Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.03.2012

17:05 Uhr

Anlagestrategie

Schnäppchenjagd in den Schuldenstaaten

VonAnke Rezmer

Die Schuldenkrise in Griechenland schlägt Anlegern aufs Gemüt. Doch selbst in den Schuldenstaaten gibt es Aktien, die hohe Renditen versprechen, manche sogar zu Schnäppchenpreisen. Wo die Profis jetzt noch einsteigen.

Polizisten steht Spalier vor dem griechischen Parlament. dpa

Polizisten steht Spalier vor dem griechischen Parlament.

Das Investieren in Europa gleicht mehr denn je einer Herausforderung. Die Verschuldungskrise ist noch längst nicht gebannt, es droht eine Rezession. Hinzu kommen Störfeuer von außen wie der sich zuspitzende Konflikt Irans mit dem Westen, der den Ölpreis treibt. Gleichwohl eröffnet auch gerade diese Unübersichtlichkeit und schlechte Stimmung Chancen für die Spezialisten unter den Fondsmanagern, die nach aussichtsreichen und günstig bewerteten Aktien fahnden.

Es sind die sogenannten Einzelwertsucher, neudeutsch Stockpicker. Das beweist nicht zuletzt die Ankündigung von einem legendären Vertreter dieser Zunft, Warren Buffett. Der berühmte Investor sucht vorrangig in den USA nach günstigen, starken Titeln. Er berichtete kürzlich, dass er in Europa jeweils 175 Millionen Euro in acht Aktiengesellschaften investiert hat.

Nur ein Teil der professionellen Investoren geht ähnlich vor wie Buffet und sucht den Markt ab nach Titeln, deren Kurs zu Unrecht niedrig ist, gemessen am Wert des Geschäftsmodells. Andere wollen vor allem Titel mit besonderen Wachstumsaussichten in ihre Fonds kaufen.

Wieder andere achten auf beides. Unabhängig von der Anlagephilosophie „kommt es in diesen schwer einschätzbaren Märkten besonders auf die Qualität eines Fondsmanagers an“, sagt Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer des Fondsberatungshauses Fonds Consult. Anleger wiederum müssen seiner Ansicht nach einen langen Atem haben. „Es kann dauern, bis sich das Potenzial mancher Unternehmen wieder im Kurs spiegelt.“

Eine Strategie scheint aktuell viele Fondsmanager zu überzeugen. Die Anlageprofis versuchen, möglichst krisenresistente Firmen in die Fonds zu kaufen, die nur einen geringen Teil ihres Geschäfts im Heimatland machen. „Firmen, die nur vom lokalen Markt abhängen, mögen wir nicht, sie wären aktuell nicht krisenfest genug“, sagt Diane Bruno, Fondsmanagerin der auf europäische Aktien spezialisierten französischen Fondsboutique Mandarine Gestion.

„Eines unserer Anlagekriterien ist möglichst eine Weltmarktführerschaft in einem Nischenmarkt und möglichst keine Konkurrenz in Europa“, sagt sie. Bruno schätzt beispielsweise in Portugal den Lebensmittel-Einzelhändler Jeronimo Martins, der außer in Portugal auch in Polen Supermärkte betreibt. Ähnlich geht Heiko Veit, Fondsmanager beim Bankhaus Metzler, vor. „Wir suchen aktuell vorrangig Firmen, die in den USA und Südamerika stark sind“, sagt er. Dort gebe es derzeit die besten Aussichten auf stabiles Wachstum. Allerdings spiegelten viele Aktienkurse bereits die Differenz zwischen vorrangig international und lokal agierenden Firmen wider, meint Veit. Dennoch gebe es auch zu Unrecht unter die Räder gekommene Anbieter.

Unbeliebte Länder sind aktuell beispielsweise Italien, Spanien und Griechenland. Das glaubt jedenfalls Ed Lugo, Fondsmanager beim US-Haus Franklin Templeton. In diesen Ländern kann man seiner Meinung nach Qualitätstitel mit geringen Risiken zu günstigen Kursen finden. Zu seinen Lieblingswerten zählt der Elektrokabelbauer Prysmian aus Italien. Titel dieser Firma hat Lugo gerade wieder nachgekauft. In Spanien gefällt Franz Weis, Fondsmanager beim französischen Anbieter Comgest, Inditex. Der international aktive Textilkonzern gehört zu den Unternehmen, denen er ein vorhersehbares, anhaltendes, dynamisches Umsatzwachstum bescheinigt, das das Management in zuverlässiges Gewinnwachstum umzuwandeln vermag.

Auch Ann Steele vom britischen Haus Threadneedle bemüht sich um Werte, „die vom internationalen Wachstum profitieren“. Zuletzt hat die Fondsmanagerin konjunktursensible Titel, beispielsweise aus der Automobil- und Luxuswarenbranche gekauft.

Alle fünf Fondsmanager haben zuletzt besser als die meisten ihrer Konkurrenten abgeschnitten, wie André Härtel vom Fondsresearchhaus Feri Eurorating feststellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×