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27.05.2015

15:41 Uhr

Anlage-Flopp

Bill Gross: „Ich habe kläglich versagt”

Bill Gross hat eingeräumt, bei seiner Wette gegen deutsche Staatsanleihen versagt zu haben. Einem guten „Timing” stehe eine „schlechte Ausführung” entgegen, bekannte der Anleihepapst in seinem Investoren-Brief.

Gross hat zwar im April eine Short-Empfehlung auf Bundesanleihen abgegeben, doch die Strategie der sinkenden Kurse hat er nicht konsequent genug verfolgt. IMAGO

Anlage-Flopp

Gross hat zwar im April eine Short-Empfehlung auf Bundesanleihen abgegeben, doch die Strategie der sinkenden Kurse hat er nicht konsequent genug verfolgt.

Verpasste Chancen tun weh - gerade dann, wenn es sich dabei um Renditechancen handelt. Doch nicht nur Kleinanleger haben mit den Widrigkeiten der Aktien- und Anleihemärkte zu kämpfen. Auch große Investoren machen Fehler. Doch nur wenige räumen sie ein.

Nicht so Investmentguru Bill Gross. Im Juni-Ausblick seines Arbeitgebers Janus Capital Group räumt Gross großmütig ein, beim Handel mit deutschen Bundesanleihen auf ganzer Linie versagt zu haben. Der Manager hatte am 21. April, als die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen bei 0,1 Prozent lag, eine Short-Empfehlung abgegeben. Er prognostizierte eine steigende Rendite, die fallende Kurse bei deutschen Staatsanleihen nach sich zieht. Darauf hatte er damals gesetzt.

Die Marktentwicklung bestätigte den Fondsmanager: Innerhalb von vier Wochen stieg die Rendite um 64 Basispunkte. Gleichwohl verlor sein Unconstrained Fonds im gleichen Zeitraum 2,5 Prozent. Gross hatte darauf gesetzt, dass sich die Kurse der deutschen Staatsanleihen sich in einer engen Handelsspanne bewegen würden, anstatt konsequent auf fallende Anleihenkurse zu setzen, wie Daten auf der Website von Janus belegen.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

An seiner Investmentidee, die Renditedifferenzen internationaler Anleihen im derzeitigen Niedrigzinsumfeld auszunutzen, hält der Fondsmanager allerdings fest. So biete die Übergewichtung von US-Treasuries gegenüber britischen und spanischen Papieren Potenzial. „Anleger sollten die am wenigsten überbewerteten Anleihen halten und die am stärksten überbewerteten verkaufen”, empfahl Gross.

Auch bei Bundesanleihen sieht er Gelegenheiten, die es für Arbitragegeschäfte auszunutzen gilt. So betrage die Prämie der zehnjährigen Treasuries 175 Basispunkten zu entsprechenden deutschen Papieren und damit weit mehr als der historische Schnitt von 25 Basispunkten.

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