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01.09.2015

13:13 Uhr

Allianz-Investmentchef Gruber

Wie ein Verwalter von 630 Milliarden Euro das Börsenbeben sieht

Als Chefinvestor beim Versicherungskonzern Allianz verantwortet Andreas Gruber ein riesiges Portfolio. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, wie er auf die aus Asien herübergeschwappten Kursturbulenzen reagiert.

Anzeigetafel an der Madrider Börse. dpa

Europäische Märkte

Anzeigetafel an der Madrider Börse.

Keine Krisensitzung, keine Krisenstimmung: Andreas Gruber, Chief Investment Officer der Allianz, lassen die Kapriolen an den Aktienmärkten kalt. Dabei hätte so manch anderer an seiner Stelle schlaflose Nächte. Gruber verwaltet rund 630 Milliarden Euro.

Seit vergangener Woche befinden sich die Märkte im Ausnahmezustand. Warum?

China war definitiv der Auslöser der heftigen Kursbewegung, auch wenn verschiedene Faktoren zusammenkamen. Dennoch sehe keine Parallele zu der globalen Finanzkrise vor einigen Jahren. Damals handelte es sich um eine Vertrauenskrise, eine Liquiditätskrise. Das ist heute anders. Vielmehr handelt es sich um eine gesunde Korrektur.
Wie meinen Sie das?
Nachdem die Kurse an den Aktienmärkten in den vergangenen drei Jahren stetig gestiegen sind, musste es zu einer Bereinigung kommen. Wir haben das erwartet. An den Börsen spielt der Herdentrieb eine wichtige Rolle. Durch ihn werden Kursbewegungen verzerrt, nach oben wie unten. Irgendwann verlieren die Märkte aber dadurch den fundamentalen Wert aus den Augen. Das war in China der Fall. In China haben sich die Kurse innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, bei einem Wirtschaftswachstum von sieben Prozent. Warum sollen sich die Kurse verdoppeln? Das ist zu viel. Nun hat sich das normalisiert, das ist gesund.

Für die Allianz verwaltet Andreas Gruber Milliarden. Die jüngsten Börsenturbulenzen sieht er gelassen. Presse

Andreas Gruber, Allianz Deutschland

Für die Allianz verwaltet Andreas Gruber Milliarden. Die jüngsten Börsenturbulenzen sieht er gelassen.

Also war der Kurseinbruch nichts, was Sie erschreckt?
Ein derartiger Kurssturz kommt etwa alle fünf bis zehn Jahre vor. Das erschreckt mich keineswegs.
Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter?
Wir werden in den kommenden Wochen weiter volatile Kurse sehen, wobei ich keinen weiteren Absturz erwarte. Der Fed-Termin im September könnte die Märkte noch einmal verunsichern, aber mit der aktuellen Bewegung wurde viel vorweggenommen. Dann dürften sich die Börsen wieder auf einem Niveau eingependelt haben, von dem es langfristig wieder aufwärts geht. Und das ist das Einzige, was für uns langfristig orientierte Investoren zählt: Der langfristige Trend.

Systemrelevante Versicherer laut FSB (2013)

1

Allianz

Sitz: München

Netto-Gewinn 2012: 5,2 Milliarden Euro

Umsatz: 106,4 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 1,85 Billionen Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA

Mitarbeiter: 144.000

Börsenwert: 53,8 Mrd Euro

Quelle: Reuters

2

AIG

Sitz: New York

Netto-Gewinn 2012: 2,6 Milliarden Euro

Umsatz: 50,13 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 287 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: A+

Mitarbeiter: 63.000

Börsenwert: 53 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

3

Aviva

Sitz: London

Netto-Verlust 2012: 3,55 Milliarden Euro (wegen hoher Abschreibungen auf Beteiligungsverkäufe, vor allem in USA)

Umsatz: 39,68 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 319,19 Milliarden Euro (inklusive mittlerweile verkaufter Bereiche) S&P-Finanzstärke-Rating: A+

Mitarbeiter: 31.000

Börsenwert: 12,73 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

4

AXA

Sitz: Paris

Netto-Gewinn 2012: 4,15 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 1,1 Billionen Euro

Umsatz: 90,13 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: A+

Mitarbeiter: 160.000

Börsenwert: 39,56 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

5

GENERALI

Sitz: Triest

Netto-Gewinn 2012: 90 Millionen Euro

Umsatz: 69,6 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 490 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: A

Mitarbeiter: 80.000

Börsenwert: 22,5 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

6

METLIFE

Sitz: New York

Netto-Gewinn 2012: 0,9 Milliarden Euro

Umsatz: 52,04 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: 364 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA-

Mitarbeiter: 64.000

Börsenwert: 40,8 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

6

PING AN INSURANCE

Sitz: Shenzhen

Netto-Gewinn 2012: 2,49 Milliarden Euro

Umsatz: 37,18 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen liegt nicht vor

S&P-Finanzstärke-Rating: nicht vorhanden

Mitarbeiter: 190.000

Börsenwert: 35,3 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

6

PRUDENTIAL

Sitz: London

Netto-Gewinn 2012: 2,56 Milliarden Euro

Umsatz: 34,78 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen 265,12 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA

Mitarbeiter: 26.000

Börsenwert: 34,22 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

9

PRUDENTIAL FINANCIAL

Sitz: New York

Netto-Gewinn 2012: 358 Millionen Euro

Umsatz: 864,7 Milliarden Euro

Verwaltetes Vermögen: über 760 Milliarden Euro

S&P-Finanzstärke-Rating: AA-

Mitarbeiter: 48.000

Börsenwert: 27,9 Milliarden Euro

Quelle: Reuters

Also haben Sie keine Konsequenzen aus den Entwicklungen an den Börsen gezogen?
Wir haben unsere Kapitalanlagen breit diversifiziert und langfristig angelegt. Deswegen müssen wir nun auch keine Konsequenzen aus dem ziehen, was derzeit an den Börsen passiert. Wir sind nicht gezwungen gewesen, hier Notverkäufe vorzunehmen – eher schauen wir nun nach Einstiegsmöglichkeiten. Uns sind derart kurze Schwankungen, so heftig sie auch sein mögen, relativ gleichgültig. Auch für unsere Kunden ergeben sich hieraus keine Auswirkungen. Da darf man sich nicht verrückt machen lassen. Einen solch langfristigen Horizont sollten im Übrigen auch Privatanleger haben.

Von

ll

Kommentare (5)

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Herr klaus fischer

01.09.2015, 11:23 Uhr

Sehr gut! kein Geschwafel und sehr verantwortungsbewußt.
Danke!

Herr Lothar Bitschnau

01.09.2015, 14:12 Uhr

... sicher warteten viele auf einen Dax unter 10.000 Punkte,
um einzusteigen, aber jetzt fehlt oft der Mut.
Guter Artikel .. Danke.

Herr Sebastian Sportmann

01.09.2015, 14:54 Uhr

10000 sind noch iel zu hoch. Bisher war eine stabie immer weiter nach oben laufende Weltwirtschaft die Begündung für den Börsenboom. Schon da wurde gesagt 12000 seien deutlich zu hoch. Dann wird das korrigiert, dafür trübt sich die Weltwirtschaft richtig ein und 10000 sollen ein Boden für steigende Kurse sein? Klingt so als ob man sich alles so hindreht, wie man hofft, dass es sich entwickelt. Eine wirkliche Analyse sieht anders aus.

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