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19.01.2012

14:42 Uhr

Anlagestrategie

Gezielte Kurspflege auf amerikanisch

VonUlf Sommer

Im vergangenen Jahr kauften US-Firmen eigene Aktien im Wert von mehr als 400 Milliarden Dollar. Das treibt die Kurse an der Wall Street. Warum deutsche Firmen nichts davon halten und wie Anleger davon profitieren können.

An der US-Leitbörse in New York gibt es weniger Unternehmensaktien als vor einem Jahr. dapd

An der US-Leitbörse in New York gibt es weniger Unternehmensaktien als vor einem Jahr.

DüsseldorfDer Preis steigt, wenn es mehr Nachfrage als Angebot gibt. Weil Unternehmen die Nachfrage nach eigenen Aktien an der Börse nur wenig beeinflussen können, versuchen sie es mit dem Angebot. Sie verknappen es, um so die Kurse nach oben zu treiben.

Der Einzelhandelsriese Wal-Mart und die Investmentbank JP Morgan Chase kauften im vergangenen Jahr eigene Aktien im Wert von jeweils 15 Milliarden Dollar zurück. Insgesamt erwarben US-Firmen im abgelaufenen Jahr Anteilsscheine für rund 400 Milliarden Dollar, wie aus Daten der Finanzspezialisten Birinyi Associates und Bloomberg hervorgeht. Das entspricht mehr als der Hälfte des Börsenwerts aller 30 Dax-Konzerne. Allein die zehn größten amerikanischen Aktienrückkäufer nahmen Anteilsscheine für 95 Milliarden Dollar vom Markt.

Anleger aus der Reserve locken

Weniger Aktien verknappen das Angebot und erhöhen den Gewinn je Aktie – beides beflügelt den Kurs. Untersuchungen des Investmenthauses Morgan Stanley belegen, dass die Aktienkurse der Rückkaufkonzerne ein Jahr nach der entsprechenden Ankündigung den jeweiligen Vergleichsindex um 13 Prozent geschlagen haben.

Aktienrückkauf 2011

Welche US-Giganten sich mit eigenen Aktien eindecken

Bemerkenswert ist, dass US-Firmen 2011 nur für 160 Milliarden Dollar neue Aktien ausgegeben haben – durch Kapitalerhöhungen, wie etliche Banken, oder Neuemissionen. Das heißt: Die Zahl der Aktien hat sich in einem Volumen von 240 Milliarden Dollar verknappt. Weniger Aktien gab es zuletzt 2008. Damals kauften Firmen ebenfalls viele Aktien zurück. Andererseits wagten sich inmitten der Finanzkrise nur wenig neue Unternehmen an die Börse.

Angesichts einer Börsenkapitalisierung von 13,5 Billionen Dollar aller US-Konzerne fällt das verringerte Aktienvolumen zwar nicht ganz so stark ins Gewicht. Es entspricht 1,7 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung. Aber ein rückläufiges Volumen ist in der Börsengeschichte selten und signalisiert große Skepsis und eine niedrige Bewertung. Die Unternehmen trauen sich nicht an die Börse, weil sie keine Abnehmer finden – oder nur zu einem unangemessen niedrigen Preis. Deshalb erscheint es ihnen attraktiver, eigene Aktien zurückzukaufen, als die Gewinne und Liquidität zu investieren.

Kommentare (1)

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Takjas

19.01.2012, 15:59 Uhr

Es geht nicht bloß um Kurspflege: Der Rückkauf eigener Aktien kann eine Dividendenausschüttung ersetzen (entsprechend sind U.S.-Konzerne teils deutlich zurückhaltender bei Dividenden). Aus Sicht des U.S.-Aktionärs hat der Rückkauf Vorteile: Eine Dividende muss der Aktionär gleich versteuern, demgegenüber kann er bei einer durch eine Rückkaufaktion ausgelöste Erhöhung des Kurses seiner Aktien abwarten. Wird zB die Dividende nach einem kurzzeitigen Halten ausgeschüttet, fällt uU der Höchststeuersatz von 35% an. Nach einem Rückkauf kann der Aktionär aber abwarten, bis er seine Aktien lange genug hält, um auf den Gewinn den ermäßigten Steuersatz von 15% oder gar 0% zu zahlen (long-term capital gains tax rate). Da es in den USA deutlich mehr private Kleinaktionäre gibt, achten U.S.-Konzerne traditionell stärker auch auf solche Gesichtspunkte.

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