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06.03.2016

08:10 Uhr

Alan Greenspan

Der Maestro, der die Welt regierte

VonFrank Wiebe

Alan Greenspan wird 90 Jahre alt. Das wirtschaftliche Erbe des legendären Ex-Chefs der US-Notenbank Fed ist umstritten – und hat bis heute Konsequenzen.

Der ehemalige Fed-Chef war immer ein Mann der Zahlen. Nach seinem Ausscheiden aus der US-Notenbank im Jahr 2006 gründete er seine eigene Beratungsfirma. Hier hält er im April 2014 eine Rede vor dem „Economic Club of New York“. AFP; Files; Francois Guillot

Alan Greenspan

Der ehemalige Fed-Chef war immer ein Mann der Zahlen. Nach seinem Ausscheiden aus der US-Notenbank im Jahr 2006 gründete er seine eigene Beratungsfirma. Hier hält er im April 2014 eine Rede vor dem „Economic Club of New York“.

New YorkAlan Greenspan sieht nicht nur so aus wie Woody Allen. Er spielt – ebenso wie der berühmte Filmregisseur – auch ein Instrument. Greenspan hat zeitweise an der Juilliard School Saxofon studiert und zusammen mit Stan Getz musiziert, der als einer der bedeutendsten Saxofonisten der Welt galt. Später wurde Greenspan eher mit einem Dirigenten als einem Instrumentalisten verglichen: „Maestro“ hieß er zu seinen besten Zeiten wegen des großen Einflusses als Chef der US-Notenbank Fed.

Greenspan und Allen kommen beide aus jüdischen Familien, die aus Osteuropa in die USA eingewandert sind. Beide sind in New York geboren, und beide haben einen gewissen Hang zur Komik und Selbstironie. Greenspan etwa hat nach eigenem Bekunden seine kreativsten Stunden in der Badewanne. Damit sind die Ähnlichkeiten beinahe erschöpft. Abgesehen von einem Punkt: Von beiden Persönlichkeiten geht eine starke Magie aus. Doch während Allen allenfalls durch beißenden Spott Schaden anrichten kann, hat Greenspan mit seiner Magie die amerikanische Geschichte, ja sogar die Weltgeschichte, mitbestimmt. Bis heute ist umstritten, wie viel schwarze Magie dabei war.

Die US-Notenbank Fed

Fed?

Das Federal Reserve System – kurz Federal Reserve oder einfach Fed – ist die Notenbank der USA.

Die Funktion

Die 1913 vom amerikanischen Kongress gegründete staatliche Organisation leitet die US-Geldpolitik, kontrolliert und reguliert die Banken des Landes und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe.

Die Ziele

Die übergeordneten Ziele der Fed sind eine möglichst hohe Beschäftigung, stabile Preise sowie günstige Zinsen. Die mächtige Organisation kontrolliert damit einige der wirtschaftlichen Stellschrauben der Vereinigten Staaten.

Die Präsidentin

Präsidentin ist Janet Yellen. Die 68-Jährige hatte ihren Posten offiziell Anfang Februar 2014 angetreten. Sie ist die erste Frau an der Fed-Spitze in der 100-jährigen Geschichte der Zentralbank.

Greenspan war wie Goethes Zauberlehrling: Er konnte die Entwicklungen, die er auslöste, nicht mehr kontrollieren. Der Mann, der am 6. März vor 90 Jahren geboren wurde, hat die Welt nach den Attacken vom 11. September 2001 vor dem wirtschaftlichen Kollaps gerettet, indem er sie mit Geld überschwemmte. Und er hat sie, wenn man seinen Kritikern glaubt, mit seiner leichtsinnigen Geldpolitik in den Jahren danach in den Abgrund der Finanzkrise gestürzt, die 2008 ihren Höhepunkt erreichte und bis heute wirtschaftliche und politische Folgen hat.

Anders als viele andere Verantwortliche räumte er auf dem Höhepunkt der Krise Fehler ein. „Diejenigen von uns, die auf das Eigeninteresse von Kreditgebern, ihre Aktionäre zu schützen, gesetzt haben, einschließlich meiner selbst, befinden sich in einem Zustand schockierten Unglaubens“, sagte er bei einer Anhörung vor dem Kongress. Gemessen an sonstigen Aussagen Greenspans war dieser gewundene Satz Klartext. Er, der ein Leben lang freie Märkte mit unregulierten Märkten verwechselt hatte, gestand seinen Irrtum ein.

Alan Greenspan: Die Fehler der anderen

Alan Greenspan

Die Fehler der anderen

Der „Magier“ ist zurück: Der legendäre Fed-Chef Alan Greenspan hat sein Buch zur Krise vorgelegt. Er beschreibt, warum die Prognosen versagten und woran die US-Wirtschaft krankt. Seine eigene Rolle aber blendet er aus.

Beim Blick zurück, auch von Greenspans Nachfolger Ben Bernanke, zeigt sich: Einigkeit herrscht darüber, dass die Fed die aufziehende Finanzkrise zu spät erkannt hat, und dass Mängel in der Aufsicht über die Banken eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben. Umstritten ist dagegen, welche Rolle der Geldpolitik dabei zukommt. Nicht nur Greenspan, auch Bernanke streitet ab, dass sie wesentlich zur Entstehung der Krise beitrug. Kritiker der Fed, und die gibt es in der amerikanischen Politik reichlich, sehen in Greenspan dagegen heute den Übeltäter, der mit seiner Magie wunderbare Blasen erzeugt hat, die dann geplatzt sind – vor allem am Immobilienmarkt.

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