Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.07.2011

16:27 Uhr

Angst vor Inflation

Superreiche zittern vor Geldentwertung

VonNicole Bastian, Christian Panster

Nichts fürchten deutsche Millionäre mehr als Inflation. Experten halten diese Angst für begründet. Selbst wenn die Teuerungsraten zuletzt nur leicht gestiegen sind, müssen sich Anleger auf Verluste einstellen.

Champagnerflaschen von "Charmtruffe". Deutschlands Millionäre bangen um ihren Reichtum. Quelle: dpa/picture alliance

Champagnerflaschen von "Charmtruffe". Deutschlands Millionäre bangen um ihren Reichtum.

FrankfurtZu viel Geld ist den Deutschen unheimlich - zumindest, wenn es von den Notenbanken kommt. Nichts fürchten sie mehr als Inflation. Das gilt im Besonderen für gut betuchte Anleger. In den vergangenen Wochen sind deren Sorgen spürbar gewachsen. Er hoffe, sagt ein Unternehmer aus Süddeutschland, dass er sein Vermögen für die Enkel erhalten könne.

Bei den Banken herrscht Gesprächsbedarf. "Auf praktisch jeder Veranstaltung wird das Thema Inflation diskutiert", sagt Gustav Holtkemper. Holtkemper kennt die Ängste der Millionäre, bei der Commerzbank ist er verantwortlich für das Geschäft mit den "Premiumkunden".

Sparbuch, Tages- und Festgeld: Wie die Inflation das Vermögen auffrisst

Sparbuch, Tages- und Festgeld

Wie die Inflation das Vermögen auffrisst

Die Inflation reduziert die Guthaben von Millionen von Sparern. Selbst bei Top-Offerten für Tages-, Festgeld oder Sparbüchern schwindet das Vermögen. Wie sicherheitsbewusste Anleger ihr Geld retten. Von Jens Hagen.

Auch im hohen Norden, in Hamburg bei der Berenberg Bank, gehört Inflation in diesen Tagen zu den Top-Themen bei der vermögenden Kundschaft. Die Bedenken seien groß, sagt Markus Taubert, Chefanlagestratege für Private Banking bei Berenberg. Die Notenbanken hätten "bewiesen, dass stabilitätsorientierte Grundsätze im Zweifelsfall schnell geopfert würden."

Rund 400.000 Haushalte gibt es in Deutschland, die nach Angaben der Boston Consulting Group über ein Vermögen von umgerechnet mehr als eine Million Dollar verfügen. Tatsächlich spricht vieles dafür, dass die Inflationsraten in Zukunft höher sein werden als zuletzt. Ein Grund dafür ist die laxe Geldpolitik der Notenbanken. Während der Finanzkrise hatten die Währungshüter ihre Notenpressen angeworfen und die Leitzinsen radikal gesenkt, um die Weltwirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren. Geld gibt es seither zu Dumpingpreisen.

Jean-Claude Trichet, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) weiß um die Gefahren der wundersamen Geldvermehrung. Geht es nach ihm, müsste die Zeit der Geschenke längst vorbei sein. Vor kurzem hat die EZB den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,5 Prozent angehoben, um Kredite zu verteuern. Volkswirte rechnen damit, dass die nächste Zinserhöhung im Oktober folgen könnte. Allzu forsch darf Europas oberster Währungshüter aber nicht vorgehen. Denn jeder Basispunkt, den er obendrauf schlägt, bringt hochverschuldete Euro-Staaten wie Griechenland der Pleite ein Stück näher. Im Zweifel wird Trichet das Inflationsrisiko eingehen müssen, statt einen ganzen Staat in den Ruin zu treiben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×