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11.01.2015

14:02 Uhr

André Kostolanys Börsenweisheit

„Die Börse benimmt sich wie oft ein Alkoholiker“

VonJessica Schwarzer

André Kostolany war und ist für seine markigen Sprüche bekannt. Aber die Börse als Suchtkranken zu bezeichnen, geht das nicht zu weit? Nein, Experten können dem Bild von der alkoholisierten Börse einiges abgewinnen.

Heute himmelhoch jauchzend, morgen zu Tode betrübt – so wechselhaft ist häufig auch die Stimmung von Aktienanlegern.  Diese Woche begann mit großen Sorgen – der Dax verliert am Montag satte drei Prozent. Die Krise ist wieder da. Fliegen die Griechen aus dem Euro? Was passiert danach? Dann folgte die zwischenzeitliche Erholung – am Dienstag legte der Dax anderthalb Prozent zu, gibt die Gewinne aber bis zum Handelsschluss wieder ab. Am Mittwoch sind die Vorzeichen wieder grün, am Donnerstag lässt die bloße Hoffnungen auf mehr billiges Geld von den Notenbanken den Dax um satte 3,4 Prozent ins Plus schießen – dabei hat sich doch eigentlich nichts verändert: Griechenland steht immer noch am Abgrund, Euro und Ölpreis notieren noch immer auf Tiefständen und die Angst vor einer erneuten Verschärfung der Euro-Krise geht um.

Warum also steigen die Aktienkurse? Auch wenn es nur eine kleine Gegenbewegung ist, wirklich logisch scheint sich der Markt nicht zu verhalten – wie so oft. Börsenexperte André Kostolany sagte einst: „Die Börse benimmt sich oft wie ein Alkoholiker: Auf gute Nachrichten weint sie, auf schlechte lacht sie.“ Dieser kernige Spruch des Altmeisters stößt auch heute noch auf Zustimmung: „Die Börse ist oftmals geprägt von kurzfristiger Irrationalität“, sagt Frank Lingohr, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung Lingohr & Partner.

Verhalten und Präferenzen deutscher Aktionäre

Entwicklung der Zahl der direkten Aktionäre in Deutschland

2013: 4.855 Millionen

2012: 4.534 Millionen

2011: 3.891 Millionen

Quelle: Deutsche Post DHL/Deutsches Aktieninstitut

Anlageziele der Aktionäre

Welche Bedeutung haben Anlageziele bei Aktionären?

Für 81 Prozent hat der langfristige Vermögensaufbau eine hohe Bedeutung.

67 Prozent stellen den Schutz vor Inflation in den Vordergrund.

Bei der Frage, welche Bedeutung das regelmäßige Einkommen aus Dividenden und Verkauf haben, gaben 44 Prozent an, dass es für sie sehr wichtig sei.

Lediglich 12 Prozent setzen ihre Priorität auf kurzfristige Gewinne.

Anteil des in Aktien investierten Vermögens

Wie viel Prozent des Vermögens legen Investoren in Aktien an (Durchschnittswert)?

2013: 26,8 Prozent

2008: 25,2 Prozent

2004: 23,9 Prozent

Bedeutung von Dividende und Aktienrückkauf

Wie beurteilen Anleger die Ausschüttungen durch Aktienrückkäufe im Verhältnis zu Dividendenzahlungen?

Gleich: 37 Prozent

Eher schlechter: 34 Prozent

Eher besser: 20 Prozent

Viel schlechter: sechs Prozent

Viel besser: drei Prozent

Bedeutung von Dividende und Kurssteigerungen

Würde die Rendite sich aus Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen zusammensetzen, dann würden...

... 43 Prozent eine mittlere Dividende und mittlere Kurssteigerung bevorzugen;

... 33 Prozent eine hohe Dividende und eine geringe Kurssteigerung wählen;

... 13 Prozent eine geringe Dividende und eine hohe Kurssteigerung sich aussuchen.

Orientierung an fundamentalen bzw. technischen Daten

Woran orientieren sich Anleger beim Ankauf oder Verkauf von Aktien?

Sowohl an der wirtschaftlichen Entwicklung als auch an der Kursentwicklung: 60 Prozent

Eher an der Kursentwicklung: 16 Prozent

Eher an der wirtschaftlichen Tätigkeit: 14 Prozent

Ich treffe meine Entscheidungen nicht selbst, vertraue jemand anderem. Acht Prozent

Vertrauenswürdigkeit von Informationsquellen für Privatanleger

Anteil der Anleger, die auf Zeitungen, Zeitschriften und Wirtschaftssendungen vertrauen.

2013: 69 Prozent

2008: 65 Prozent

2004: 65 Prozent

Anteil der Anleger, die Beratern der Bank, Sparkasse oder Broker Vertrauen schenken.

2013: 39 Prozent

2008: 49 Prozent

200446 Prozent

Vermeintlich schlechte Nachrichten sorgen manchmal für steigende Kurse. Umgekehrt passiert es, dass Aktien und Indizes trotz eigentlich sehr positiver Nachrichten fallen. „Die Reaktion des Marktes auf Nachrichten vorherzusagen, gleicht einem Glücksspiel und hat nichts mit klugem nachhaltigen Investieren zu tun“, so Lingohr. Gleichzeitig werden Nachrichten tendenziell sehr schnell vom Markt in den Kursen verarbeitet. „Es macht daher überhaupt keinen Sinn zu versuchen, schneller zu reagieren als der Markt“, ergänzt er. „Wer das versucht, der schießt im Zweifel ein Eigentor.“

Gottfried Heller, langjähriger Geschäftspartner und Freund von Kostolany, fühlt sich bei dem Spruch von der alkoholisierten Börse an ein Phänomen erinnert, das der legendäre Ben Graham, Lehrmeister von Warren Buffett und Autor des berühmten Buchs „Der intelligente Investor“, einst beschrieb. Graham stellte die Börse als menschliches Wesen dar, genauer gesagt als einen Psychopathen. Sein Name: Mr. Market.

Grahams Mr. Market ist Teilhaber in einer Firma und erscheint Tag für Tag bei seinem Geschäftspartner und nennt ihm einen Preis, zu dem er entweder seinen Anteil verkaufen oder den seines Partners übernehmen will.  Obwohl die Firma wirtschaftlich stabil ist, sind die Preise von Mr. Market alles andere als das. Manchmal ist er euphorisch und sieht nur die positiven Seiten des Geschäfts. In dieser Stimmung nennt er natürlich geradezu phantastische Kaufpreise. Schließlich treibt ihn die Angst, es könne ihm jemand den Geschäftsanteil wegschnappen und ihn seiner kurzfristigen Gewinne berauben wollen.

Kommentare (2)

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Herr wulff baer

12.01.2015, 09:26 Uhr

Die Börsianer ebenso.

Herr Tom Bauer

12.01.2015, 09:44 Uhr

Eine schöne Zusammenstellung der Thematik.

Die Frage ist wie man Mr. Market heilen kann?
Letztlich nur in dem man ihm die Handlungsoptionen nimmt:
Börse nur noch einmal die Woche öffnen?
In der aktuellen Trading-Szene und Minutenhandel (leider) unmöglich!
Andererseits eröffnen sich durch Preissprünge Chancen billig Aktien einzusammeln.

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