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26.11.2013

09:32 Uhr

Anlage-Strategie

Niedrige Zinsen nerven – Vermögende steuern um

Das Geld schwindet nicht, doch es vermehrt sich auch kaum: Die niedrigen Zinsen vieler Notenbanken lassen vermögende Anleger ratlos zurück. Viele greifen nach Sachwerten. Doch das ist nicht ohne Risiko, warnen Experten.

Was ist der in zehn Jahren wert? Und bekommt man ihn wieder los? Experten mahnen zur Vorsicht bei Anlagen in Sachwerte wie finnische oder kanadische Wälder. dpa

Was ist der in zehn Jahren wert? Und bekommt man ihn wieder los? Experten mahnen zur Vorsicht bei Anlagen in Sachwerte wie finnische oder kanadische Wälder.

FrankfurtNiedrige Zinsen nagen an den Ersparnissen der Anleger. Selbst Vermögensmillionäre und ihre Anlageberater fragen sich derzeit, wohin mit dem Geld. Seit die Europäische Zentralbank und andere Notenbanken die Märkte mit Geld fluten, sei es schwieriger geworden, das Vermögen der Kunden nicht nur zu erhalten, sondern auch auszubauen, berichtet René Fischer von Beratungsunternehmen Roland Berger. Bisher scheinen die Niedrigzinsen allerdings keine Spuren auf den Konten der Vermögensmillionäre zu hinterlassen - im Gegenteil.

Die Beratungsgesellschaft Boston Consulting zählte 2012 in Deutschland 362 000 Haushalte mit einem Privatvermögen von 1 Million Dollar oder mehr. Im Jahr 2011 waren es erst 331 000. Einschließlich derjenigen, die über rund 500 000 Euro liquide Mittel verfügen, sind mehr als eine Million der Haushalte wohlhabend, wie die Experten von Roland Berger berechnet haben. Ein lukrativer Markt, den sich vor allem die großen Vermögensverwaltungen der Banken und unabhängige Verwalter teilen.

Aktien und Sachwerte, lautet die Strategie des Frankfurter Vermögensverwalters FOCAM, der sich auf die Verwaltung von Familienvermögen spezialisiert hat – ab etwa 15 Millionen Euro. „Wir konzentrieren uns verstärkt auf Sachwerte, sagt Alexander von Franckenstein, Geschäftsführer der FOCAM-Niederlassung in München. So investiert ein vor vier Jahren aufgelegter FOCAM-Fonds in Wälder in Finnland, Uruguay und Neuseeland. Etwa 35 Prozent der Kundengelder legt der Vermögensverwalter in Aktien an.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Kaum Geld lässt sich derzeit mit Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland verdienen. Sie werfen angesichts der Flucht der Anleger in die als „sicherer Hafen“ geltende Papiere kaum noch Rendite ab. „Wir schauen uns daher Italien, Spanien und Portugal an“, sagt Franckenstein. Dort ist das Risiko höher, aber eben auch die Rendite.

Den Trend zu Sachwerten bestätigt Roland-Berger-Experte Fischer. „Es gibt eine regelrechte Flucht der Vermögenden in Sachwerte“. Früher wurden neben Aktien und Anleihen im Schnitt etwa zehn Prozent in Immobilien, Rohstoffe, Gold oder Grund und Boden investiert. Mittlerweile liege der Anteil der sogenannten illiquiden Vermögenswerte bei bis zu 30 Prozent. Sehr gefragt sind derzeit auch Unternehmensbeteiligungen. „Es gibt durch das billige Geld der Notenbanken einen regelrechten Gründungsboom im Bereich Social Media und IT“, sagt Fischer.

Ohne Risiko sind Grund und Boden, Oldtimer oder Kunstwerke allerdings nicht. „Man kommt bei Sachwerten nicht wieder so schnell raus, wer kauft beispielsweise ein Stück Wald in Kanada“, sagt Fischer. Vermögensverwalter seien gefordert, diese Risiken den Kunden klar zumachen und auch zu quantifizieren. Daran mangele es derzeit noch.

Der Zukunftsmarkt für das Geschäft mit dem Geld der Reichen und Superreichen ist nach Einschätzung von Roland Berger die Region Asien-Pazifik mit Zuwächsen von zehn Prozent jährlich beim anzulegenden Vermögen. In Europa erwarten die Experten vergleichsweise magere Zuwächse von drei Prozent im Jahr auf 8,3 Billionen Euro 2017.

Von

dpa

Kommentare (1)

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GoldKammaNedFressenUndKeineZinsn

26.11.2013, 10:34 Uhr

Wieder so ein Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Artikel !

Sämtliche empfohlene "Sachwert-Anlagen" sind Papierversprechen und genauso belastbar.

Diese "genervten Vermögenden" werden, so sie dieses Vermögen selbst erwirtschaftet haben, gewisslich nicht so rotzbescheuert sein wie man sich das bei der Wirtschaftsbeilage des Neuen Deutschland so denkt.

Die große Mehrheit natürlich ist merkbefreit, keine Frage. Und bald Guthabens-befreit ... :D

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