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22.05.2017

17:15 Uhr

Alternative Strategien

Allianz entwickelt neue Anlageklasse für Infrastruktur

VonPeter Köhler

Angesichts der Zinsflaute stehen Alternativen abseits der klassischen Anlagen hoch im Kurs. Der Vermögensverwalter des Versicherungskonzerns Allianz bietet Profis jetzt einen neuen Baustein für das Depot an.

Rendite aus Finanzierungen für spezielle Dienstleister auf dem Vorfeld. dpa

Flughafen Frankfurt

Rendite aus Finanzierungen für spezielle Dienstleister auf dem Vorfeld.

FrankfurtBeim Thema Infrastruktur-Finanzierungen denkt man zuerst an Häfen, Ministerien oder Staudämme. Doch viele Investoren wollen sich nicht über 30 Jahre oder länger binden. Für sie hat der Vermögensverwalter Allianz Global Investors (AGI) jetzt ein neues Angebot entwickelt, eine Art „Infrastruktur light“.

„Die neue Anlagestrategie zielt auf eine durchschnittliche Laufzeit von sieben Jahren. Es handelt sich um Fremdkapital, dass für den Kauf oder die Refinanzierung von speziellen Dienstleistern im Infrastruktursektor zum Einsatz kommt“, erläutert Claus Fintzen, Chefanlagestratege für den Bereich „Infrastructure Debt“ bei der AGI, gegenüber dem Handelsblatt.

Das können beispielsweise Heizkostenableser, Tanklagerbetreiber, Funkmasten oder Instandhaltungsfirmen für Pipelines sein. Ein gutes Beispiel sei TCR, ein europäisches Unternehmen, das Bodendienste an Flughäfen über Leasing-Verträge anbietet. Entscheidend bei der Auswahl der Finanzierungen seien stetige und sichere Cash-flows, in Deutschland trifft das laut Fintzen auf die Heizkostenableser Ista und Techem zu.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Die institutionellen Investoren haben in den vergangenen Jahren enorme Summen in private Kreditfonds gesteckt, die Finanzierungen für Fusionen und Übernahmen bereitstellen oder die Darlehen an Firmen vergeben, bei denen sich die Banken zurückhalten. Laut dem Informationsdienst Preqin waren Ende März 2017 weltweit 196 Milliarden Dollar durch die Kreditfonds eingesammelt worden, die noch nicht investiert sind.

„Größere Privatinvestoren und Family Offices fahren die Nachfrage hoch und investieren heute teilweise schon ungefähr fünf Prozent ihres Vermögens in solche Fonds“, sagt Andreas Möller, Managing Director beim Vermögensverwalter Rothschild. Der Ansatz der Allianz-Tochter AGI zielt jetzt mit dem Fokus auf Infrastruktur-Finanzierungen auf ein Segment, das noch nicht so überlaufen ist. Gleichzeitig wird eine auskömmliche Rendite in Aussicht gestellt, was man bei Staatsanleihen und anderen festverzinslichen Papieren kaum noch erwarten kann.

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„Die Renditeerwartung bei der neuen Anlageklasse liegt bei drei bis vier Prozent. Wir richten für die Kunden maßgeschneiderte Fonds ein, das Mindestanlagevolumen beträgt 150 bis 200 Millionen Euro“, erläutert AGI-Experte Fintzen. Die Mittel würden über einen Zeitraum von etwa drei Jahren investiert.

Bei der AGI rechnet man mit vier bis fünf Transaktionen jährlich, bei denen rund 500 bis 700 Millionen Euro investiert werden sollen. Dabei sind sich nahezu alle Experten einig, dass es wegen der Geldschwemme im Markt immer schwieriger wird, lukrative Investments zu finden.

Wegen des enormen Kapitalangebots im Markt für Infrastrukturfinanzierungen müsse man aufpassen, dass die Konditionen noch stimmen. „Beispielsweise haben wir noch keine deutsche Straße finanziert, weil das unter Risiko-Rendite-Gesichtspunkten nicht attraktiv ist“, sagt Fintzen.

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