Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.05.2013

11:30 Uhr

Andrew Bosomworth im Interview

„Europa droht die Zombifizierung“

VonJörg Hackhausen

ExklusivDie Krise in Europa wird noch Jahre andauern. Zu diesem Schluss kommt Pimco, der größte Anleiheinvestor der Welt. Im Interview erklärt Pimco-Manager Andrew Bosomworth, wo er Gefahren sieht und was Anleger tun sollten.

Andrew Bosomworth von Pimco warnt vor Blasen an den Anleihemärkten.

Andrew Bosomworth von Pimco warnt vor Blasen an den Anleihemärkten.

Herr Bosomworth, die Börsen stellen fast täglich neue Rekorde auf. Woran liegt das?

Das liegt an der Geldschwemme durch die Notenbanken. Durch die niedrigen Zinsen sind Investitionen getätigt worden, die sonst nicht ratsam gewesen wären.

Haben sich die Märkte von der Realwirtschaft abgelöst?

Die Vermögenspreise sind stärker gestiegen als es die Fundamentaldaten rechtfertigen. Die Preise von Aktien und Anleihen sind seit 2008 um etwa acht Prozent jährlich gestiegen - zwei Mal so stark wie das weltweite nominale Bruttoinlandsprodukt.

Mit anderen Worten: Wir haben es mit einer Blase zu tun.

In einigen Bereichen sieht es danach aus. Wir sehen Anzeichen für eine steigende Temperatur auf dem Anleihemarkt. Viele Unternehmensanleihen mit guter Bonität sind zu teuer, ähnliches gilt für viele Unternehmens- und Staatsanleihen aus Schwellenländern. Auch wenn wir nicht mit einem unmittelbar bevorstehenden Einbruch rechnen.

Und bei Aktien?

An den Aktienmärkten ist die Gefahr nicht ganz so groß. Aber auch hier dürfte es eine Korrektur geben.

Wo das Geld der Deutschen liegt

Geldvermögen gesamt

2010: 4.645,4 Milliarden Euro

2011: 4.710,2 Milliarden Euro

2012: 4.939,0 Milliarden Euro

Quelle: Deutsche Bundesbank, 03.05.2013

Bargeld und Sichteinlagen

2010: 914,1 Milliarden Euro

2011: 953,3 Milliarden Euro

2012: 1.056,9 Milliarden Euro

Termingelder

2010: 262,6 Milliarden Euro

2011: 280,5 Milliarden Euro

2012: 274,4 Milliarden Euro

Spareinlagen

2010: 609,1 Milliarden Euro

2011: 608,2 Milliarden Euro

2012: 608,0 Milliarden Euro

Sparbriefe

2010: 75,0 Milliarden Euro

2011: 85,4 Milliarden Euro

2012: 75,5 Milliarden Euro

Festverzinsliche Wertpapiere

2010: 254,1 Milliarden Euro

2011: 247,1 Milliarden Euro

2012: 238,2 Milliarden Euro

Aktien

2010: 243,5 Milliarden Euro

2011: 221,5 Milliarden Euro

2012: 259,1 Milliarden Euro

Sonstige Beteiligungen

2010: 179,1 Milliarden Euro

2011: 185,2 Milliarden Euro

2012: 193,4 Milliarden Euro

Investmentzertifikate

2010: 435,4 Milliarden Euro

2011: 394,9 Milliarden Euro

2012: 420,1 Milliarden Euro

Ansprüche gegenüber Versicherungen

2010: 1.358,1 Milliarden Euro

2011: 1.400,2 Milliarden Euro

2012: 1.468,9 Milliarden Euro

Ansprüche aus Pensionsrückstellungen

2010: 284,3 Milliarden Euro

2011: 295,4 Milliarden Euro

2012: 306,6 Milliarden Euro

Sonstige Forderungen

2010: 39,0 Milliarden Euro

2011: 38,4 Milliarden Euro

2012: 37,9 Milliarden Euro

Was passiert, wenn die Geldflut der Notenbanken eines Tages abebbt?

Einen Vorgeschmack darauf haben wir in der vergangenen Woche in Japan bekommen, als der Nikkei um sieben Prozent einbrach. Das gibt uns zu denken.

Am Tag vorher hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke angedeutet, dass die Notenbank künftig weniger Geld drucken wird.

Richtig. Aber auch schon vorher gab es entsprechende Spekulationen. Damit hängt auch der Einbruch beim Goldpreis in diesem Jahr zusammen.

Wann rechnen Sie mit einem Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes?

Da wage ich keine Prognose. Unser Ausblick gilt für die nächsten drei bis fünf Jahre. In diesem Zeitraum wird es wohl passieren.

Worauf müssen sich Anleger einstellen?

Anleger sollten gründlich prüfen, ob ihre Investments bereits überbewertet sind oder nicht. Zudem müssen sie ihre Erwartungen herunterschrauben. In einem breit aufgestellten Depot sind langfristig nicht mehr als drei bis vier Prozent jährliche Rendite realistisch. Schon das ist eine Herausforderung.

Kommentare (31)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gast

30.05.2013, 11:43 Uhr

Ich mache mir mehr sorgen, dass auf einmal reihenweise Alles-Ist-Heil-Sager ihre öffentlich kund getanen "Meinung" umändern und plötzlich negative Vorgänge sehen, wo sie vorher nur dementierten oder frohlockend neue Paradiese raus posaunten. Was verfolgen die damit? Uns die Wahrheit näher zu bringen sicher nicht.

Account gelöscht!

30.05.2013, 11:49 Uhr

Jeder Depp der auch nur Ansatzweise mal die Augen öffnet und auch mal andere EU Länder besucht und sich umschaut und mit vor 10 Jahren vergleicht, der weiss ganz genau worauf wir zusteuern. Wer sich dann diese Hetze und das verlogene Geschwafel unserer Politiker dazu noch anhört, der weiss ebenso dass den Bürgern ein Übel droht wie seit Ewigkeit nicht mehr...

Account gelöscht!

30.05.2013, 11:49 Uhr

@Gast

ja, das ist mir auch aufgefallen, allerdings erst seit ein paar Tagen - diese Zeit macht noch keinen Trend (aber vielleicht habe ich es ja auch vorher verschlafen).
Jedenfalls ist es so langsam an der Zeit, sich Gedanken zu machen, was dahinter stecken könnte. Da könnte etwas im Kommen sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×