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27.03.2012

14:20 Uhr

Allianz

Lieber Windräder als Staatsanleihen

VonThomas Schmitt, Michael Detering

Die Versicherer stecken Kundengelder immer häufiger in alternative Energien. Hier wollen sie die Renditen erzielen, die mit Anleihen nicht mehr drin sind. Die Allianz versorgt daher bereits eine Großstadt mit Strom.

Der Windpark Küstrow (Kreis Nordvorpommern) bei Barth dpa

Der Windpark Küstrow (Kreis Nordvorpommern) bei Barth

DüsseldorfWegen der niedrigen Zinsen suchen die Versicherer verzweifelt nach rentablen Geldanlagen. Immer häufiger stecken sie die Prämien ihrer Kunden daher nun neue Energieformen, wie Wind und Sonne. Gerade erst hat Europas größter Versicherer, die Allianz, drei weitere Windparks in Deutschland und Frankreich gekauft. Für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag erwarb das Unternehmen eine Windkraftanlage in der Lüneburger Heide und zwei Anlagen im zentralfranzösischen Département Cher. 

„Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Wind- und Solarenergie auch künftig kontinuierlich steigen wird und werden unsere Investitionen in diesem Wachstumsmarkt weiter ausbauen“, sagte der Geschäftsführer der Allianz Specialised Investments, David Jones, in München. Europas größter Versicherungskonzern hat damit bereits mehr als 1,3 Milliarden Euro in Windkraft- und Solaranlagen investiert. Die Anlagestrategen erhoffen sich von solchen Investitionen eine Rendite von sieben bis acht Prozent.

Nachhaltig investieren: Ein Überblick

Grundidee

Immer mehr Menschen wollen, dass mit ihrem investierten Geld etwas Sinnvolles passiert. Sie wollen, dass umweltfreundlich produziert wird, dass Produkte unter gerechten Arbeitsbedingungen hergestellt werden und dass sich nicht Einzelne auf Kosten der Masse überdurchschnittlich bereichern.

ESG

„ESG“ lautet die Abkürzung für „Environmental Social Governance“. Zu deutsch: umweltfreundlich, sozial und im Sinne einer guten Unternehmensführung. Folgende Themenfelder hat das Centre for Financial Markets Integrity (CFA) definiert, in denen das eingesetzte Geld Positives bewirken soll.

Umwelt

Emissionen von Kohlendioxid und Treibhausgasen sollen vermieden werden, um den Klimawandel und die Veränderung des Ökosystems nicht zu beschleunigen. Zudem soll der Umweltverschmutzung sowie dem Müllnotstand in den aufstrebenden Staaten entgegengewirkt werden. Weder sollten übermäßig viele Chemikalien eingesetzt noch Ressourcen verschwendet werden. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Einsatz erneuerbarer Energien.

Ethik 1

Dieser Ansatz, der viele soziale Gesichtspunkte berücksichtigt, wendet sich gegen Tierquälerei und Kinderarbeit, Diskriminierung, sexuelle Bedrohung und Ungleichheit am Arbeitsplatz – beispielsweise bei der Bezahlung. Zudem werden gentechnisch veränderte Lebensmittel abgelehnt.

Ethik 2

Ein weiteres Thema ist die Ausbeutung von Arbeitern speziell in Entwicklungsländern, die unter widrigsten Bedingungen (etwa Wochenarbeitszeiten von mehr als 60 Stunden) Waren für den reichen Westen produzieren müssen. Besonders die Bekleidungsindustrie stand hier in den vergangenen Jahren im Blickpunkt. Manches hat sich durch den Druck der Medien verändert, vieles liegt weiterhin im Argen.

Governance

Um den Grundsätzen der guten Unternehmensführung zu genügen, sollten in Unternehmen für alle Aktionäre die gleichen Stimmrechte gelten. Die weit verbreitete Zweiklassenstruktur, die unliebsame Meinungen unterbinden soll, ist verpönt. Auf harsche Kritik stößt auch, wenn Vorstände ohne Kontrolle die Höhe ihres Einkommens selbst festlegen. In diesem Zusammenhang nahm der Druck auf diejenigen Unternehmen zu, die ihren Vorständen trotz hoher Verluste Gehälter und Boni überdurchschnittlich stark erhöhten.

Online

Online: Mehr zum Thema nachhaltig investieren erfahren Sie unter www.handelsblatt.com/nachhaltigkeit.

Erst Anfang 2011 haben die Allianz-Investitionen in Wind- und Solarenergie die Marke von einer Milliarde Euro übertroffen. Die Allianz verfügt nun allein über 34 Windparks und außerdem sieben Solarparks. Gemeinsam produzieren diese Anlagen Energie für mehr als 350.000 europäische Haushalte. 

Die Versicherer gehören zu den größten institutionellen Investoren in Deutschland. Sie verwalten 1,3 Billionen Euro an Kundengeldern, die sie an den Märkten anlegen. Die Anlageprofis haben keine leichte Aufgabe: Die Rendite muss gut sein, damit etwa den Lebensversicherungskunden attraktive Zinsen gezahlt werden können, zugleich muss aber das Risiko möglichst gering sein. Um das zu erreichen, setzt die Branche vor allem auf Diversifizierung. Von Pfandbriefen über Aktien bis hin zu Immobilien ist alles im Portfolio vorhanden. Bisher läuft das Geschäft noch ordentlich, 2011 haben die Lebensversicherer wohl eine Nettoverzinsung von über vier Prozent erzielt. 

Windstrom ins Auto

Video: Windstrom ins Auto

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Kommentare (4)

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Jaguar

27.03.2012, 14:14 Uhr

Da sage noch jemand, regenerative Energien hätten nur eine Chance, wenn sie staatlich gefördert werden.

EDBxx

27.03.2012, 14:52 Uhr

Ökoreligiösen kann man auch wirklich alles erzählen ... Ihr Glaube an ihren Ökogott läßt sie Fakten und Wissen ignorieren, die nicht zu ihrem einfachen Weltbild passen.

Account gelöscht!

27.03.2012, 15:35 Uhr

Mit Windkraft verdient nur leider keiner Geld. Wer mit Vollkosten rechnet merkt, dass hier nur Verluste zu machen sind.
8% Pro Jahr bekommt man...ja nur erhält man nachher nichts mehr zurück und muss zwischenzeitlich wieder Geld reinstecken.
Schön dumm!

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