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07.01.2005

07:12 Uhr

Aluminium- und Kupferpreise brechen ein

An den Metallmärkten nehmen die Spekulanten Gewinne mit

VonDieter Claassen (Handelsblatt)

Plötzlich hielten es die Großanleger an den Metallbörsen in London und New York nicht mehr aus. Mitte der Woche stießen sie einen großen Teil ihrer Haussepositionen ab und lösten dadurch eine der schärfsten Preiskorrekturen an den Metallmärkten seit Ende der achtziger Jahre aus.

HB LONDON. Die Aluminiumnotierung erlitt mit einem Rückgang von knapp 8 Prozent gar den größten Tagesverlust seit 17 Jahren. Die übrigen Metalle mussten ebenfalls Federn lassen. Wieder einmal, wie bereits im vergangenen Herbst, waren es Befürchtungen über eine deutliche Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China, die zu panikartigen Verkäufen führten. Das Riesenreich verschlingt inzwischen etwa ein Viertel des weltweiten Angebots an Metallen. Auch die Signale aus den USA über weitere Zinserhöhungen machten die Anleger nervös.

Ingrid Sternby von Barclays Capital in London zeigt sich über den Einbruch zum Jahresauftakt gelassen. Die Preise für Industriemetalle werden aus ihrer Sicht zumindest noch bis Jahresmitte weiter steigen. Der jetzige Rückschlag biete daher eine Kaufgelegenheit. Dagegen steht Nick Moore, Analyst bei ABN Amro, mit seiner Meinung momentan ziemlich allein da, wonach „wir bereits den Höhepunkt des jetzigen Rohstoffbooms gesehen haben“.

Die Metallspekulanten, die zum richtigen Zeitpunkt eingestiegen waren und jetzt Kasse gemacht haben, dürften auf Jahresbasis Gewinne von im Schnitt über 35 Prozent realisiert haben; der Preis für Kupfer, des meistgehandelten Industriemetalls, legte binnen Jahresfrist sogar um etwa 55 Prozent zu, Nickel um gut zwei Drittel.

„Selbst wenn sich das Wirtschaftswachstum Chinas 2005 geringfügig abschwächen sollte, wird die Nachfrage Chinas vorläufig kaum nachlassen“, gibt sich auch Craig Campbell von Morgan Stanley in London über die weitere Tendenz optimistisch. Michael Lewis von der Deutschen Bank in London, verweist darauf, dass neben dem China-Faktor auch die nur schleppende Ausweitung des Angebots an Metallen zu dem phänomenalen Preisanstieg der letzten beiden Jahre beigetragen hat. Die Versorgungslage werde daher noch bis auf weiteres von Produktionsdefiziten gekennzeichnet sein.

Zucker ist für Spekulanten der beste Tip

Die Vorräte bei den meisten Metallen hätten sich im Jahresverlauf 2004 mehr als halbiert und werden im laufenden Jahr zunächst weiter schrumpfen. 2006 werden die weltweiten Bergbau- und Verhüttungskapazitäten die Nachfrage aber wieder eingeholt haben, warnt Kona Haque von der Londoner Economist Unit, EIU, die Spekulanten vor einem allzu langfristigen Hausseengagement in dem Sektor. Schließlich werde sich dahin auch das Wachstum der Weltwirtschaft abgeschwächt haben, ist die Expertin überzeugt.

Die Preise für die meisten Metall würden sich im Jahresdurchschnitt um bis zu 10 Prozent zurückbilden. Lediglich Zink und in geringerem Maße auch Aluminium – die Nachzügler in der jetzigen Hausse – würden sich auch 2006 gut behaupten. Sternby von Barclays empfiehlt beide als viel versprechendste Anlage des Sektors: wieder einmal dank des Chinafaktors. Gerade bei Zink verändert sich die Rolle Chinas am Weltmarkt ebenfalls grundlegend. Der binnen Jahresfrist um knapp ein Drittel gestiegene heimische Bedarf an dem Metall wird das Land künftig nicht mehr als bedeutender Nettoexporteur, sondern als Importeur am Weltmarkt auftreten.

Im gerade begonnen Jahr wird sich China laut Londoner Analysten zunehmend auch bei den Agrarprodukten als Preisstütze oder gar preistreibender Faktor bemerkbar machen. 2004 steigerte das Riesenreich seine Baumwollimporte um 177 Prozent, die Zuckereinfuhren stiegen um 70 Prozent und die Importe von Kakaoabohnen um etwa ein Drittel. Das US-Agrarministerium sagt auch einen beträchtlich steigenden Maisbedarf Chinas voraus. Für Spekulanten ist laut Ingrid Sternby von Barclays Zucker der beste Tip. Die schlechte Ernte Indiens, des größten Zuckerverbrauchers der Welt und zweitgrößten Produzenten scheint steigende Preise so gut wie zu garantieren.

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