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15.02.2016

17:05 Uhr

Angst an der Börse

Volatilität – gute und böse Schwankungen

VonIngo Narat

Die Kurse an den Börsen und Finanzmärkten schwanken so stark wie selten. Dahinter stecken vielen Unsicherheiten, die die Anleger ratlos werden lassen. Die Ausschläge können sehr gefährlich werden.

Der Nikkei-Index sprang am Montag um mehr als 1000 Punkte nach oben. dpa

Börsianer in Japan atmeten auf

Der Nikkei-Index sprang am Montag um mehr als 1000 Punkte nach oben.

FrankfurtPreise ändern sich, an der Börse gilt das auch. Dort halten die Schwankungen von Preisen und Kursen in der jüngsten Zeit jedoch die Anleger in Atem. Mit steigender Unsicherheit schwanken auch die Kurse kräftiger. Da derzeit die Unsicherheit so groß ist wie selten, sind es auch die Bewegungen an vielen Finanzmärkten.

Der Fachbegriff für Schwankungen in der Finanzsprache ist Volatilität. Der Begriff ist eher negativ belegt, meint aber ausdrücklich Bewegungen in beide Richtungen. Aktuell gibt es zwei Beispiele für positive Volatilität: Am Montag sprang der japanische Nikkei-Aktienindex um über sieben Prozent nach oben. Das ist für eine Bewegung an nur einem Tag außergewöhnlich stark. Am vergangenen Freitag machte der Ölmarkt Schlagzeilen. Öl der Marke Brent wurde um rund zehn Prozent teurer. Auch das fiel völlig aus dem gewohnten Rahmen.

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Für Aufsehen sorgt ungewöhnlich Volatilität in der Regel aber bei Abstürzen. So mussten viele Aktenmärkte seit Jahresbeginn an manchen Tagen Verluste von mehreren Prozent verkraften. Wie normal oder ungewöhnlich diese Schwankungen ausfallen, berechnen Statistiker mit sogenannten Volatilitäts-Indizes. Der VDax für den Deutschen Aktienindex zeigt beispielsweise: Die aktuellen Schwankungen sind so stark wie im Januar und vergangenen Herbst. Deutlich stärker schwankten die Kurse in den Vorjahren nur zeitweise 2011 und in der heißen Phase der Finanzkrise 2008 und 2009.

In Zeiten wie heute ist die Volatilität hoch, weil Anleger mit einer Vielzahl von Unsicherheiten zu kämpfen haben. Die Krisenherde sind kaum an den Fingern zweier Hände abzuzählen. Dazu gehören die Sorgen über die wirtschaftliche Zukunft Chinas, die Angst vor den Folgen des Ölpreisverfalls, vor einer Deflation, die Unsicherheit über die künftige US-Zinspolitik, das kriselnde Bankensystem. Daran dürfte sich in näherer Zukunft wenig ändern. Es wird bei hohen Schwankungen bleiben. Das haben viele Vermögensverwalter bereits im vergangenen Jahr angekündigt.

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