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05.01.2016

13:18 Uhr

Anlageberatung im Test

Bei Wertpapieren hui, bei Sparprodukten pfui

VonLaura de la Motte

Welcher Bank kann man bei der Beratung über die private Geldanlage am meisten trauen? In einer Teststudie wurden mehr als 40 verdeckte Gespräche geführt. Das Ergebnis: Es gibt noch immer Verbesserungspotenzial.

Im Test wurde untersucht, welche Bank Privatanlegern die kompetenteste Beratung bei der Geldanlage liefert. dpa

Banken in der Frankfurter Skyline

Im Test wurde untersucht, welche Bank Privatanlegern die kompetenteste Beratung bei der Geldanlage liefert.

Wer im Dauerzinstief sein Geld richtig anlegen will, sollte eher bei Wertpapieren als bei Sparprodukten seinen Bankberater zu Rate ziehen. Das zeigt eine Analyse des Beratungsinstituts S.W.I. Finance. Die Experten fanden heraus, dass die Qualität der Beratung von Geldhäusern bei Aktien, Anleihen und Co. gut ist, bei Tages- oder Festgeld jedoch nur befriedigend.

Getestet wurden die sechs größten bundesweit aktiven Filialbanken – Deutsche Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank, Postbank, Santander Bank und Targobank – sowie mit der Hamburger Sparkasse und der Berliner Volksbank die jeweils größte Sparkasse beziehungsweise Genossenschaftsbank. 40 verdeckte Beratungsgespräche wurden insgesamt durchgeführt.

Ein ähnlicher Test fand schon vor einem Jahr statt. Damals zeigten sich deutliche Defizite bei der Analyse des Kundenbedarfs, die den Grundstein bildet für eine individuelle Beratung. Bei der Wertpapierberatung sind die Bankberater inzwischen bei der Abfrage der Lebens- und Finanzsituation genauer geworden, bei Sparanlagen hingegen sind sie oftmals immer noch recht oberflächlich.

Besonders bei der Feststellung der finanziellen Situation sieht S.W.I. allerdings bei beiden Produktarten weiteres Verbesserungspotenzial. So erfasste über ein Drittel der Berater weder bestehende Geldanlagen noch laufende Kreditverpflichtungen. Weniger als ein Drittel erkundigte sich nach weiteren Einkünften neben dem Lohn.

So ist es nicht möglich, „sich ein umfassendes Bild vom Finanzstatus des Gegenübers zu machen“, kritisieren die Tester. Markus Berg von der Unternehmensberatung Kampmann, Berg und Partner nimmt die Geldhäuser gleichwohl hier in Schutz: „Von einer Bank kann man nicht erwarten, dass sie in jedem Fall selbst nach Krediten fragt, um dann gegebenenfalls vorzuschlagen, zunächst diese zu tilgen, bevor man ein neues Anlageprodukt abschließt“, sagt der Berater.

Nicht immer herrscht Diskretion

Neben der unterschiedlich guten Bedarfsanalyse gab es im S.W.I.-Test auch hinsichtlich der Gesprächsatmosphäre deutliche Unterschiede zwischen der Wertpapier- und der Sparproduktberatung. Während Vertraulichkeit bei über 90 Prozent gegeben war, wenn Kunde und Berater über Aktien und Wertpapiere sprachen, gab es dieselbe Diskretion beim Thema Festgeld und Co. nur in zwei Dritteln der Fälle. Experte Markus Berg sieht einen Grund hierfür darin, dass Wertpapierberater eine besondere Kompetenz haben und es hier häufiger um größere Beträge geht. „Das macht eine andere Qualitätsfinanzierung möglich“, so Berg.

Ein Schwachpunkt bleibt bei vielen Kreditinstituten wie im Vorjahr das Thema Kostentransparenz: In fast der Hälfte der Testgespräche wurden die Kunden nicht umfassend über anfallende Gebühren informiert. Dabei ist dies einer aktuellen Umfrage des Haftungsverbunds NFS Netfonds für fast alle Kunden der wichtigste Aspekt bei der Beratung.

Die beste Anlageberatung gibt es laut S.W.I. wie im Vorjahr bei der Commerzbank. Bei ihr gab es sowohl bei der Wertpapier- als auch der Sparberatung die beste Bedarfsanalyse. Bei Sparprodukten erreichte sie den absoluten Spitzenwert.

Bei der Beratung rund um Wertpapiere stach die Deutsche Bank dagegen die Commerzbank hinsichtlich Kompetenz und Service aus. Das macht Platz zwei in der Gesamtwertung. Dahinter folgt die Hamburger Sparkasse (Haspa) mit einigen Abstrichen bei der Bedarfsanalyse in beiden Produktgruppen und im Service bei Sparprodukten. „Als einziges Institut legte die Haspa die Kosten in allen Beratungen transparent und verständlich dar“, loben die Tester.

Gegenüber dem Vorjahr konnte sich die Santander Bank steigern. Noch im Vorjahr Schlusslicht, schaffte es das Institut diesmal auf Rang fünf. Die rote Laterne trägt dafür nun die Targobank. Die Berater sind zwar bei Aktien wie bei Sparkonten kompetenter und serviceorientierter als die siebtplatzierte Postbank, die schlechte Bedarfsanalyse verhagelt jedoch beide Teilergebnisse, so dass es am Ende nur der letzte Platz ist.

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