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08.08.2012

17:18 Uhr

Anlagestrategie

Nur Bares ist Wahres

VonNorbert Häring, Christian Schnell, Ingo Narat, Ozan Demircan, Susanne Schier

Immer mehr Privatanleger und Unternehmen horten ihr Geld auf Konten, statt es zu investieren. Die Unsicherheit breitet sich aus; fast so wie zu Zeiten der Lehman-Pleite. Selbst Profiinvestoren gehen auf Nummer sicher.

Die Geldeinlagen auf deutschen Konten haben sich in innerhalb von einem Jahr um zehn Prozent erhöht. dpa

Die Geldeinlagen auf deutschen Konten haben sich in innerhalb von einem Jahr um zehn Prozent erhöht.

FrankfurtWarren Buffett gilt als Mann der Tat. Wie kein anderer Investor liebt er es, die Märkte zu bewegen. Derzeit aber sieht sich Buffett zur Enthaltsamkeit gezwungen. Seine Investmentholding Berkshire Hathaway hortet immer mehr Bargeld. Im zweiten Quartal 2012 waren es schon 40,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Damit verhält sich der weltbekannte Investor so wie eine wachsende Zahl von deutschen Anlegern, Unternehmen und Pensionsfonds. So hatten die privaten Haushalte laut Statistik der Bundesbank zuletzt 785 Milliarden Euro als jederzeit verfügbare „Sichteinlagen" auf ihren Tagesgeldkonten liegen - 8,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Deutsche Unternehmen parkten im Juni immerhin 270,5 Milliarden Euro auf Tagesgeldkonten, ein Plus von zehn Prozent binnen Jahresfrist. Institutionelle Investoren wie etwa Pensionsfonds erhöhten ihr jederzeit mobilisierbares Geld von 23 auf 29 Milliarden Euro. Insgesamt liegen auf deutschen Girokonten jetzt schon 1,3 Billionen Euro.

Und das, obwohl der durchschnittliche Zinssatz auf Tagesgeld nach Angaben der Bundesbank auf 0,77 Prozent gesunken ist und die Inflationsrate zuletzt bei 1,7 Prozent lag. „Es weiß einfach keiner mehr so recht, wohin mit seinem Geld", erklärt Peter Barkow, Kapitalmarktexperte bei Barkow Consulting in Düsseldorf, die Bereitschaft der Anleger, selbst kleinere Vermögensverluste hinzunehmen. Die Bargeld-Strategie ist aus der Angst geboren.

Damit weist die derzeitige Euro-Schuldenkrise Parallelen zur Situation nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 auf. Damals hatten sich die Barreserven allerdings um fast 30 Prozent erhöht - die Angst der Anleger vor einem Zusammenbruch des Weltfinanzsystems war groß.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Allein im ersten Halbjahr 2012 zogen Anleger aus deutschen Aktienfonds 5,2 Milliarden Euro ab, wie der Fondsverband BVI mitteilte. Die Bargeld-Strategen sind derzeit in der Überzahl. Ihr Motto lautet: Parken und warten. Ein Überblick, wohin das Geld der Deutschen in den letzten Wochen und Monaten geflossen ist.

Kommentare (20)

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08.08.2012, 17:45 Uhr

Wer so dumm ist und diese bunten Klopapier-Scheinchen mit Wertversprechen im Schrank oder noch besser virtuell auf einer dieser Banken hortet, dem ist eh nicht mehr zu helfen!

Dank unserer Verbrecher und Abzockeregierung ist es allerdings kein Wunder mehr dass so mancher sein Geld hortet oder gar ganz wegschafft.

Account gelöscht!

08.08.2012, 17:48 Uhr

Sicher auf Konten..... zum totlachen !!!
Zinsen manipuliert, Inflationsdaten manipuliert, Edelmetalle manipuliert, Börsen manipuliert etc......
90% der Menschen manipuliert (gehirngewaschen)......
Das Knallt !!!!!!!!!!!

Account gelöscht!

08.08.2012, 18:10 Uhr

Der Tenor dieses Beitrages erstaunt einigermaßen: Die Vorhaltung von Bargeld in derartigen Größenordnungen von Leuten, die man für Experten hält, läßt doch ziemlich zwingend schlußfolgern, daß keiner von eben diesen "Experten" mit einem plötzlichen "Euro-Crash" (oder BUFFET mit einem Dollar-Crash) rechnet. Hier im Handelsblatt liest man seit Monaten immer wieder, daß die "Trilogie" - nämlich Gold, Aktien, Immobilien - DAS Gebot unserer unsicheren Währungszeiten sei. Dieser Aspekt bleibt im Beitrag aber bedauerlicherweise unbeleuchtet.

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