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22.12.2015

13:47 Uhr

Anlegen 2016 - Teil 1 - Aktien Deutschland

Wackel-Dax oder Turbo-Dax?

VonJessica Schwarzer

Selten waren sich Experten so uneins. Geht es mit dem Dax weiter aufwärts und knackt sein Allzeithoch? Oder stürzt er auf 8.500 Punkte? Argumente gibt es für beides. Auftakt unserer Serie „Anlegen 2016“.

Anleger müssen auch im kommenden Jahr mit kräftigen Ausschlägen rechnen. dpa

Dax-Tafel an der Börse Frankfurt

Anleger müssen auch im kommenden Jahr mit kräftigen Ausschlägen rechnen.

DüsseldorfMit Prognosen ist das so eine Sache: Die schwierigsten sind diejenigen, die die Zukunft betreffen. Dieser viel zitierte Satz trifft auf die Vorschauen der Volkswirte zu, aber eben auch auf die Jahresausblicke der Anlageexperten. Wie wird das Börsenjahr 2016? Und wie schneidet der Deutsche Aktienindex ab? In diesem Jahr könnten die Ergebnisse unterschiedlicher nicht sein.

Während Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud mit einem neuen Rekord des deutschen Leitindizes rechnet und die Postbank den Dax in zwölf Monaten bei 11.900 bis 12.100 Punkten sieht, erwartet die DZ Bank ein „Jahr des Stillstands für den Dax“ und auch das Bankhaus Lampe geht von einem Nullsummenspiel aus - nebst übelster Schwankungen.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Immerhin sind sich die Experten einig, dass die marktbeherrschenden Themen im kommenden Jahr die Themen dieses Jahres sein werden: Da wären zum Einen die Sorgen um die Konjunktur in China und die Auswirkungen auf das weltweite Wachstum. Einen Vorgeschmack darauf, wie sensibel Börsianer auf schwache Daten aus China reagieren, gab es am "schwarzen Montag" am 24. August. Zum anderen werden geopolitische Krisen wie beispielsweise der Ukraine-Konflikt, aber auch Terroranschläge mit Argusaugen beobachtete. Und nicht zuletzt die Politik der weltweiten Notenbanken wird die Kurse bewegen.

Den ersten Mini-Zinsschritt der US-Notenbank hat der Dax relativ gut verdaut. Auch wenn Fed-Chefin Janet Yellen bereits weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt hat, glauben die Experten vom Bankhaus Lampe nicht, dass es zu einer Normalisierung der Geldpolitik kommen wird. Tippelschrittchen ja, aber kein vergleich zu früheren Zyklen, in denen die Zinsen binnen eines Jahres um durchschnittlich 225 Basispunkte stiegen. Diese Einschätzung teilen viele Experten. Die Zeit des billigen Geldes ist also noch nicht ganz vorbei.

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Entscheidend für die Entwicklung an den Weltmärkten und natürlich auch an der Börse Frankfurt ist natürlich das Wachstum der Weltwirtschaft? Ins Lager der Optimisten gehört die Deutsche Bank, die mit einer Fortsetzung der zyklischen Erholung in den Industrieländern sowie einer konjunkturellen Stabilisierung in China rechnet. Weltweit könnte die Wirtschaft im kommenden Jahr um 3,5 Prozent und im China um 6,5 Prozent wachsen. Die Experten der DZ Bank sehen hingegen kaum noch Wachstumsimpulse für die globale Wirtschaft. Die Weltwirtschaft dürfte auch im nächsten Jahr wieder um drei Prozent wachsen und damit auf der Stelle treten. Auch steigende Unternehmensgewinne dürften als Treiber der Aktienmärkte ausfallen. Einzig die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sorge noch für positive Impulse.

Kommentare (21)

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Frau Annette Bollmohr

22.12.2015, 14:09 Uhr

"Wackel-Dax oder Turbo-Dax?"

Wurscht.

Aktionäre sind eh in aller Regel keine armen Leute.

Das Wichtigste bleibt also immer noch, gut aufzupassen, dass der "Laden", in den man investiert anständig geführt wird und, vor allen Dingen, seine Geschäftspolitik auf die realen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist.

Herr Herbert Türk

22.12.2015, 14:48 Uhr

Bei 2.100 Punkten würde ich einen Kredit aufnehmen und Aktien kaufen, vorher nicht. Die Risiken sind einfach zu den Gewinn-Chancen nachteilig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein schwächelndes China, bankrotte teile Südamerikas, abstürzende Australia unseren Markt Auftrieb geben. Die Russen sind bedeutungslos, angeblich, aber so richtig munter und zum großen Optimisten machen mich die wirtschaftlichen Aussichten nicht. Ich würde auch den Aktienhandel nicht überbewerten. Davon profitieren lediglich politiknahe Unternehmen. Der kleine Michel kann sich dem Markt nicht bedienen. Warum in Aktien investieren, wenn die Aktien-Unternehmen selbst schon nicht mehr wissen, wohin mit den ganzen Geld. Die suchen doch selbst nach Anlagemöglichkeiten.

Herr Stephan Fehlmann

22.12.2015, 14:53 Uhr

Ich vermute, im Nachhinein dürften es dann wie immer alle gewusst haben, was man 2016 alles hätte machen müssen, aber ich vermute doch, es geht am Ende rauf oder runter.

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