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23.11.2014

14:36 Uhr

Angst vor Deflation

China zu weiteren Zinssenkungen bereit

Das Schreckgespenst Deflation lässt die Führungsriege in Peking umdenken: Der Zinssenkung vom Freitag könnten nach Angaben von Insidern weitere folgen. Auch eine Senkung der Mindestreserve-Anforderung werde diskutiert.

Bündel von Yuan-Scheinen: Geld wird in China für Kreditnehmer vermutlich bald noch preiswerter. AFP

Bündel von Yuan-Scheinen: Geld wird in China für Kreditnehmer vermutlich bald noch preiswerter.

PekingDie chinesische Führung ist aus Furcht vor einer Deflation nach Angaben von Insidern zu weiteren Zinssenkungen und einer Ankurbelung der Kreditvergabe bereit. Notenbank und Regierung wollten verhindern, dass fallende Preise zu Schuldenausfällen, Firmenpleiten und Arbeitsplatz-Verlusten führten, berichteten der Nachrichtenagentur Reuters Personen, die an den politischen Entscheidungen beteiligt sind. Angesichts der lahmenden Konjunktur hatte Chinas Notenbank am Freitag überraschend erstmals seit mehr als zwei Jahren den Leitzins gesenkt und damit Kursgewinne an den weltweiten Aktienmärkten ausgelöst.

„Die Führungsriege hat ihre Meinung geändert“, erklärte ein ranghoher Volkswirt, der bei einem staatlichen Institut beschäftigt ist und an Beratungen über die Geldpolitik teilnimmt. Die Notenbank habe ihren Fokus auf eine breit angelegte Stimulierung der Wirtschaft verlagert. Sie sei deshalb nicht nur für weitere Zinssenkungen offen, sondern auch für eine Reduzierung der Mindestreserve-Anforderung, die faktisch die Kreditvergabe der Banken deckelt. „Da wir nun einen Zinssenkungs-Zyklus begonnen haben, sollten weitere Zinssenkungen in der Pipeline sein und eine Kappung der Mindestreserve ist ebenfalls wahrscheinlich."

Die Notenbank verbilligte den Schlüsselsatz erstmals seit mehr als zwei Jahren am Freitag auf 5,6 von zuvor sechs Prozent. Zugleich räumte sie den Banken mehr Freiheit bei der Gestaltung von Zinsen auf Kundeneinlagen ein. Sie hatte jedoch gleichzeitig signalisiert, keinen aggressiven Kurs einzuschlagen: Das Wirtschaftswachstum sei noch „leidlich“, so dass die Währungshüter „mit Bedacht“ vorgehen könnten.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Immobilienblase

Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

Schattenbanken

Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

Faule Kredite

Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

Überkapazitäten

Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

Internationale Krisen

Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Die Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hat zuletzt an Fahrt verloren. Im Sommer legte sie mit einem Plus von 7,3 Prozent so langsam zu wie seit Anfang 2009 nicht mehr. Dies könnte dazu führen, dass sie erstmals seit 15 Jahren das Wachstumsziel der Regierung von derzeit 7,5 Prozent verfehlt. Zugleich war die Kreditvergabe im Oktober scharf zurückgegangen. An den Finanzmärkten hoffen Investoren aus aller Welt auf einen Schub für die Weltwirtschaft, falls Chinas Konjunktur wieder anzieht.

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