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30.08.2012

09:49 Uhr

Anlagestrategie

Mit diesen Wetten lag Buffett richtig

VonRolf Benders

Warren Buffett trägt den Beinamen Orakel nicht ohne Grund. (Fast) immer liegt er mit seinen Anlageentscheidungen richtig – selbst, wenn sie noch so absurd erscheinen. Ein kleiner Überblick über seine besten Deals.

Gewinnt dank spektakulärer Investitionen: Anlage-Experte Warren Buffett. dapd

Gewinnt dank spektakulärer Investitionen: Anlage-Experte Warren Buffett.

New YorkAn den Märkten gegen den Strom zu schwimmen, ist gewöhnlich eine gefährliche Angelegenheit. Aber wenn man wie Warren Buffett auch längere Durststrecken aushalten kann, dann ist das eine hochprofitable Strategie. Das belegen einige der spektakulären Wetten von „Uncle Warren“, wie der 81-jährige Milliardär und zweitreichste Mann der Vereinigten Staaten von seinen Bewunderern gerne genannt wird. Gestern ließ über einen seiner Anlagestrategen ausrichten, was er von Anleihen des Staates Frankreich hält: nichts. Der Markt wird zeigen, ob Buffett recht behält. In der Vergangenheit hat der weltbekannte Investor jedenfalls (fast) immer Recht gehabt.

BNSF

So sagte er im Jahr 2010 inmitten der Finanzkrise voraus, dass sich Amerikas Wirtschaft und seine Traditionsbranchen zügig wieder erholen würden. Mit dieser optimistischen Einschätzung stand er damals ziemlich allein da. Und der zweitreichste Mann der USA ließ seinen Worten auch Taten folgen. Für fast 30 Milliarden Dollar investierte er in die US-Eisenbahngesellschaft BNSF. Tatsächlich setzte bald eine zwar moderate, aber doch stetige Erholung ein. Diese geht zwar bislang am Arbeitsmarkt vorbei, aber viele Firmen laufen mit weniger Mitarbeitern blendend. Die Folge: Die nicht börsennotierte BNSF fuhr im Jahr 2011 einen Rekordgewinn von 2,9 Milliarden Dollar ein.

Euro-Staatsanleihen

Extrem skeptisch ist Buffett, was die Zukunft des Euros betrifft. In ihrer jetzigen Form und der aktuellen Zahl an Mitgliedern sei ein Fortbestand der Euro-Zone nur schwer vorstellbar, sagte er kürzlich. Die Krise sei seit zwei Jahren absehbar gewesen. Deshalb habe man damals den größten Teil der Bestände an italienischen, spanischen und französischen Anleihen verkauft. Damit vermied Buffett vermutlich riesige Verluste.

IBM

Im vergangenen November verkündete Buffett, er habe fast elf Milliarden Dollar in den unter vielen Anlegern als langweiliges Unternehmen verschrienen IT-Giganten IBM investiert. Er lag damit richtig, wie sich mittlerweile herausgestellt hat. Mit dieser Position hat er inzwischen einen Buchgewinn von einer Milliarde Dollar eingefahren. Zuletzt kaufte Buffett sogar weitere Aktien zu.

Diese "Turnaorund"-Wetten haben funktioniert

Wette 1

Pro Sieben Sat 1. galt Anfang 2009 als sicherer Pleitekandidat. Zu hoch verschuldet, keine Wachstumsperspektiven. Die Aktie rutschte auf 0,90 Euro ab. Mittlerweile, rund drei Jahre später, kosten die Papiere wieder mehr als 18 Euro. Zeitweise notierte die Aktie sogar bei mehr als 25 Euro.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,90 Euro

Aktienkurs heute: 18 Euro

Wette 2

Hugo Boss hat eine ganz ähnliche Geschichte wie Pro Sieben Sat 1. Bei beiden Unternehmen stieg einst Finanzinvestor Permira ein. Den Kaufpreis durften die MDax-Konzerne freundlicherweise selbst bezahlen, die Schuldenquote stieg. Während der Finanzkrise mieden Investoren Aktien von Unternehmen, die hoch verschuldet waren, auch Hugo Boss. Doch der Modekonzern zahlt seine Schulden pünktlich zurück. Mehr noch: er verdient prächtig.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 8,82 Euro

Aktienkurs heute: 74 Euro

Wette 3

SAF Holland galt lange Zeit als sicherer Pleitekandidat. Die Banken wollten keine Kredite mehr locker machen, der Schuldenstand wuchs. Doch der LKW-Zulieferer hat die Krise überstanden, die Produkte von SAF sind gefragt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,35 Euro

Aktienkurs heute: 4,60 Euro

Wette 4

Infineon galt einst als die heißeste Wette im Dax. Monatelang bangten die Anleger 2008 und 2009 um den Chiphersteller. Wegen der Finanz- Und Wirtschaftskrise verbrannte Infineon das Geld in Windeseile. Wer damals an das Unternehmen glaubte, wurde reich belohnt.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 0,39 Euro

Aktienkurs heute: 5,50 Euro

Wette 5

Continental wurde voll von der Finanzkrise, die zu einer Krise der Autoindustrie wurde, erwischt. Banken taten sich bei der Finanzierung schwer, der Aktienkurs rutschte. Schnäppchenjäger griffen zu.

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 10,99 Euro

Aktienkurs heute: 80 Euro

Wette 6

Villeroy & Boch ist in den vergangenen Jahren in die Schlagzeilen geraten. Der Hersteller von Badezimmer-Ausstattungen musste eine Millionenstrafe wegen Preisabsprachen bezahlen, der Aktienkurs rutschte in der Folge ab. Wer einstieg, hat alles richtig gemacht

Aktien-Tiefstkurs (5 Jahre): 3,10 Euro

Aktienkurs heute: 7,50 Euro

Wells Fargo

Seit 2005 kauft Buffett in unregelmäßigen Abständen Aktien der nach Bilanzsumme viertgrößten US-Bank. Lange stand Wells Fargo von der Westküste, die fast kein Investment-Banking betreibt, im Schatten der Wall Street. Aber seit der Krise hat sich die Aktie besser geschlagen als die der Konkurrenz. Mitten in der Finanzkrise stockte Buffett seine Beteiligung um 586 Millionen Dollar bei einem Kurs von 19,67 Dollar auf. Heute steht die Aktie mit gut 34 Dollar satte 73 Prozent höher. Wells Fargo und IBM sind die größten Beteiligungen Buffetts an börsennotierten Firmen – hinter seinem Lieblingskonzern Coca-Cola. Er hält Aktien im Wert von fast 16 Milliarden Dollar an dem Brausehersteller. Hier ist er hinter der Dividende her, die seit 50 Jahren kontinuierlich gesteigert wurde. Auf Buffett entfielen 2011 378 Millionen Dollar der Coca-Cola-Dividende. Das ist ein satter Gewinn von fast zwölf Dollar die Sekunde vor Steuern.

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