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04.09.2013

10:26 Uhr

Anlagestrategie im Zinstief

Wie Sie Geld vermehren – oder es vernichten

VonDörte Jochims

Viele konservative Anleger sind auf der Suche nach Investments. Denn mit Festgeld und Bundesanleihen verlieren sie real Geld. Sechs Anlagen, die gerne empfohlen werden, aber heikel sind. Und sieben, die sich lohnen.

Geldwaage: Ein Gleichgewicht der Anlagen sorgt für Sicherheit. dpa

Geldwaage: Ein Gleichgewicht der Anlagen sorgt für Sicherheit.

Wenn das der alte Flick noch erlebt hätte. „Jährlich vier Prozent Rendite nach Steuern und Inflationsrate“, so definierte der deutsche Großindustrielle Karl Friedrich Flick noch im Jahr 1998 sein Anlageziel. Damals galt diese Vorgabe angesichts der zu diesem Zeitpunkt hohen Kursgewinne bei Technologiewerten noch als äußerst bescheiden. Heute müsste der im Jahr 2006 gestorbene Flick um den Werterhalt nach Steuern und Inflation bangen.

Seine Anlagestrategie ist damals wie heute aktuell: „Das Bürschchen“, wie sein Vater ihn nannte, gilt als Paradebeispiel für einen konservativen Anleger, der nicht nach dem schnellen Euro giert. Flick wollte das Vermögen seiner Familie erhalten. Er investierte etwa zehn Prozent in Immobilien, der Rest bestand je etwa zur Hälfte aus Aktien und Anleihen.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Professionelle Vermögensverwalter kümmern sich auch heute noch um das Depot von Flicks Erben. Und das offenbar mit Erfolg: Wurde sein Vermögen bei seinem Tod im Oktober 2006 auf sechs Milliarden Euro veranschlagt, so schätzte es die österreichische Zeitung „Der Trend“ Anfang März dieses Jahres auf 6,4 Milliarden Euro.

Auch der Otto-Normal-Verbraucher scheut hierzulande das Risiko, investiert aber in Zeiten des Zinstiefs scheinbar kopflos. Das zeigt eine Erhebung der Deutschen Bundesbank vom Juni 2013. So hat nahezu Jeder im Land ein Girokonto. Immerhin 78 Prozent nutzen Sparkonten. Doch nur 17 Prozent besitzen Fonds, nur etwa elf Prozent Aktien.

Das Problem: Die Aktienquote ist bei den Meisten zu niedrig. Denn allein mit Giro- und Sparkonten lässt sich der Kaufkraftverlust durch den Anstieg der Inflationsrate nicht abdecken. Und das ist gefährlich. 10.000 Euro haben bei durchschnittlich zwei Prozent Inflation pro Jahr in zehn Jahren nur noch eine Kaufkraft von 8.700 Euro. Nach 20 Jahren sind es nur noch 6.990 Euro.

Kommentare (23)

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anonymos

21.08.2013, 14:30 Uhr

Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing.........und so gibt sich eine "renomierte" Zeitung als Vertriebshilfe für diverse Fonds und Gesellschaften her....anstatt Bilanzen zu lesen und analysen den Lesern weiterzugeben....

manthra

21.08.2013, 14:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

DerSchonEineInflationErlebtHat

21.08.2013, 14:36 Uhr

Mja ... Aktien wären eine feine Sache ... wäre da nicht die Steuer. Steigt der Wert, muss ich den Gewinn versteuern. Fällt er, bekomme ich nichts vom Finanzamt zurück - von wenigen Ausnahmen abgesehen.
Kommt jetzt die Inflation hinzu, und die Aktien steigen auch nur in der Größenordnung des Inflationsausgleich, muss ich den "Gewinn" versteuern, obwohl mein Vermögen inflationsbereinigt gleich geblieben ist.
Ok, das gilt auch für andere Geldanlagen. Aber bei anderen, z.B. Tagesgeld, Rentenpapiere, sind die Kursschwankungen gering bis nicht vorhanden, oder, bei Sachwerten wie Gold, ist der Gewinn nach einer Frist von z.B. 1 Jahr steuerfrei.

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