Elemente. Grund deshalb zu fragen, wie es mit den Börsen nach Auffassung der Experten bis zum Jahresende weitergeht.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Geht der Blick erneut zurück in die Historie, dann fällt schnell auf, dass das nun bald beginnende vierte Quartal den Anlegern oft sehr viel Gutes beschert hat. Das könnte auch diesmal so sein, wenn auch ein gerader Strich nach oben nicht zu erwarten ist. "Die Gefahr einer deutlichen Börsenkorrektur besteht", behauptet beispielsweise jetzt erst recht Guy Wagner von der Banque de Luxembourg. Einzig von den Staatsanleihen-Rückkaufen der Europäischen Zentralbank profitieren die Börsen seiner Ansicht nach im Moment.

Aktien für Langfrist-Anleger

AmBev

Guter Schutz gegen die Euro-Krise bietet die Brauerei aus Brasilien. Sie wächst vor allem in den Schwellenländern, ist aber weltweit präsent und nahezu schuldenfrei.
Börsenwert in Millionen Euro: 81674
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,7
Dividendenrendite: 0,9 Prozent.

Apple

Trotz der imposanten Rally ist die Aktie nicht teuer. Gewinn und Umsatz wachsen gar schneller als der Börsenwert.
Börsenwert in Millionen Euro: 428190
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,5

Dividendenrendite: 1,6 Prozent.

Baidu

Der Konzern verliert zwar Marktanteile, wächst aber insgesamt nach wie vor rasant im chinesischen Internet-Markt. Die Aktien sind günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 29197
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 16,8
Dividendenrendite: keine

British American Tobacco

Der Tabakkonzern aus Großbritannien kann trotz der immer strenger werdenden Gesetze jedes Jahr Umsatz, Gewinn und Dividende steigern. Besonders stark ist das Unternehmen in den asiatischen Schwellenländern.
Börsenwert in Millionen Euro: 75886
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 13,8
Dividendenrendite: 4,6 Prozent

CF Industries

Der hochprofitable und dividendenstarke US-Düngemittelkonzern profitiert vom steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit.
Börsenwert in Millionen Euro: 11021
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,8
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Deckers Outdoor

Ein Ende der jahrelangen Wachstumsstory ist noch immer nicht absehbar. Die Aktie ist günstig.
Börsenwert in Millionen Euro: 1300
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 8,5
Dividendenrendite: keine

Elekta

Der Medizintechniker ist besonders stark in der Krebs-Medizin, einem wachsenden Zweig.
Börsenwert in Millionen Euro: 3671
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 18,4

Dividendenrendite: 1,5 Prozent

Kia Motors

Die neuen Modelle des schnell wachsenden Automobilherstellers gewinnen derzeit alle Qualitätstests.
Börsenwert in Millionen Euro: 202557
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,9
Dividendenrendite: 0,8 Prozent

Novo Nordisk

Der dänische Pharma-Konzern ist bei Diabetes-Medikamenten mit einem Anteil von über 51 Prozent weltweit Marktführer.
Börsenwert in Millionen Euro: 67311
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 20,4
Dividendenrendite: 1,6 Prozent

Millicom Cellular

Das Mobilfunkunternehmen aus Luxemburg hat ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt, indem es preisgünstige Handy-Einsteiger-Tarife in Schwellenländern verkauft.
Börsenwert in Millionen Euro: 7195
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 12,6

Dividendenrendite: 2,9 Prozent

Salesforce.com

Das Software-Unternehmen profitiert mit seiner Miet-Software vom weltweiten Trend zum Cloud Computing. Das Geschäft gilt als krisensicher.
Börsenwert in Millionen Euro: 16508
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 76,4
Dividendenrendite: keine

Shire

Der britische Pharma-Konzern hat zahlreiche neue Medikamente auf den Markt gebracht. Seine Aktien sind nicht hoch bewertet.
Börsenwert in Millionen Euro: 13305
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14
Dividendenrendite: 0,5 Prozent

Vodafone

Das Unternehmen ist besonders stark in Afrika. Sein Umsatz nimmt leicht zu.
Börsenwert in Millionen Euro: 106910
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 10,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

Williams Partners LP

Der Öl-Konzern profitiert von der Steuergesetzgebung in den USA und kann ein sehr hohes Umsatzwachstum vorweisen.
Börsenwert in Millionen Euro: 14171
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 19,5
Dividendenrendite: 6,1 Prozent

40 Prozent der Vermögensverwalter, welche die DAB Bank monatlich im Rahmen des Profi-Börsentrends befragt, rechnen im Oktober mit sinkenden Aktienkursen. Ebenfalls 40 Prozent gehen von stagnierenden Märkten aus, während nur 20 Prozent steigende Aktienindizes erwarten.

Zur Minderheit der Optimisten zählt Michael Dutz von der Chemnitzer Adlatus Aktiengesellschaft: "Wir haben zurzeit ein Traumszenario für Aktieninvestitionen - ausgelöst durch die Rekordliquiditätsbereitstellung seitens der Zentralbanken und der historisch niedrigen Zinssätze auf der einen sowie sehr attraktiven Dividendenrenditen und einer billigen Bewertung von Aktien auf der anderen Seite. Kleine Impulse zur Weiterentwicklung der Weltwirtschaft und kleine Hoffnungsschimmer zur Verbesserung der Lage in der der Eurozone reichen derzeit aus, um für Kursgewinne zu sorgen. Deshalb prognostizieren wir, dass der Dax auf Jahresfrist die 10.000-Punkte-Marke überschreiten wird."

Ähnlich urteilt auch Peter Huber, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Starcapital in Oberursel. Er sieht zwar längst nicht alles rosig, erkennt aber gleichzeitig die mittlerweile sprichwörtliche Alternativlosigkeit zur Aktie. Dass sich viele Anleger entgegen allen Ratschlägen seit längerem für vermeintlich sichere Anlagen wie Immobilien und Gold, Schweizer Franken und US-Dollar entscheiden, aber auch in Bundesanleihen und US-Bonds flüchten, liegt seiner Ansicht nach an einem einzigen Grund: Angst um die Zukunft und damit um das Vermögen. "Aktien bleiben bei diesen Überlegungen aber außen vor, denn seit der Jahrtausendwende gelten sie als Hochrisiko-Papiere, an denen man sich nicht noch einmal die Finger verbrennen will", sagt Huber.

Kommentare (20)

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keeper

29.09.2012, 14:04 Uhr

"Der Aufschwung an der Börse steht auf wackeligem Fundament."

ja.
Das "Fundament" nennt sich "Nachfrage".
Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens.
Die Nachfrage nach Unternehmensaktien ohne entsprechender Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens nennt sich "Blase".

... und ohne steigende Nachfrage von der Basis bleibt eben nur die Blase.
(und dann passt im übrigen auch die Überschrift ...)

Account gelöscht!

29.09.2012, 14:13 Uhr

Wie sagte PIMCO-Chef M.A. Erian ? DIE wollen nur euer Geld ! Vorsicht !

Man soll immer wieder "einsteigen" und die Öffentlichen Stellen, Banken usw. trennen sich sofort von ihren Anteilen wenn leichte Erhohlung einsetzt.

Sägezahn nach unten.

Damit wandert das Geld von privat nach öffentlich. Aktion "Zitronen-Presse" über die Aktien-Märkte ist angelaufen.

Steigen Sie ein ... ! :O)

Kattskralle

29.09.2012, 15:54 Uhr

Man kann freilich den Sand in den Kopf stecken und Alles als Blase sehen was teuer wird. Benzinpreisblase an der Tanke... Nahrungsmittelblase im Supermarkt... Aktien, Gold und Immobilienblasen auf den Anlagemärkten.
Man kann freilich die auf breiter Front steigenden Preise ganz einfach auch als die ersten Anzeichen einer bereits anggelaufenen Inflation betrachten.
Für letzte Annahme spricht vor allem die Beobachtung daß alle sachwertnahen Assets haussieren. Daß z.B. Gold und Aktien gleichzeitig steigen - das kann es eigentlich nur geben wenn die "Geldblase" zu platzen droht.

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