Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2008

17:13 Uhr

Anlagestrategie nach dem Crash

Experten warnen vor langer Durststrecke

VonRalf Drescher

15 Prozent Minus im Dax in drei Wochen, bei einigen Einzelwerten auch doppelt so viel - die Anleger am deutschen Aktienmarkt hat es seit Jahresanfang hart erwischt. Und zumindest ein schnelles Ende der Abwärtsbewegung ruft keiner aus. Experten raten: "Einfach abwarten ist in diesem Umfeld die falsche Strategie."

Abwarten ist die falsche Strategie. Foto: dpa dpa

Abwarten ist die falsche Strategie. Foto: dpa

FRANKFURT. "Ein weiterer Abschwung ist zunächst nicht auszuschließen. Wir haben die letzte schlechte Nachricht noch nicht hinter uns und ein paar gute Quartalszahlen werden nicht reichen, um die Stimmung zu drehen", sagt Matthias Jörss, Anlagestratege beim Bankhaus Sal. Oppenheim.

Inzwischen mehren sich die skeptischen Stimmen von Aktienstrategen, die auch in den kommenden Monaten keine nennenswerte Erholung erwarten - auch wenn bisher keine Bank ihre Kursprognose für 2008 offiziell zurückgenommen hat. "Auch wenn mit der heftigen Bewegung sehr viel eingepreist ist, sprechen das Makro-Umfeld und der anhaltende Sturm schlechter Nachrichten aus dem Finanzsektor gegen eine schnelle Stabilisierung", sagt Tammo Greetfeld, Aktienstratege der Hypo -Vereinsbank. "Kurzfristig ist sicherlich eine technische Gegenbewegung möglich, aber es wird Monate dauern, bis die Märkte einen Boden ausgebildet haben, von dem sie zu einer neuen langfristigen Aufwärtsbewegung ansetzen können." Dieses Szenario spricht seiner Meinung nach für eine defensive Positionierung und eine Untergewichtung zyklischer Sektoren.

Nach Meinung von Johannes Reich, Partner und Leiter des Aktiengeschäfts beim Bankhaus Metzler, sollten Anleger auch darüber nachdenken, sich von Aktienpositionen zu trennen: "Es ist nicht auszuschließen, dass es weiter runtergeht und ich glaube nicht, dass man angesichts der Fülle an Risiken auf eine schnelle Erholung setzen sollte", meint Reich. Jeder Anleger solle sich daher die Frage stellen, was er aushalten kann. "Einfach abwarten ist in diesem Umfeld die falsche Strategie."

Allerdings sind nicht alle Experten skeptisch. Michael Kopmann, Aktienstratege der DZ Bank, sieht für Anleger mit langem Horizont nach den herben Verlusten der vergangenen Wochen gute Einstiegschancen, sobald sich die dramatischen Verkäufe gelegt haben. "Niemand sollte in ein fallendes Messer greifen. Aber langfristig sprechen die Gewinnprognosen der Unternehmen und auch die Bewertungen für steigende Kurse. Wer einsteigt, wenn sich die Wogen geglättet haben und einen langen Atem hat, wird davon profitieren", erwartet Kopmann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×