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31.12.2015

12:28 Uhr

Anlegen 2016 - Teil 10 - Markt des Jahres

Der falsche Glanz der Börse Caracas

VonAlexander Busch

Weltrekord! Venezuelas Börsenindex hat sich dieses Jahr fast verdreifacht. Wie ist das möglich? Das Karibikland steckt schließlich tief im wirtschaftlichen Chaos. Eine Spurensuche.

picture alliance

Wahlparty in Caracas

São PauloHinter der abgedunkelten Glasfront im modernen Backsteinbau der Börse von Caracas geht es gemächlich zu: Teilweise weniger als ein Dutzend Verkäufe wickelt das elektronische Handelssystem dort täglich ab. Die Börsenumsätze liegen umgerechnet selten höher als ein paar tausend Dollar.

Doch die Ruhe täuscht: Der Börsenindex in Caracas hat dieses Jahr stolze 280 Prozent zugelegt in der einheimischen Währung Bolívar Fuerte, dem sogenannten starken Bolívar. Damit ist die venezolanische Börse der bei weitem lukrativste Aktienmarkt weltweit.

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Das ist erstaunlich: Denn ansonsten gibt es über Venezuelas Wirtschaft nichts Positives zu berichten. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass die Inflation dieses Jahr 160 Prozent betragen könnte - auch das ein weltweiter Rekord. Venezuelas Wirtschaft steckt das dritte Jahr in Folge in einer Rezession. Um zehn Prozent könnte die Wirtschaft dieses Jahr schrumpfen.

In den Supermärkten fehlen viele lebenswichtige Alltagsartikel. Der Dollar ist auf dem Schwarzmarkt 140 Mal so viel wert wie zum offiziellen Wechselkurs. Für sein Öl bekommt Venezuela nur noch 31 Dollar das Fass. Schlechte Aussichten, wenn 95 Prozent der Exporte aus Öl bestehen und das Haushaltsdefizit elf Prozent beträgt im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

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Jedoch ist gerade das Chaos in der Wirtschaftspolitik nach 16 Jahren linkspopulistischer Regierungen der Grund für den erstaunlichen Börsenboom in Caracas: Der Aktienmarkt in Caracas ist für viele Investoren und Unternehmen eine der wenigen Möglichkeiten, ihre Bolívar vor dem Wertverfall zu retten. Auch der Immobilienmarkt ist deswegen schon völlig überhitzt wegen dieser Flucht in Sachwerte.

An der Börse haben Investoren daher nicht mehr viel Auswahl: Nur noch 15 Unternehmen sind gelistet, nachdem die linken Regierungen fast alle Aktienunternehmen verstaatlicht haben. Wegen der geringen Kapitalisierung kann die Börse auch bei geringen Investitionen so rekordverdächtig zulegen.

Übrig geblieben sind fast nur noch Banken, wie Banco de Venezuela, Mercantil und Provincial. Und denen geht es blendend, weil sie einem kredithungrigen Staat zu hohen Zinsen Geld leihen. Vor allem die steigenden Aktienkurse der Banken haben der Börse zu ihrer Hausse verholfen.

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