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06.07.2014

18:09 Uhr

Alternative Anlage

Geigen sind lukrativer als Staatsanleihen

VonJulia Rotenberger

Streichinstrumente erfreuen nicht nur die Ohren, sondern auch das Bankkonto von Anlegern. Eine Studie zeigt: Die Rendite übersteigt die von US-Staatsanleihen. Doch muss sich eine gute Geige erst einmal finden.

Geldanlage Geige: Ganz ohne Risiken geht es nicht.

Geldanlage Geige: Ganz ohne Risiken geht es nicht.

DüsseldorfFür Sammler ist sie der Heilige Gral der Streichinstrumente: die Macdonald-Stradivari. Aus Ahorn und Alpenfichte gefertigt, gilt die 1719 gebaute Bratsche als Meisterwerk aus der „Goldenen Periode“ des berühmten Geigenbauers. Ende Juni sollte sie bei den Auktionshäuser Sotheby’s und Ingles & Hayday im Rahmen einer Sealed Bid-Auktion, bei der die Käufer ihre Gebote ohne das Wissen der Konkurrenz abgeben, versteigert werden. Der Einstiegspreis war rekordverdächtig: 45 Millionen Dollar.

Dabei ist sie nur eine von vielen Streichinstrumenten, die in den vergangenen Jahren für Aufstehen sorgten. Seit den 1960er Jahren sind die Preise für historische Geigen, Bratschen und Celli kontinuierlich gestiegen. Das bis heute teuerste Instrument ist die Stradivari-Bratsche „Lady Blunt“, die 2011 für knapp 16 Millionen Dollar an einen unbekannten Käufer ging.

Besonders beliebt sind die antiken Geigen bei Musikliebhabern aus Asien und Osteuropa. So ging 2009 eine Guarneri-Geige für zehn Millionen Dollar an einen russischen Milliardär. Seit den 1960ern Jahren klettern die Preise für alte Geigen und Bratschen von italienischen Meistern wie Antonio Stradivari oder Giuseppe Guarneri nach oben.

Verkäufe wie die von „Lady Blunt“  sind Ausnahmen. Doch auch weniger Aufsehen erregende Streichinstrumente dienen ihren Besitzern heute nicht nur dazu, schöne Töne zu erzeugen, sondern auch als Geldanlage. Die US-Forscher Kathryn Grady und Philip Margolis haben die Käufe und Verkäufe von 320 alten, italienischen Streichinstrumenten in der langen Frist analysiert und in einem Index zusammengefasst. Das Ergebnis: Zwischen 1875 und 2012 erzielten die Geigen eine jährliche Durchschnittsrendite von 3,3 Prozent und übertrafen Investments in Kunstobjekte (+2,3 Prozent), aber auch in zehnjährige US-Staatsanleihen (+2,4 Prozent).

Die Halbjahresbilanz der wichtigsten Werte

Dax

+ 2,9 Prozent

MDax

+ 1,5 Prozent

TecDax

+ 12,2 Prozent

Eurostoxx 50

+ 3,8 Prozent

Dow Jones

+ 1,5 Prozent

S&P-500

+ 6,1 Prozent

Nasdaq

+ 5,5 Prozent

Nikkei

- 6,9 Prozent

Euro

- 0,5 Prozent

Gold

+ 10,2 Prozent

Rohöl

+ 0,5 Prozent

Kurz nach der Finanzkrise zwischen 2009 und 2012 gelang es den Streichern gar, mit einer jährlichen Rendite von 0,8 Prozent den damals angeschlagenen S&P 500 (-0,2 Prozent) zu übertrumpfen. Dabei sind die Schätzungen der US-Forscher ziemlich moderat. Wer in Deutschland die ungefähre Wertsteigerung einer alten Geige wissen möchte, zieht die „Albert Fuchs-Taxe“ zur Hilfe. Das Heft erscheint alle sechs Jahre in Leipzig, darin gelistet sind die Verkäufe aller namhaften Geigenbauer. Den Daten der Publikation zufolge haben historische Violinen im  Zeitraum zwischen 2000 und 2008 eine jährliche Durchschnittsrendite von 9,3 Prozent erzielt.

 „Streichinstrumente sind attraktiver als andere Musikinstrumente, weil sie mit der Zeit ‚reifen‘“, sagt Christian Reister, Geschäftsführer der Firma Violin Assets. Das Unternehmen mit Sitz in Bedburg bei Köln hat sich auf  Kunden spezialisiert, die sich für Musikinstrumente als Geldanlage interessieren – als bislang einziges Unternehmen in Deutschland. Es vermittelt Käufern die zu ihrem Budget passenden Instrumente.

Kommentare (1)

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Herr Guido Scholz

07.07.2014, 09:29 Uhr

...und wenn die Rechnung dann doch nicht aufgehen sollte, kann man mit Fug und Recht behaupten, daß man die Geldanlage sozusagen "vergeigt" hat... ;-)

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