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17.04.2017

13:15 Uhr

Anlagestrategie

Flossbach geht auf Nummer sicher

VonIngo Narat

Ein bekannter Fondsverwalter erwartet keine Zinswende: Bert Flossbach bleibt den Aktien treu. Die hohe Quote an Dividendentitel in seinem Mischfonds sagt aber nur die halbe Wahrheit über seinen Aktien-Optimismus.

Der Stratege glaubt an Qualitätsaktien. Thomas Rabsch/laif

Fondsmanager Bert Flossbach

Der Stratege glaubt an Qualitätsaktien.

FrankfurtWenn es einen Kölner Geldverwalter gibt, der über das Rheinland hinaus bekannt ist, dann ist es Bert Flossbach. Als Mitgründer der unabhängigen Vermögensverwaltung Flossbach von Storch hat er sich mit guten Anlageergebnissen im Flaggschifffonds „Multiple Opportunities“ einen Namen gemacht. Im jüngsten Quartalsbericht räumt er mit zwei Mythen auf: den politischen Börsen und der allgemein erwarteten Zinswende.

Die politischen Ereignisse des vergangenen Jahres zeigten, wie sehr Wetten auf den Ausweg politisch wichtiger Ereignisse fehl gehen können – auch bei der Abschätzung der Folgen für die Finanzmärkte. Das offenbarte sich vor allem beim Brexit, der Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump und dem Referendum in Italien.

Die besten Anlagen 2016

Zucker

Die Preise vieler Agrarrohstoffe sind 2016 deutlich gestiegen. Am deutlichsten stieg der Preis für Rohrzucker – auch wenn über die Hälfte der Performance seit dem Herbst wieder abgeschmolzen ist. Wer an den Terminbörsen zu Jahresbeginn 100.000 Euro in Zucker anlegte, hat jetzt 132.950 Euro auf dem Konto. Grund für den Anstieg sind Aussichten auf eine sinkende Produktion. Ähnlich ist es bei Kaffee, Baumwolle und Kakao. Ein höheres Angebot ließ dagegen die Preise für Mais und Weizen fallen.

Aktien Russland

Vom Absturz zu Beginn des Jahres erholten sich sowohl der Leitindex Micex als auch der Rubel deutlich. Hauptgründe dafür sind der steigende Ölpreis und nach der Trump-Wahl die Hoffnung auf ein besseres politisches Verhältnis zwischen den USA und Russland. Aus 100.000 in Russland angelegten Euro wurden so im vergangenen Jahr 152.950 Euro. Zum Vergleich: Aus 100.000 angelegten Euro wurden im amerikanischen Dow Jones - inklusive des Dollar-Anstiegs - „nur“ 116.140 Euro, im deutschen Dax waren es 106.780 Euro und im Euro Stoxx 50 der Standardwerte im Euro-Raum 100.770 Euro.

Öl

Der weitere Verfall des Ölpreises schockte die Anleger zu Jahresbeginn. Bis auf das Zwölfjahrestief von 27 Dollar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Bren bis zum Februar. Er erholte sich aber deutlich, in der Hoffnung darauf, dass die Ölstaaten die Fördermengen begrenzen. was sie Ende 2016 tatsächlich machten. Aus 100.000 in Öl-Terminkontrakte investierten Euro wurden bis am Jahresende 161.080 Euro.

Zink

Zink war 2016 der Rohstoff mit dem höchsten Preisanstieg. Im vergangenen Jahr stieg der Preis von Zink, das vielfach in der Industrie eingesetzt wird in Euro gerechnet um 62,84 Prozent.

Aktien Kasachstan

Das zentralasiatische Land ist der zweitgrößte Ölexporteur im postsowjetischen Raum und profitierte damit deutlich vom seit Mitte Februar wieder gestiegenen Ölpreis. Wer 100.000 Euro in den gerade mal neun Werte umfassenden Kase-Index investierte, machte einen Gewinn von 66,27 Prozent.

Aktien Peru

Die Aktie in Peru profitierte von der Wahl des neuen Präsidenten Pablo Kuczynski, der als liberal und wirtschaftsfreundlich gilt. Dazu sind im Leitindex Peru General S&P/BVL viele Minenwerte notiert – und die profitierten vom Anstieg der Minenpreise. Auch die Landeswertung Sol stieg. Das machte bei einer Investition von 100.000 Euro für hiesige Investoren einen Gewinn von 67.210 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Börse allerdings ein Drittel verloren.

Aktien Brasilien

Vor allem das Amtsenthebungsverfahren gegen Staatschefin Dilma Rousseff trieb Brasiliens Aktienkurse und den Real nach oben, weil dadurch die Präsidentin abgelöst wurde, die das Land in die Rezession und den größten Korruptionsskandal aller Zeiten getrieben hatte. Dass inzwischen auch gegen die Regierung und Ihren Präsidenten Michel Temer Korruptionsvorwürfe bestehen, bremste die Hausse nicht – ebenso wenig wie die Tatsache, dass das Land immer noch in der Rezession feststeckt. Unter dem Strich machten Anleger, die Anfang vergangenen Jahres 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investierten einen Gewinn von 76.160 Euro. So viel gab es in keiner anderen Anlageklasse.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand: 30.12.2016

Diese großen Unsicherheiten erwiesen sich im Nachhinein nicht als Stolperstein für die Aktienmärkte. Im Gegenteil, die Jahresbilanz und das erste Quartal des neuen Jahres überraschten viele Aktionäre mit soliden Gewinnen. „Vor allem in politisch turbulenten Zeiten ist operative Hektik ein schlechter Ratgeber“, urteilt Flossbach. Seine Erkenntnis: „Wackelige Politprognosen und Spekulationen über deren Konsequenzen sind kein Fundament für eine solide Anlagestrategie.“

Die allgemein erwartete Zinswende ist für den Strategen eine irrige Annahme. Die EZB könne keine Wende ihrer ultralockeren Geldpolitik, die alle Finanzmarktpreise verzerre, einleiten. „Inzwischen erscheint ein Ausstieg kaum noch möglich, ohne dadurch ein Chaos zu verursachen“, formuliert er. Die Anleihekurse seien so hoch gestiegen, dass man nur noch von einer Preisblase sprechen könne. Entsprechend hält Flossbach in seinem Fonds nur wenige Bonds.

Die schlechtesten Anlagen 2016

Sparbuch

Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Alle Angaben ohne Transaktionskosten. Stand 30.12.2016

Mexikanischer Peso

Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro.

Britisches Pfund

Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell und legte zweistellig zu. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Aktien China

Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450Euro übrig.

Aktien Ägypten

In Ägypten gab die Zentralbank den Wechselkurs im November frei, das ägyptische Pfund stürzte ab. Der ägyptische Leitindex EGX 30 gewann zwar über 70 Prozent - Euro Anleger hatten aber am Jahresende von 100.000 investierten Euro nur noch 79.570 Euro übrig.

Aktien Ghana

Der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, verlor ebenfalls stark. Von 100.000 Euro bleiben nur 77.840 Euro übrig. Die agrarisch strukturierte Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes, schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein.

Aktien Nigeria

Deutsche Anleger, die 2016 an der kleinen nigerianischen Börse 100.000 Euro investierten, hatten Ende des Jahres nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Das lag vor allem daran, dass die Währung Naira im Sommer einbrach, nachdem die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung an den Dollar aufgab.

Ähnlich wie Anleihen sind für ihn auch Immobilien in einigen Bereichen zu teuer. Das führt ihn fast zwangsläufig zu einer anderen Vermögensform: „Aktien sind die letzte bedeutende Anlageklasse, bei der sich die tiefen Zinsen noch nicht in einer entsprechenden Erhöhung der Bewertung niedergeschlagen haben.“

Für Aktien erstklassiger Unternehmen werden inzwischen Preise bezahlt, die über einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 liegen. „Der Anstieg der Bewertung ist bereits im Gange, aber noch weit vom Ausmaß bei Anleihen und Immobilien entfernt“, glaubt Flossbach. Rein rechnerisch könnten Aktien ertragsstabiler Unternehmen mit hohen Dividenden auf Bewertungen von 25 bis 30 steigen. Ihm drängt sich der Vergleich mit 1998 auf, der Spätphase der großen Hausse, als die Bewertungen teilweise bei 40 lagen.

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