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26.08.2012

11:16 Uhr

Anlagestrategie

Sehnsucht nach wahren Werten

VonMartin Gerth
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Anleger suchen nach Sicherheit. Einen Ort, wo ihr Geld gut aufgehoben ist und mehr Rendite bringt, als es die Inflation auffressen kann. Sie finden ihn möglicherweise fernab der großen Finanzmetropolen.

Weizenernte in Haßmoor bei Rendsburg. dpa

Weizenernte in Haßmoor bei Rendsburg.

DüsseldorfDürre, welche Dürre? Wenn Susanne Schulze Bockeloh den Blick über ihre Äcker im Münsterland schweifen lässt, sieht sie zufrieden aus. Auf 40 Hektar steht ihr Mais prächtig da. Im Juni und Juli hat es genug geregnet. „Gute bis sehr gute Erträge“ erwartet die Landwirtin. Schon mit dem vergangene Woche geernteten Weizen konnte ihr 110 Hektar großer Betrieb die gute Vorjahresernte einfahren.

In die Hände spielt Schulze Bockeloh nun, dass der Maispreis an der Börse stetig steigt. Händlern, die ihr die Maisernte schon jetzt abnehmen wollen, laufen die Preise davon. „Meist wollten die Händler schon früh am Morgen kaufen, bevor sich um elf Uhr die neuen Preise an der Pariser Agrarbörse bilden“, sagt Schulze Bockeloh. Erst wenige Wochen vor der Ernte im September verkaufte sie.

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Der bekannte Investor ist davon überzeugt, dass die Schuldenkrise in Europa eskaliert. Aber nicht nur dort. Auch den USA drohen Ungemach, sagt Rogers. Deutschen Investoren rät er zu einer radikalen Anlagestrategie.

Ganz anders sieht es im Mittleren Westen der USA aus: knochentrockene Maisfelder mit verdorrten Pflanzen. Selbst wenn es jetzt endlich regnen würde, ein Teil der Ernte ist schon verloren. Der Maisgürtel der USA wird von der schlimmsten Dürre seit 1956 heimgesucht.

US-Ernteversicherer schätzen den Schaden auf etwa 20 Milliarden Dollar. Voraussichtlich 13 Prozent weniger Mais als im vergangenen Jahr werden die US-Farmer laut Landwirtschaftsministerium im Herbst ernten. Der Effekt ist ein gigantischer Preissprung: Seit Mitte Juni, als sich die Monster-Dürre in den USA abzeichnete, hat der Maispreis an der Terminbörse in Chicago um 54 Prozent auf acht Dollar je Scheffel (entspricht 25,4 Kilogramm Mais) zugelegt.

Gefährliche Inflation

Was ist Inflation?

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Sich-Aufblasen“. Der Begriff bezeichnet einen andauernden starken Anstieg des Preisniveaus: Waren- und Dienstleistungspreise steigen insgesamt an, blasen sich quasi auf. Die Kaufkraft des Geldes sinkt, da man weniger Waren und Dienstleistungen als zuvor für den gleichen Geldbetrag kaufen kann. Wenn die Preise nur einzelner Güter steigen, herrscht noch keine Inflation. Kennzeichnend für eine Inflation ist vielmehr, dass das Geld generell und fortlaufend an Kaufkraft verliert. Das Eurosystem hat definiert, dass eine jährliche Inflationsrate von unter zwei Prozent noch mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar ist.

Quelle: Deutsche Bundesbank, Bundeszentrale für politische Bildung.

Wie wird die Inflation gemessen?

Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex (früher Preisindex für die Lebenshaltung) als Maßstab für Preisveränderungen herangezogen. Der Verbraucherpreisindex wird anhand eines Verbrauchsschemas, des sogenannten Warenkorbs, berechnet, der alle Güter und Dienstleistungen enthält, die den typischen Verbrauchsgewohnheiten eines Durchschnittshaushalts entsprechen. Dazu gehören Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Bekleidung oder Mieten und langlebige Gebrauchsgüter wie Kraftfahrzeuge oder Möbel genauso wie Dienstleistungen (z. B. Friseurbesuche oder Versicherungen). In der Regel wird der Warenkorb ungefähr alle fünf Jahre neu festgesetzt, weil sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher verändern oder neue Waren und Dienstleistungen angeboten werden. Die Berechnung der Preisveränderung für die Lebenshaltung erfolgt durch die Ermittlung der Preise für die einzelnen Güter des Warenkorbes. Diese Preise werden dann als Indexzahl, bezogen auf ein Basisjahr (derzeit Preisbasis 2005 = 100), ausgedrückt.

Wann spricht man von Hyperinflation?

Eine Hyperinflation ist eine Inflation mit gigantischen Preissteigerungen. Die Inflationsraten liegen mindestens bei 50 Prozent, meist sogar höher. Ist eine Hyperinflation im Gange, nimmt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes ständig zu. Das liegt daran, dass jeder sein Geld möglichst sofort ausgibt, um weiteren Preissteigerungen zuvorzukommen. Die Folge ist eine immer schnellere Nachfrage und immer schnellere Preissteigerungen, bis schließlich das Vertrauen der Bevölkerung in die inländische Währung total verloren geht. Spätestens in dieser Situation weicht die Bevölkerung auf wertbeständiges ausländisches Geld oder auf knappe Sachgüter als Ersatzwährung aus (z. B. amerikanische Zigaretten nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland), um sich auf dem Schwarzmarkt mit notwendigen Gütern zu versorgen.

Schützen Immobilien vor Inflation?

Dass Stein und Beton gegen die Geldentwertung helfen stimmt nur bedingt. Denn die Preise von Eigentumswohnungen und Häusern steigen vor allem in Metropolen. Der Maklerverband IVD hat festgestellt, dass die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser von 1977 bis 2010 stärker gestiegen sind als die Inflation, aber vor allem in Metropolen und nicht in Kleinstädten oder auf dem Land.

Schützt Gold vor einer Inflation?

Gold gilt als besonders sicher, weshalb Anleger gerade aus Furcht vor fallenden Börsenkursen und Angst vor steigender Inflation hier zugreifen. Allerdings raten Verbraucherschützer regelmäßig zur Vorsicht: Denn die künftige Entwicklung des Goldpreises ist reine Spekulation. Zwar spricht aus ihrer Sicht nichts dagegen, in Gold zu investieren. Allerdings gibt es einiges zu beachten: Da Gold in Dollar gehandelt wird, besteht ein Währungsrisiko. Wer Goldbestände aus Sicherheitsgründen nicht daheim lagern will, muss zudem Kosten für ein Schließfach einkalkulieren.

Schützen Aktien vor einer Inflation?

Neben Immobilien und Edelmetallen gelten auch Aktien als verlässlicher Schutz. Die Idee dahinter: Steigt das allgemeine Preisniveau, schlägt sich das früher oder später auch in den Preisen und Kursen realer Vermögenswerte nieder. Einigkeit herrscht unter Experten aber auch darin, dass dieser Zusammenhang erstens nur tendenziell gilt und zweitens vor allem langfristig.

Im Sog der Mais-Rally geht auch Weizen, der als Ersatz für das Futtermittel Mais gilt, durch die Decke: ein Drittel plus seit Mitte Juni. Derzeit kostet ein Scheffel 8,80 Dollar (entspricht 27,2 Kilogramm Weizen). Obwohl die US-Farmer in diesem Jahr 13 Prozent mehr Weizen produzieren werden als erwartet, ist keine Entspannung in Sicht. Denn Russland, die Ukraine und Kasachstan, die neben den USA zu den weltweit größten Erzeugern gehören, melden deutlich schlechtere Erträge.

Ein Ausgleich dafür ist nicht in Sicht: „Die voraussichtlich guten Weizenernten in den USA und Kanada werden das nicht kompensieren können“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst der Commerzbank. Siegfried Hofreiter, Vorstand des Agrarunternehmens KTG Agrar, rechnet daher mit noch weiter steigenden Getreidepreisen.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

26.08.2012, 11:34 Uhr

Ackeraktien .... eine Ausgeburt unserer kranken, dekadenten Zeit
Bald werden die Menschen froh sein einen eigenen Acker zu haben um so ihren Grundnahrungbedarf decken zu können.
"Unsere" Politier tuen ihr Bestes, um uns zu versklaven und zu verarmen....
Und was machen die Menschen ? Diskutieren um Ackeraktien und anderen Schwachsinn....
Armselig geht die Welt zugrunde....

Account gelöscht!

26.08.2012, 12:22 Uhr

Ist es wirklich eine so gute Idee "Acker-Aktien" zu kaufen? Kann man dem Aktienmarkt noch trauen der von Finanzunternehmen aller Art mittels High-Tech Technologien missbraucht und manipuliert wird? Ich denke, das hier ist kein guter Rat!

Digger

26.08.2012, 12:23 Uhr

Mit Nahrungsmitteln zu zocken ist meiner Ansicht nach armselig. Wie wär's mal mit einer ethischen Debatte darüber im HB?

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