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27.12.2011

13:22 Uhr

Anlagestrategie

Die Stunde der Wahrsager

VonChristian Schnell, Rolf Benders

Die Unsicherheit könnte kaum größer sein: Wegen der Schuldenkrise in Europa wagt kaum ein Experte einen optimistischen Ausblick auf das kommende Jahr. Einen Ratschlag für Anleger haben sie trotzdem parat.

Ob die zukünftige Kursentwicklung in der Kugel zu finden ist? Getty Images

Ob die zukünftige Kursentwicklung in der Kugel zu finden ist?

FrankfurtEs war so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz an den Finanzmärkten: Wer Sicherheit wollte, der investierte sein Geld in die Staaten der entwickelten Welt, wer dagegen mehr Rendite mit mehr Risiko erkaufen wollte, der ging in Unternehmen. Spätestens seitdem die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) selbst dem bisherigen Eliteschuldner Deutschland gedroht hatte, ihm die Bestnote zu nehmen, hat sich das Blatt entscheidend gewandelt.

„Unternehmen sind die besseren Staaten“, bringt es Ulrich Stephan von der Deutschen Bank auf den Punkt. Als Global Chief Investment Officer ist er so etwas wie der oberste Anlageberater von Deutschlands einziger Bank mit Weltruf. Statt in Staatsanleihen zu investieren, rät er seinen Kunden für das kommende Jahr zu dem, was die Unternehmen so zu bieten haben, nämlich Aktien und Anleihen.

Der Grund: Viele Unternehmen mit dem Siegel Investmentgrade - das geht bei den Ratingagenturen S&P und Fitch hinab bis zu den Noten BBB- und bei Moody's bis auf Baa3 - haben gewöhnlich gesunde Bilanzen und eine solide Finanzierungsstruktur. „Börsennotierte Unternehmen in Europa weisen die niedrigste Verschuldung seit 15 Jahren auf“, weiß Heiko Veit, Leiter des Aktienteams „Wachstum“ beim Bankhaus Metzler.

Das lässt sich von vielen Staaten mittlerweile nicht mehr behaupten. Trotzdem bieten die selbst bei gestiegenem Risiko lediglich Minirenditen. Rund zwei Prozent für zehnjährige Bundesanleihen und US-Staatstitel bringen nicht mal das, was die Inflation im Moment auffrisst.

Reihenweise Fehleinschätzungen: Weit daneben ist auch vorbei

Reihenweise Fehleinschätzungen

Weit daneben ist auch vorbei

Alle Jahre wieder: Analysten geben Ende des Jahres ihre Prognose für das kommende ab. Die Vorhersagen sind so verlässlich wie das Horoskop in der Fernsehzeitschrift. In diesem Jahr lagen sie besonders weit daneben.

Die Krise schlägt nicht nur in Europa zu, auch die Amerikaner sind besorgt. „Um es mal deutlich zu sagen. Wir werden entweder ein ernstes Kreditereignis haben mit Folgen mindestens so schwerwiegend wie die Lehman-Brothers-Insolvenz oder Aktien sind wohl ein Kauf“, so Ian Scott, US-Marktstratege bei Nomura Securities.

Mit anderen Worten: Entweder eskaliert die Euro-Krise - und dann gehen die Kurse auch in den USA in den Keller - oder Europa schafft eine Lösung. Dann sind US-Aktien angesichts der Gewinnsteigerungen der Firmen der vergangenen Jahre und des erwarteten, moderaten Konjunkturplus von gut zwei Prozent am Heimatmarkt günstig bewertet.

Kommentare (10)

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otto15

27.12.2011, 14:14 Uhr

Die Politik wird die Fianzmärkte treiben - ich denke eher die Politik wird weiter von den Fianzmärkten getrieben.

Yve

27.12.2011, 14:43 Uhr

Entlassungswelle bei den Wahrsagern :) Die Kunden erkennen langsam die Sinnlosigkeit aktiven Managements. Studien und Mathematiker haben dies allerdings schon länger bewiesen.

Ende_der_Parasiten

27.12.2011, 15:27 Uhr

Das beste Investment 2012 dürften Hanfseile sein, denn wenn es knallt, geht es den Bänkerschweinen und ihren Handlangern in der Politik wohl richtig an den Kragen.

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