Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.08.2014

13:18 Uhr

Anlagestrategie

Endlich Kaufkurse!

VonJessica Schwarzer

Während Privatanleger in den vergangenen Tagen voller Angst die Reißleine gezogen haben, sehen Profis an der Börse Einstiegskurse. Warum  Christoph Bruns, Gottfried Heller und Philipp Vorndran jetzt den Bullen wittern.

Zeit für den Einstieg? Die Börsen haben in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt. Getty Images

Zeit für den Einstieg? Die Börsen haben in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt.

DüsseldorfUkraine und Russland, Gaza oder Irak – die Börsen sind im Krisenmodus. Mehr als zehn Prozent hat der deutsche Aktienindex binnen vier Wochen eingebüßt. Solche starken Rücksetzer mussten Anleger schon lange nicht mehr verdauen. Von seinem Hoch bei etwas mehr als 10.000 Punkten rauschte der Dax gut 1000 Punkte abwärts, fiel zeitweise sogar unter die Marke von 9.000 Punkten. Das tut weh.

Doch viele Marktteilnehmer haben nach der jahrelangen Börsenrally mit einem solchen Rücksetzer gerechnet. Mehr noch: Sie haben sogar darauf gewartet. Gottfried Heller hatte bereits Anfang Juli geraten, eine Korrektur sollten Anleger als gute Gelegenheit zum günstigen Einkauf nutzen. „Diese Chance ist jetzt gekommen“, sagt der Münchener Vermögensverwalter und ehemalige Partner von Börsenlegende André Kostolany.

Aktien kaufen, wenn es gleich auf mehreren Krisenherden gefährlich brodelt? „Politische getriebene Märkte haben meistens kurze Beine. Daher ist es immer sinnvoll kurzfristige Schwankungen als Kaufgelegenheit zu betrachten“, sagt Frank Lingohr, Chef der Vermögensverwaltung Lingohr & Partner. Der bekannte Fondsmanager Christoph Bruns glaubt deshalb auch, dass die andauernde Niedrigzinspolitik der internationalen Notenbanken für Anleger viel entscheidender ist als politische oder militärische Krisen.  Der Chef der Fondsgesellschaft Loys ist überzeugt: „Die mit Abstand größte Gefahr für Dividendentitel kommt nicht aus dem Gaza-Streifen, dem Irak oder Russland sondern von der Federal Reserve Bank in Washington.“ Auch wenn es derzeit noch nicht danach aussieht, dass die Zinsen kurz- bis mittelfristig stark ansteigen würden, wäre ein schockartiger Zinsanstieg für die Märkte eine viel größere Belastung.

Das sieht Philipp Vorndran, Anlagestratege bei Flossbach von Storch, ähnlich: „Je länger die Tiefzinsphase anhält, desto mehr werden Anleger sich mit Alternativen auseinandersetzen müssen. Gleichzeitig gewöhnen sich die Schuldner immer mehr an das billige Geld“, sagt er. „Umso schmerzhafter und damit unwahrscheinlicher wird der Weg zurück zur ‚Normalität‘“.  Der Flossbach-Experte bleibt allerdings optimistisch: „Es wäre vermessen, die Konsequenzen dieser historisch einzigartigen Entwicklung präzise antizipieren zu wollen“, sagt er. „Es spricht jedoch Vieles dafür, dass die Preise von Vermögenswerten und Finanzanlagen weiter steigen werden. Insbesondere der Aktienmarkt dürfte von dieser Entwicklung profitieren, auch wenn die Kurse in den vergangenen Jahren bereits kräftig gestiegen sind.“

Verhalten und Präferenzen deutscher Aktionäre

Entwicklung der Zahl der direkten Aktionäre in Deutschland

2013: 4.855 Millionen

2012: 4.534 Millionen

2011: 3.891 Millionen

Quelle: Deutsche Post DHL/Deutsches Aktieninstitut

Anlageziele der Aktionäre

Welche Bedeutung haben Anlageziele bei Aktionären?

Für 81 Prozent hat der langfristige Vermögensaufbau eine hohe Bedeutung.

67 Prozent stellen den Schutz vor Inflation in den Vordergrund.

Bei der Frage, welche Bedeutung das regelmäßige Einkommen aus Dividenden und Verkauf haben, gaben 44 Prozent an, dass es für sie sehr wichtig sei.

Lediglich 12 Prozent setzen ihre Priorität auf kurzfristige Gewinne.

Anteil des in Aktien investierten Vermögens

Wie viel Prozent des Vermögens legen Investoren in Aktien an (Durchschnittswert)?

2013: 26,8 Prozent

2008: 25,2 Prozent

2004: 23,9 Prozent

Bedeutung von Dividende und Aktienrückkauf

Wie beurteilen Anleger die Ausschüttungen durch Aktienrückkäufe im Verhältnis zu Dividendenzahlungen?

Gleich: 37 Prozent

Eher schlechter: 34 Prozent

Eher besser: 20 Prozent

Viel schlechter: sechs Prozent

Viel besser: drei Prozent

Bedeutung von Dividende und Kurssteigerungen

Würde die Rendite sich aus Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen zusammensetzen, dann würden...

... 43 Prozent eine mittlere Dividende und mittlere Kurssteigerung bevorzugen;

... 33 Prozent eine hohe Dividende und eine geringe Kurssteigerung wählen;

... 13 Prozent eine geringe Dividende und eine hohe Kurssteigerung sich aussuchen.

Orientierung an fundamentalen bzw. technischen Daten

Woran orientieren sich Anleger beim Ankauf oder Verkauf von Aktien?

Sowohl an der wirtschaftlichen Entwicklung als auch an der Kursentwicklung: 60 Prozent

Eher an der Kursentwicklung: 16 Prozent

Eher an der wirtschaftlichen Tätigkeit: 14 Prozent

Ich treffe meine Entscheidungen nicht selbst, vertraue jemand anderem. Acht Prozent

Vertrauenswürdigkeit von Informationsquellen für Privatanleger

Anteil der Anleger, die auf Zeitungen, Zeitschriften und Wirtschaftssendungen vertrauen.

2013: 69 Prozent

2008: 65 Prozent

2004: 65 Prozent

Anteil der Anleger, die Beratern der Bank, Sparkasse oder Broker Vertrauen schenken.

2013: 39 Prozent

2008: 49 Prozent

200446 Prozent

Und genau weil es in den vergangenen Jahren – von Schwankungen abgesehen – mehr oder weniger ständig aufwärts gegangenen ist, war die Korrektur überfällig. „Die technische Verfassung hatte sich deutlich verschlechtert. Aktien waren überkauft“, sagt Heller. Die Krisenherde in der Ukraine, im Irak und im Nahen Osten, dazu die Sanktionen des Westens gegenüber Russland sowie die Gegenreaktion Putins – all das löste dann der überfälligen Kursrücksetzer an den Börsen aus.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Alfred Werner

11.08.2014, 13:26 Uhr

Ja, Leute, kauft was das Zeug hält.
Ich bleibe derzeit beim physischen Edelmetall.
Liege ich falsch ? Liege ich richtig ?
Bestimmt bekomme ich gleich einen riesigen Sack voller Tipps und bester Begründungen, warum dieses oder jenes.
Aber um es leicht abgewandelt mit Erich Kästner zu sagen:
Seien wir ehrlich -
Anlegen ist immer lebensgefährlich !

Sergio Puntila

11.08.2014, 13:37 Uhr

physisches edelmetall: und morgen liebe kinder, gebt fein acht, hab ich euch was neues mitgebracht.

ja so geht das bei denen.

Sergio Puntila

11.08.2014, 13:40 Uhr

Kaufkurse wird es auch bei 12.000 gehend ost auf sued geben: also Nullaussage.
(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×