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05.02.2014

19:21 Uhr

Anlagestrategie

Investieren wie auf Twitter

VonSara Zinnecker

Welche Aktie ist gerade ‚in‘, welche ‚out‘? Auf Twitter, in Foren oder Blogs tauschen sich Marktteilnehmer mehr als anderswo über einzelne Wertpapiere aus. Wie Anleger sich dieses Wissen zunutze machen können.

Nicht nur Twitter-Aktien sind bei Anlegern gefragt. Künftig könnte auch immer wichtiger werden, was Anleger, Trader und Analysten dem Kurznachrichtendienst zu bestimmten Wertpapieren anvertrauen. Reuters

Nicht nur Twitter-Aktien sind bei Anlegern gefragt. Künftig könnte auch immer wichtiger werden, was Anleger, Trader und Analysten dem Kurznachrichtendienst zu bestimmten Wertpapieren anvertrauen.

DüsseldorfDer 14. September 2011 war ein schwarzer Tag für Aktionäre des amerikanischen Streaming-Dienstes Netflix. Monatelang hatte sich der Kurs nach oben gezockelt, dann kam unerwartet die Meldung über fallende Abonnentenzahlen. Die Folge: In nur 24 Stunden war fast ein Fünftel des Wertes futsch und auch in den kommenden Tagen ging es weiter nach unten. Ärgerlich, aber unvorherseh- und damit unvermeidbar?

Miha Grcar, Forscher am Josef-Stefan-Institut in Ljubljana, weiß es besser. Die Stimmung rund um Netflix sei schon Tage vorher gekippt – auf Twitter. Der Experte für große Datenmengen hat analysiert, dass bereits seit Monatsanfang mehr negative als positive Tweets zu Netflix gepostet worden waren.

Ob auf Twitter, Facebook, bestimmten Foren oder Blogs: Im Netz tummeln sich eine Fülle von Meinungen zu einzelnen Wertpapieren. Analysten, private Anleger, Aktieninteressierte teilen ihre Ansichten über den Erfolg einzelner Unternehmen, sie beurteilen jede noch so kleine Information.

Warum Twitter?

Viele Nutzer - viel Meinung

Beschwerden über verspätete Züge, Lästereien über den „Tatort“, private Absprachen: Twitter ist ein öffentliches Medium, wird aber auch für private Kommunikation genutzt. Das irritiert viele Beobachter, die sich nicht mit Twitter beschäftigen, auch heute noch.

In der Kürze liegt die Würze

140 Anschläge – länger darf ein Tweet nicht sein. Darin liegt der Reiz: Nutzer wissen sofort, worum es geht. Wer mehr in die Tiefe gehen will, kann sich mit den verlinkten Texten und Videos beschäftigen.

Nur ein Tenor

Der Tenor in den kurzen Twitter-Nachträgen ist meist eindeutig. Entweder man ist für eine Aktie oder eben dagegen. Ganz anders bei Blog- oder Foreneinträgen. Dort schwankt die Stimmung schon mal in jedem Absatz. Für einen Algorithmus ist es eine große Herausforderung, solche längeren Textstücke eindeutig zuzuordnen.

Reaktion in Echtzeit

Auf Twitter wird nicht lang gefackelt. Ein Ereignis, eine Information, und das Zwitschern ist eröffnet. Wer die Stimmung im Netz abgreifen will, sollte auf die Echtzeit-Tweet nicht verzichten.

Nicht zuletzt also, weil der Masse im Netz nur wenig verborgen bleibt, glauben Datenexperten wie Grcar daran, dass die akkumulierte „gute“ oder „schlechte“ Stimmung – das sogenannte Sentiment – Anlegern bei ihrer Investmentscheidung eine gute Orientierung bieten kann. Zusätzlich zu Kennzahlen, Kaufempfehlungen von Analysten und der persönlichen Überzeugung.

Zwei Pioniere in der Sentiment-Analyse sind Stefan Nann und Jonas Krauß mit ihrem Kölner Unternehmen StockPulse, das sie 2011 gegründet haben. Insgesamt fünf Jahre lang hatten die Wirtschaftsinformatiker – teils auch an der Bostoner Eliteuniversität MIT – an einem Algorithmus getüftelt. Am Ende stand eine Software, das rund 30 verschiedene Kanäle, darunter Twitter, deutsche und englische Foren und Nachrichtenportale, systematisch nach Einträgen zu Wertpapieren und Wechselkursen durchforsten kann.

Dabei mussten Nann und Krauß dem Algorithmus den deutschen und englischen Finanzjargon erst „beibringen“. Dazu nahmen die beiden tausende Posts unter die Lupe, identifizierten für jede Sprache einige hundert Schlüsselwörter und ordneten sie dann den Kategorien ‚positiv‘ und ‚negativ‘ zu. In geringem Umfang ist der Algorithmus auch in der Lage, zu lernen. „Wenn ‚iPhone‘ häufig genug in einem Post auftaucht, in dem auch von Apple die Rede ist, kann der Computer auch ‚iPhone‘ Apple zuordnen“, sagt Nann.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

05.02.2014, 20:19 Uhr

Wenn viele Möchtegern- und Hobby-Börsianer zusammenkommen, gehts ganz bestimmt schief - Roulette pur.
Die alte Regel: Aktie aussuchen bzw. präzise analysieren (Bilanzen, GuV, Märkte, Kunden etc.), Großwetterlage bestimmen und schliesslich das timing. Bei welchem dieser Schritte soll mir da ein lächerlicher gunshot oder dreammonster helfen.
Ach ja. Das Niveau im HB nimmt ebenfalls dramatisch ab. Auch mit solchen Berichten

AW7

06.02.2014, 10:18 Uhr

Aber genau darum geht es hier - Großwetterlage bestimmen. Ein zusätzlicher Indikator dabei kann der Sentiment sein, Content-Aggregation ist zudem hilfreich, weil man selbst gar nicht alle Original-Beiträge lesen kann. Insofern helfen diese Tools vor allem, das Bild zu vervollständigen.
Ob sie jemals wirklich als alleinige Vorhersage-Werkzeuge taugen...? Warten wir es ab!

Account gelöscht!

06.02.2014, 13:16 Uhr

Sie haben glaube ich den Beitrag überhaupt nicht gelesen. Sonst wüssten Sie das eben nicht die Stimmen der Hobbybörsianer entscheidend sind, sondern die des Smartmoney, da deren Beiträge um ein vielfaches höher gewichtet werden in dem Algorythmus.

Und ihre alte Regel hat übrigens schon viele Leute in die Pleite getrieben. Reine Fundamentalanalyse können Sie für wirklich professionelles Trading vergessen, wenn es nur danach ginge dann hätten einige Aktien nicht die Trends hingelegt die Sie hingelegt haben. An der Börse werden nicht die längst bekannten Zahlen wie Bilanzen gehandelt, sondern die Erwartung, die Fantasie - Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Schauen Sie Facebook an, die hätten Sie nach ihrer Theorie niemals kaufen dürfen, ein Pennystock hätten die sein müssen als die letzten Quartalszahlen noch nicht raus waren. Der Markt hat aber auf eine gute Zukunft gesetzt und diese wurde sogar noch X-Fach übertroffen.

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