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17.01.2008

08:42 Uhr

Anlagestrategie

Olympia 2008 – Balsam für Anlegernerven

VonChristian Schnell

Die Botschaft war an den internationalen Börsen schnell publik: Mit der Ankündigung, die Preise für Ölprodukte, Erdgas und Strom kurzfristig einzufrieren, um die Inflation zu dämpfen, hat Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao vor einer Woche das wahrgemacht, worauf Aktienexperten schon lange gewartet hatten. Die Folge: An Chinas Börsen, die im vergangenen Jahr wieder um 160 Prozent zugelegt haben, wird es keinen Einbruch geben.

An Chinas Börsen, die im vergangenen Jahr wieder um 160 Prozent zugelegt haben, wird es keinen Einbruch geben. ap

An Chinas Börsen, die im vergangenen Jahr wieder um 160 Prozent zugelegt haben, wird es keinen Einbruch geben.

FRANKFURT. Zumindest nicht bis zum 24. August, dem Tag der Schlussfeier der Olympischen Spiele in Peking. Das größte Prestige-Projekt der Neuzeit werde durch keine Verwerfungen an den Märkten getrübt, lautet der übereinstimmende Tenor. „China erlebte zwar zuletzt ein dramatisches Überschießen der Kurse, solange die Regierung aber so viele Instrumente hat, ist die Lage einfach zu managen“, sagt Andreas Utermann, Aktienchef bei Allianz Global Investors.

Anders als im vergangenen Jahr gibt es 2008 mehrere Großereignisse, die in der Konsequenz für die Märkte eines gemeinsam haben: Sie wirken stabilisierend und schützen vor übermäßigen Kursrückschlägen. Die Olympischen Spiele gehören ebenso dazu wie das zweite globale Mega-Ereignis, die US-Präsidentschaftswahlen im November. Beide Male greifen Regierungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten stützend in den Markt ein. Im ersten Fall wegen der extrem schlechten Außenwirkung, die eine einbrechende Börse in den Augen der Welt hätte. In Fall zwei, um die Wahlaussichten des regierenden Lagers zu verbessern.

Deswegen geht Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud davon aus, dass die US–Konjunktur rechtzeitig zur heißen Phase des Wahlkampfs wieder kräftig Fahrt aufnehmen wird. „Die USA zeigten im dritten Quartal letzten Jahres ein sehr starkes Konjunkturwachstum, jetzt sehen wir zwei schwächere Quartale, ehe es ab April wieder nach oben gehen wird“, sagt sie. Eine besonders stützende Rolle nimmt im Wahljahr die Geld- und Fiskalpolitik ein. „Ganz klar: Es wird Wahlgeschenke geben.“ Unter anderem deswegen rechnet Traud damit, dass sich die Wall Street ab dem Frühjahr wieder freundlicher entwickeln wird.

Etwas anders stellt sich die Lage in Deutschland dar, wo mit der Bundestagswahl erst im kommenden Jahr ein Großereignis ansteht. Weil die beiden großen politischen Lager die vier in diesem Jahr anstehenden Landtagswahlen bereits als Testlauf für die Bundestagswahl sehen, besteht Volkswirten zufolge die Gefahr, dass die Politik vom Reformprozess abrückt. Als Beispiele nennen die Experten von Dresdner Kleinwort die teilweise Rolle rückwärts bei den Arbeitsmarktreformen und beim Mindestlohn. „Das dürfte die Geschwindigkeit des Reformprozesses verringern, der sich in den letzten Jahren günstig auf Deutschland ausgewirkt hat.“ Positiv für die Börse ist eine solche Politik in der Regel nicht.

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