Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.08.2012

09:26 Uhr

Anlagestrategie

Achtung, Rückschlaggefahr!

VonAnke Rezmer

Der Dax notiert wieder bei 7000 Punkten. Vielen Anlegern ist das unheimlich; schließlich ist die Euro-Krise noch längst nicht ausgestanden. Was Vermögensprofis Ihren Kunden in diesem unsicheren Umfeld raten.

Die Börse in Frankfurt. dpa

Die Börse in Frankfurt.

Vorsicht lautet die Devise erfolgreicher Vermögensmanager - angesichts des Höhenflugs der Aktienkurse. Zwar halten einige von ihnen die Dividendentitel noch immer für relativ günstig bewertet, erkennen aber am Horizont jede Menge Unbill für die Finanzmärkte. Daher raten die Geldmanager ihren Kunden, ihre Depots mit Aktien solider Weltkonzerne, alternativen Strategien und bestimmten Anleihen wetterfest zu machen.

Einen "defensiven Kurs" empfiehlt Peter Reichel, Leiter private Vermögensberatung der Hamburger Privatbank Berenberg, jetzt seinen Kunden. Seit sich etwa der deutsche Leitindex Dax über die psychologisch wichtige Marke von 7 000 Punkten gehievt hat, positioniert er die Vermögen seiner Kunden "immer vorsichtiger", wie er sagt. "Wir haben einen Teil der Aktien verkauft, um Kursgewinne zu sichern", meint auch Achim Lange, Leiter Portfoliomanagement der Hamburger Sparkasse. Auch bei der Noch-Deutsche-Bank-Tochter BHF-Bank versilbert Chefanlagestratege Marcel Lähn, für Kunden erzielte Gewinne.

Dividendenindizes

DivDax

Die 15 dividendenstärksten Aktien aus dem Dax sind im DivDax gelistet. Dazu gehören Allianz, BASF, Bayer, BWM, Daimler, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Eon, K+S, Lufthansa, Münchener Rück, RWE und Siemens.

Stoxx Select Dividend 30

Der Index beinhaltet die 30 dividendenstärksten Aktien aus der Europäischen Union, der Schweiz und Norwegen. Die gewichtigsten Werte kommen mit Siemens, Eon, BASF und Allianz aus Deutschland. Es folgen Sanofi, Anheuser-Busch und Telefónica.

Dow Jones Stoxx US Select Dividend

Der Index setzt sich zusammen aus den 100 Unternehmen mit den höchsten Zahlungen, die in den vergangenen fünf Jahren ihre Ausschüttungen nicht reduziert haben. Stark vertreten sind Versorger und Konsumgüterhersteller. Zu den größten Positionen gehören der Burger-Brater MC Donald’s und der Ölmulti Chevron.

S&P Europe 350 Dividend Aristocrats

Der Index misst die Wertentwicklung großer europäischer Unternehmen, die seit mindestens zehn Jahren ihre Dividende konstant jedes Jahr erhöhen. Der Börsenwert soll mindestens drei Milliarden Euro betragen. Die Zusammensetzung wird einmal pro Jahr überprüft. Bekannte Werte im Index sind Vodafone, Roche oder Nestlé.

Die drei Banken werden seit Jahren von der Redaktion "Elite Report" als beste Vermögensverwalter ausgezeichnet. Demnach konnten diese Geldmanager die oft Millionen-Euro schweren Depots ihrer Kunden in den vergangenen schwierigen Börsenjahren vor allem relativ gut vor Verlusten schützen und überzeugten mit sorgfältiger Beratung. Das Handelsblatt kooperiert als Medienpartner mit dem "Elite Report" bei der jährlichen Auszeichnung der besten Geldmanager. Dem Schutz des Kundenvermögens gelten derzeit sämtliche Anstrengungen der Banker: Ein Viertel des Depots sollte wegen der immer schwerer absehbaren weiteren Entwicklung der europäischen Schuldenkrise in Währungen außerhalb des Euros gehalten werden, rät Haspa-Mann Lange: "Das ist wie eine Feuerversicherung fürs Haus - sie kostet, schützt aber, wenn es notwendig wird". In Fremdwährungen wie Schweizer Franken und US-Dollar investiert er für seine Kunden über Aktien und Anleihen. Demnächst will er in Währungen investieren, deren Staaten relativ wenig verschuldet und deren Inflationsrate moderat sind. Als Beispiele nennt er Norwegen, Schweden, Neuseeland oder Australien.

Die Lieblingsaktien von Max Otte

Platz 10

Delta Lloyd

Otte: sehr günstige holländische Versicherung mit wenig Exposure in Südeuropa.

 

Platz 9

Alcatel-Lucent

Otte: spottbillig; allerdings muss sich das Unternehmen fangen. 100 - 200 Prozent Potential.

Platz 8

Fuchs Petrolub

Otte: Fair bewertet mit Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15; aber sehr gutes Unternehmen. Langfristige Renditeerwartung: + 10%

Platz 7

Salzgitter

Otte: Zykliker und damit sehr anfällig bei Konjunkturschwankungen. Dank der Cash-Reserven aber extrem günstig.

Platz 6

Novartis

Otte: Sichere Aktie, moderates Kurs-Gewinn-Verhältnis (11), großzügige Dividendenrendite (4%).

Platz 5

Energias des Portugal

Otte: Kurs bei knapp zwei Euro. Im Bieterverfahren Ende letzten Jahres hat das chinesische Unternehmen Three Gorges 3,45 Euro je Aktie bezahlt. Insgesamt haben die Chinesen sich 21 Prozent der Anteile gesichert.

Platz 4

Berkshire Hathaway

Otte: Dank eines Rückkaufangebots Buffetts lediglich knapp über Buchwertgehandelt. Potential 30 Prozent. Festgeldersatz

Platz 3

Enel

Otte: breit aufgestellter Versorger, spottbillig wie der Italienische Markt.

Platz 2

OMV

Otte: Unter Buchwert gehandelt, KGV bei sechs, Dividendenrendite 4,5 Prozent.

Platz 1

Nestlé

Otte: sicherste Aktie der Welt, derzeit fair bewertet.

Sicherheit erreicht man nach Ansicht der Banker nur durch ein breit aufgestelltes Depot. "Wer jetzt glaubt, Risiken vermeiden zu können, indem er sein Geld auf Konten parkt, steht im Risiko", sagt Lange. Zwar umgeht ein Anleger damit Schwankungen an den Börsen. Aber wegen der extrem niedrigen Zinsen verliert er nach Steuern und Inflation Geld. Es gilt in verschiedensten Anlageklassen die stabilsten Titel zu finden.

Aktien stecken aktuell eher wenig in den Depots. Sie dürfen aber als Sachwertanlage, die vor Geldentwertung schützt, nicht fehlen. So empfiehlt Berenberg-Mann Reichel etwa ein knappes Viertel weniger Aktien als in normalen Zeiten. Für Anleger mit mittlerer Risikoneigung - also Kunden, die mit den Schwankungsrisiken der Börsen leben können, aber keine heißen Reifen fahren wollen - machen Dividendentitel bei den Geldmanagern aktuell ein gutes Drittel aus (Grafik). Bei der BHF-Bank gehören Aktien weiterhin zur bevorzugten Anlageklasse. Allerdings denkt Lähn über eine "defensivere Ausrichtung im Aktiensegment" nach. Das bedeutet für ihn eine Ausrichtung an vergleichsweise stabilen Branchen wie Verbrauchsgütern und Konzernen, die etwa den Großteil ihrer Gewinne außerhalb der Euro-Krisenzone in Schwellenländern verdienen.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.08.2012, 10:48 Uhr

Na hoffentlich, ich will endlich wieder rein. Mein Tank ist voll und verkümmert zu Mickrigzinsen auf dem Tagesgeld-Konto

observer

23.08.2012, 11:06 Uhr

Volker - die FED ist die heimtückischte Gruppe von allen


Paul Volker wurde von Luke Rudkowski von "We Are Change" New York zu seiner Teilnahme bei Bilderberg gefragt. Er sagte, er wäre schon lange nicht mehr zu Bilderberg eingeladen worden. Nach dem Luke nachhakt und ihn mit seiner Mitgliedschaft bei den Gruppen Council on Foreign Relations und der Trilateralen Kommission konfrontiert, welche seiner Meinung nach die Finanzkrise zu verantworten haben, antwortet Volker: "Ich bin ein Mitglied der Federal Reserve, welche die heimtückischte ist!"

Der genau Satz auf Englisch lautet: "I am a member of the Federal Reserve, which is the most insidious one!"



"Insidous" bedeutet auf Deutsch: heimtückisch, hinterhältig, hinterlistig oder tückisch.

Paul Adolph Volcker war von August 1979 bis August 1987 Vorsitzender (Chairman) des Federal Reserve System der Vereinigten Staaten von Amerika, nachdem er von 1975 an bereits der Federal Reserve Bank of New York vorgestanden hatte. Er war Vorsitzender des Anfang 2009 gegründeten President's Economic Recovery Advisory Board des amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Auf den 6. Februar 2011 legte Volcker sein Amt nieder. Volcker ist Direktor des American Council on Germany, langjähriges Mitglied und ehemaliger Direktor des Council on Foreign Relations und der Trilateralen Kommission.


Account gelöscht!

23.08.2012, 13:30 Uhr

Wie lange kann sich der künstlich hochpuschte DAX noch über der 7000er Marke halten? Krise wird weiter verschärft, statt endlich durch Währungsreform beendet und die Wirtschaft schwächelt derweil immer mehr in Euroland.
Eigentlich kein Grund weiter auf steigenden DAX und EURO zu setzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×