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23.06.2011

12:01 Uhr

Angst vor Inflation

Zu viel Vorsicht schadet auch

VonMark Schieritz
Quelle:Zeit Online

Kaum etwas fürchten die Deutschen mehr als die Inflation. Die Angst ist weit verbreitet – dabei sie ist so gefährlich wie die Inflation selbst.

Inflation in den 1920er-Jahren: Kinder lassen einen Drachen aus Geldscheinen steigen. Quelle: SUPERBILD

Inflation in den 1920er-Jahren: Kinder lassen einen Drachen aus Geldscheinen steigen.

Die Geldentwertung der zwanziger Jahre hat sich in das kollektive Gedächtnis der Nation eingebrannt, die Währungsstabilität ist wie die Exportstärke ein Teil der deutschen Nachkriegsidentität. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Euro-Krise und die großzügige Liquiditätspolitik der EZB die Bundesbürger beunruhigen.

Nach einer aktuellen Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment rechnen neun von zehn deutschen Anlegern in den kommenden sechs Monaten mit steigenden Preisen, fast jeder fünfte erwartet sogar stark steigende Preise. Mehr als die Hälfte der Befragten sorgen sich um ihre Ersparnisse. Gleichzeitig eilt der Goldpreis von Rekord zu Rekord, Rohstoffanlagen werden immer beliebter, der deutsche Immobilienmarkt ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, und die Fondsindustrie bringt immer neue Produkte auf den Markt, die versprechen, vor einer drohenden Geldentwertung zu schützen.

Der Star Global Equity Inflation Focus der amerikanischen Investmentgesellschaft GAM versucht das mit einem globalen Aktienportfolio, das sich »auch in einem inflationsgeprägten Umfeld behaupten kann«. Der Julius Bär Emerging Markets Inflation Linked Bond Fund investiert in inflationsgeschützten Anleihen aus den Schwellenländer, wo die Wachstumschancen, aber auch die Teuerungsgefahr besonders hoch sind. Und es gibt Gold- und Rohstofffonds, die das Vermögen in Aktien von Minengesellschaften anlegen.

Wer sich vor Inflation schützen will, hat die freie Auswahl. Und dennoch sei zur Vorsicht geraten. Die Inflationsrate ist zuletzt zwar gestiegen, in Deutschland lag sie im April bei 2,4 Prozent, im Mai ist sie sogar leicht gesunken, auf 2,3 Prozent. Im historischen Vergleich ist der Preisauftrieb mehr als moderat: In den siebziger und achtziger Jahren fiel die Inflationsrate in Deutschland selten unter drei Prozent. Und selbst heute strebt die EZB aus gutem Grund keine Nullinflation an, sondern eine Rate von nahe zwei Prozent, um der Deflation aus dem Weg zu gehen.

Eine rasante Geldentwertung ist jedenfalls nicht in Sicht. Bislang treiben vor allem Öl- und Lebensmittelpreise die Teuerung an. Die Löhne dagegen – der größte Kostenblock für Unternehmen und damit der wichtigste Einflussfaktor für die Inflationsrate – steigen wegen der in vielen Ländern immer noch hohen Arbeitslosigkeit nur moderat. Selbst im Boomland Deutschland wird von den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten für das laufende Jahr nur ein Lohnzuwachs von 2,1 Prozent prognostiziert – inklusive Sonderzahlungen. Außerdem hat die EZB bereits Maßnahmen gegen eine Teuerung eingeleitet und die Leitzinsen leicht angehoben Auch die Federal Reserve in den USA verabschiedet sich allmählich von der Politik des billigen Geldes – im Juni läuft das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen aus.

Kommentare (7)

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froehlichergrieche

23.06.2011, 12:47 Uhr

Da ist es wieder, das Lügenmärchen mit der einstelligen Inflationsrate :) Man sollte den Tatsachen ins Auge sehen: Der Euro ist kurz vorm Kollaps und die Währungsreform bereits fertig vorbereitet auf Merkels Schreibtisch.

Bernhard65

23.06.2011, 12:52 Uhr

Gegen Inflation abgesichert zu sein, bedeuten für den Anleger, dass er sein Geld möglichst breit streuen sollte. Über mehrere Anlageklassen und natürlich sollte auch eine Teilanlage in Sachwerte wie Rohstoffe und Aktien vor Inflation schützen. Gut geeignet sind Fonds. Allerdings sollte darauf geachtet werden, möglichst gebühren- und provisionsfrei anzulegen. Unter www.fonds-etf.de findet sich ein Vergleichsrechner der aufzeigt wie Banken ansonsten mit normalen Fonds hohe Provisionen erzielen, meist ohne das es die Anleger bemerken.

Account gelöscht!

23.06.2011, 13:17 Uhr

lächerlich dieser Artikel. Ein kläglicher Versuch, weiter Sicherheit in das Fiat-Money System zu suggerieren.

Es ist ganz einfach in der Marktwirtschaft: Wenn eine Ware( Geld) im Überfluß vorhanden ist, dann verliert sie halt an Wert gegenüber anderen Dingen (Sachwerte).

Hinzu kommt, dass das Geld aus dem Nichts ohne Gegenwert geschaffen wird, siehe Bankenrettungen, und somit beschleinigt sich zum Zinseswertverfall die Kaufkraftanwertung noch mehr.

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